Wetter

Meteorologen versprechen durchschnittlichen Sommer

Am Sonnabend hat der meteorologische Sommer begonnen. Doch von Sonnenschein ist nichts zu sehen. Statt dessen regnet es. In Brandenburg steigt die Hochwassergefahr.

Foto: JOHANNES EISELE / AFP

Überflutete Straßen, Keller voller Wasser, umgestürzte Bäume: Heftige Regenfälle haben am Freitag weite Teile Deutschlands getroffen. Auch über Berlin zog am Nachmittag ein heftiges Gewitter mit starken Niederschlägen hinweg. Die Feuerwehr meldete vereinzelte Wasserschäden. In Spandau musste ein Dachstuhl nach einem Blitzeinschlag im Falstaffweg gelöscht werden. Verletzt wurde niemand. Nahe dem Bahnhof Westkreuz entfernte die Feuerwehr einen umgestürzten Baum aus dem Gleisbett. Im Hotel Waldorf Astoria löste offenbar das Gewitter einen falschen Feueralarm aus. Die Gäste wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht, unter ihnen auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Hochwassergefahr wächst

Mit den Regenfällen wächst auch die Hochwassergefahr an Brandenburgs Flüssen. Für den Spree-Nebenfluss Dahme wurde am Freitag die niedrigste Alarmstufe A1 auf den Flussabschnitten von Golßen bis Berlin ausgerufen, wie das Landesumweltamt mitteilte. Zuvor waren die A1-Richtwerte am Pegel Prierow und am Pegel Neue Mühle (beide Dahme-Spreewald) mit steigender Tendenz überschritten worden. Mit der Alarmstufe A1 wurde am Elbe-Pegel Wittenberge (Prignitz) für Sonntag gerechnet. Bei der Stufe 1 werden die Flüsse ständig überwacht. Für das Wochenende kündigten die Meteorologen in Berlin und Brandenburg gewittrige Schauer und örtlich ergiebige Regenfälle an.

Dabei beginnt am Sonnabend der meteorologische Sommer. Und schon der Mai brachte nach einem extrem kalten März und einem durchwachsenen April mancherorts rekordverdächtige Regenmengen. Doch statt Sonne zu verkünden warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) in München erneut vor extremen Regenfällen – dieses Mal in Südbayern. Von Lindau am Bodensee bis zum Berchtesgadener Land müsse in vielen Kreisen bis Sonntag mit Dauerregen und bis zu 120 Litern Niederschlag pro Quadratmeter gerechnet werden. Straßen könnten überflutet werden – auch Erdrutsche seien möglich, teilte der DWD mit.

Während sich in Berlin und Brandenburg die Schäden noch in Grenzen hielten, wurden andere Teile Deutschlands deutlich schwerer getroffen. Der Dauerregen verursachte in Teilen Bayerns Überschwemmungen. Auf dem Main ist die Schifffahrt wegen des Hochwassers nur noch eingeschränkt möglich. An der Autobahn 73 zwischen Forchheim und Coburg in Bayern wurden Sperren eingerichtet, weil die Fahrbahn überflutet war, wie die Polizei mitteilte. Viele Keller liefen voll. Nahe Pottenstein bei Bayreuth stürzte am Morgen ein etwa ein mal ein Meter großer Felsbrocken auf eine Bundesstraße. Verletzt wurde niemand. Vermutlich habe sich der Brocken wegen des starken Regens gelöst, sagte ein Polizeisprecher. Bei einem Unfall auf regennasser Straße bei Mühlacker in Baden-Württemberg wurden drei Menschen schwer verletzt. In Ebensfeld flohen einige Menschen vor dem Wasser aus ihren Häusern. Am Vormittag konnten die Bewohner zurückkehren, wie ein Sprecher des Landratsamtes in Lichtenfels sagte.

In Thüringen drohte bei Sömmerda der Deich zu brechen. Für die Gera galt die höchste Alarmstufe drei. Ein Krisenstab trat zusammen. Sollte der Damm brechen, würde der Ort Walschleben überflutet werden. Der Pegelstand der Gera soll bis Sonntag noch um 80 Zentimeter steigen. Im Landkreis Weimarer Land musste die B87 zwischen Kranichfeld und Bad Berka wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden. Zudem rutschte ein Hang ab. Überflutungen wurden aus dem Großraum Jena gemeldet. Die Erfurter Stadtverwaltung registrierte zudem Überschwemmungen in zahlreichen Ortsteilen im Süden sowie einzelne Flutungen in nördlichen Stadtteilen wie Tiefthal oder Kühnhausen.

In Sachsen wurde die Kleinstadt Grimma in der Nacht zum Sonnabend teilweise überflutet. Auch in anderen Städten des Freistaates blieb die Lage angespannt. Wie sich die Lage am Neckar entwickelt, ist ungewiss. Heidelberg meldete bereits Hochwasser, die Altstadt ist aber derzeit nicht in Gefahr. In der Nacht war der Pegel des Neckar stark angestiegen. Abgesehen von einigen Straßensperrungen und verschiedenen Vorsichtsmaßnahmen blieb die Lage an dem Fluss aber bislang ruhig. Ein Rheinzufluss drohte, die südhessische Kleinstadt Biblis zu überschwemmen. Die ganze Nacht stockten Feuerwehrleute einen Damm auf, um das zu verhindern.

Auch Feldarbeit ist schwierig: Der Dauerregen hat nach Angaben der agrarmeteorologischen Forschungsstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 40Prozent der Äcker unbefahrbar gemacht.

In einem breiten Streifen von den Küsten im Norden bis zu den Alpen – das war der Weg der Regenwolken in den vergangenen Wochen – seien die Böden so nass wie seit 50 Jahren nicht mehr. „Wenn es nächste Woche nicht besser wird, drohen enorme Schäden“, sagte der DWD-Agrarmeteorologe Franz-Josef Löpmeier in Braunschweig. „Ideal wären 14 Tage schönes Wetter.“ Auf manchen niedersächsischen Spargelfeldern schauten kaum noch die Dämme aus dem Wasser. Große Schäden drohten bei den Kartoffeln, bei denen die Ernte der frühen Sorten anstehe.

Durchschnittlicher Sommer

Die Hochwasserlage in Niedersachsen entspannte sich dagegen in der Nacht zu Sonnabend weiter. Neuer Regen könnte zahlreiche Flüsse aber weiter anschwellen lassen. „Der Boden ist gesättigt wie ein nasser Schwamm. Jeder weitere Regentropfen geht jetzt eins zu eins in die Flüsse“, sagte eine Sprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. In der Region Hannover war am Donnerstag eine Radlerin gestorben, die von einer überfluteten Straße in den Fluss Leine getrieben worden war.

Nachdem der Winter extrem lang und der Frühling extrem nass war, setzen viele Menschen ihre Hoffnungen auf den Sommer. Erste Langfristtrends von internationalen Wetterdiensten deuten für Deutschland in diesem Jahr einen durchschnittlichen Sommer an. Es soll weder wärmer noch kälter als im langjährigen Durchschnitt werden. Auch beim Niederschlag wird es, wenn man den aktuellen Langfristtrends Glauben schenken darf, eher durchschnittlich. Mit anhaltenden Regenfluten wie 2011 muss Deutschland im Sommer 2013 höchstwahrscheinlich nicht rechnen.