Prenzlauer Berg

Auf der falschen Spur - Pappelallee wird wieder umgebaut

Ab 2014 sollen an der Pappelallee Radstreifen angelegt und Gehwege erneuert werden. Dafür wird die Fahrbahn enger und Parkplätze fallen weg. Erst 2010 hatte die BVG neue Gleise für die Tram angelegt.

Foto: JÖRG KRAUTHÖFER

Mehr Sicherheit für Radfahrer, bequemere Gehwege für Passanten und weniger Stellplätze für Pkws – das denkt der Bezirk Pankow zu erreichen, wenn er die Pappelallee und die Stahlheimer Straße umgestalten lässt. 2014 soll es losgehen. Die Details der Planung werden in diesem Jahr festgelegt. Anwohner, Gewerbetreibende und Kinder aus den Schulen können Vorschläge für die Umgestaltung einbringen.

Das ist eine ganz schöne Idee, doch sie kommt ein wenig spät. Denn viele Anwohner haben noch die Bauarbeiten des Jahres 2010 in Erinnerung, als die BVG neue Gleise verlegte und die Straße komplett gesperrt war.

"Selbstverständlich habe ich Verständnis dafür, dass die Pappelallee für Radfahrer sicherer werden sollte", sagt Valerie Wiese. "Kein Verständnis habe ich jedoch dafür, dass die Straße innerhalb von wenigen Jahren wieder aufgerissen wird." Valerie Wiese ist Geschäftsführerin von "Mia Mohnstreusel", einem Laden für Kinderbekleidung an der Pappelallee 18.

Kritik von Geschäftsleuten

"Während der Umbauarbeiten 2010 war unser Laden häufig gar nicht für Eltern mit Kinderwagen zu erreichen. In dieser Zeit hätten wir auch schließen können." Die Händlerin meint, nicht nur sie, sondern auch die anderen Gewerbetreibenden hätten während der Bauarbeiten damals "ziemlich hohe Umsatzverluste" in Kauf nehmen müssen. "Wieso hat die Stadt nicht damals gleich die Radwege angelegt? Das Problem war doch bekannt." Doch 2010 war das Bezirksamt noch mit der Planung für die Kastanienallee in Prenzlauer Berg beschäftigt, deren nordöstliche Verlängerung die Pappelallee ist.

Seit achteinhalb Jahren führt Oliver Ebert die Bar "Becketts Kopf" an der Pappelallee 64. Auch er erinnert sich an die Straßenbaustellen von 2010. "Dass das jetzt schon wieder passieren muss, und schon wieder Sperrungen kommen, das sieht wie chaotische Planung aus."

Warum die Verantwortlichen nicht miteinander gesprochen haben, fragt er, um die Bauvorhaben zu koordinieren und gemeinsam durchzuführen. "Das wäre auch kostengünstiger geworden." Es sei auch deshalb ärgerlich, so Oliver Ebert, weil er beim Bezirksamt die Terrassenfläche auf dem Bürgersteig beantragt und bezahlt habe, für die kommenden drei Jahre. Doch die Außenplätze könne man während der Bauzeit nicht benutzen. "Es setzt sich ja keiner vor einen Kran."

Pappelallee soll ähnlich wie Kastanienallee werden

Ihm missfällt auch, dass es weniger Platz zum Parken in der Straße geben wird. "Mit Parkplätzen sieht es jetzt schon schlecht aus", sagt Oliver Ebert. "Wenn es noch weniger werden, ist das auf jeden Fall ein Nachteil für uns." Als Gastronom sei er darauf angewiesen, dass seine Gäste einen Stellplatz für ihr Auto finden.

Eine gemeinsame Umbauplanung mit der BVG im Jahr 2010 hätte es nicht geben können, meint Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). "2010 haben wir noch gar nicht an die Pappelallee gedacht." Erst im Frühjahr 2012 fasste die Bezirksverordneten-Versammlung Pankow den Beschluss dazu.

Pappelallee und Stahlheimer Straße sollen ähnlich wie die Kastanienallee werden. Der Umbau wird in mehreren Abschnitten erfolgen, von Schönhauser Allee bis Raumerstraße, von Raumerstraße bis Stargarder Straße, und von dort bis Wichertstraße.

Studenten haben Ideen eingereicht

Ein Novum gibt es, das sogar ein Pilotprojekt ist: Für die Umgestaltung haben Studenten der Kunsthochschule Weißensee und der Humboldt-Universität gemeinsam mit dem Tiefbauamt Pankow Ideen entwickelt. Ihre Vorschläge sind am Montag bei einem Symposium im "Pfefferwerk" an der Schönhauser Allee vorgestellt worden.

Einer davon heißt "Tango". Es ist ein beweglicher Sitzhocker. Sein Sockel soll aus schweren Materialien wie Beton oder Naturstein bestehen, sodass man ihn nicht wegtragen kann. Er soll jedoch so leicht sein, dass man ihn umkippen und über eine kurze Distanz rollen kann – etwa in den Schatten oder unter einen Baum, oder zu anderen Sitzenden.

Mehrere Hocker sollen vor dem Oberstufenzentrum an der Pappelallee stehen, als Sitzgelegenheit für die Schüler während der Pausen, und für Passanten. Auf dem Platz vor dem Oberstufenzentrum sollten auch Mülleimer und Aschenbecher aufgestellt werden, er sollte jedoch vor allem heller werden.

Fahrbahn wird auf neun Meter reduziert

Deshalb schlagen die Studenten vor, dass Spiegel an den Dächern der gegenüberliegenden Häuser angebracht werden, die das Sonnenlicht reflektieren. Weitere Ideen der Studenten sind Sitze, die am Brückengeländer eingehängt werden können, und mobile Blumenbeete. "Solche Anregungen wünsche ich mir öfter", sagte Stadtrat Kirchner. "Wir werden uns das heraussuchen, was für die Pappelallee von besonderem Interesse ist."

Die Strecke zwischen Schönhauser Allee und Erich-Weinert-Straße ist etwa 1,5 Kilometer lang. Neue Straßenlaternen sind vorgesehen. Die defekten Gehweg-Platten und Bordsteinkanten werden so erneuert, dass sie für Gehbehinderte gut passierbar werden. Die Fahrbahn wird schmaler. Von derzeit elf Meter wird sie auf etwa neun Meter reduziert. Sechs Meter sollen für Autos und Straßenbahn zur Verfügung stehen.

Am Fahrbahnrand, wo jetzt noch Auto an Auto parkt, soll ein 1,5 Meter breiter Streifen für Radfahrer angelegt werden. Sie rollen bislang vor allem in der Mitte der Fahrbahn, wo auch die Straßenbahn fährt, und sind oft gefährlichen Situationen ausgesetzt. Durch den Rad-Streifen gehen Autostellplätze verloren. Stattdessen soll es Parkbuchten geben. Für Lieferfahrzeuge werden Ladezonen eingerichtet.

Weitere Straßenbauprojekte mit Studenten

Geplant ist auch, dass der Charakter einer Allee wieder deutlich wird. Unter diesem Aspekt will das Bezirksamt die Bäume sichten lassen. Ein Gutachten wird angefertigt. Die Kosten für den Straßenumbau sind auf drei Millionen Euro veranschlagt.

Stadtrat Kirchner will auch bei weiteren Straßenbauvorhaben Studenten einbeziehen. "Das ist ein Gewinn für beide Seiten", sagte er. Die Studenten seien an konkrete Rahmenbedingungen gebunden. "Und die Politiker bekommen eine neue Sicht auf das Vorhaben."

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