Erneut ist in einem Berliner Gefängnis ein Insasse von einem Mithäftling misshandelt worden. Zu dem Vorfall kam es an diesem Montag in der Justizvollzugsanstalt Moabit, wie es in einem Schreiben von Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) an die rechtspolitischen Sprecher der Abgeordnetenhaus-Fraktionen hieß. Demnach wurde ein Häftling, der wegen eines Sexualdelikts in U-Haft sitzt, von einem Strafgefangenen in einem Haftraum mit Faustschlägen und Tritten attackiert und verletzt.

In dem Schreiben vom Donnerstag kündigte der CDU-Politiker eine „übergreifende Risikoanalyse“ an.

Erst Anfang der Woche war bekannt geworden, dass im Männergefängnis Tegel ein 53 Jahre alter Häftling von Mitinsassen schwer misshandelt worden war. Der Mann sitzt seit Dezember 2012 eine langjährige Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ab, sagte die Sprecherin der Justizverwaltung Lisa Jani am Mittwoch.

Eine Gruppe von Mithäftlingen hatte den aus Bayern stammenden verurteilten Straftäter im Mai derart misshandelt, dass ihm Rippen brachen. Derzeit liegt der Straftäter in einem Krankenhaus. Gegen eine Gruppe von Mithäftlingen ist Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung erstattet worden, wie Jani sagte.

Nach Angaben der Sprecherin kommt es immer wieder zu Übergriffen unter Gefangenen. Im Gefängnis Tegel waren es im vergangenen Jahr laut Justizbehörde 59 Körperverletzungen, im Jahr davor 60. „Wenn die Ermittlungen einen hinreichenden Tatverdacht ergeben, wird das von der Staatsanwaltschaft angeklagt“, sagte Jani. In diesem Fall seien drei Verdächtige auf eine Sicherungsstation gebracht worden. Zudem wurde ein Video beschlagnahmt, das vom Landeskriminalamt ausgewertet wird.

dpa/sei