Mehrere Häftlinge der JVA Tegel haben einen Mitgefangenen brutal misshandelt und die Attacke gefilmt. Justizsprecherin Lisa Jani bestätigte am Dienstag den Vorfall, der sich bereits am 9. Mai 2013 ereignet hat. Das Opfer liegt derzeit noch „mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen“ im Justizvollzugskrankenhaus in Moabit. Drei Verdächtige sind inzwischen in die Sicherungsstation der JVA verlegt worden, das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung übernommen.

Die Filmsequenzen, die mit einer Handykamera aufgenommen wurden, zeigen, wie ein wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilter 53-Jähriger zunächst mit einem Radiogerät niedergeschlagen wird. Angefeuert von Rufen wie „Schlagt ihn tot“, prügeln anschließend mehrere Gefangene auf den bewusstlosen Mann ein. Dabei wurden ihm mehrere Rippen gebrochen.

Als der schwer verletzte Mann wieder zu sich kam, informierte er die Leitung der Teilanstalt 3, in der sich der Vorfall abspielte. Ein Notarztwagen brachte den Mann zunächst zur Behandlung ins Humboldt-Klinikum. Von dort wurde er nach der Erstbehandlung ins Haftkrankenhaus überführt.

Auf dem Film sind einige der Beteiligten zu erkennen

Für die Ermittler des LKA ist das Filmen der Misshandlung nicht nur skrupellos, sondern auch aufschlussreich, wie ein Beamter am Dienstag sagte. Denn die Filme zeigen nicht nur die brutale Attacke, auch einige der Beteiligten sind zu erkennen. Für die Polizei war das eine so nicht erwartete Hilfe.

Die Hintergründe der Tat sind nach Auskunft von Lisa Jani noch unklar. Sexualtäter, insbesondere solche, die sich an Kindern vergreifen, stehen in der internen Häftlingshierarchie ganz unten und sind häufiger Gewalt von Mitgefangenen ausgesetzt. Vor diesem Fall habe es jedoch keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung des Opfers gegeben, sagte die Justizsprecherin.

hhn