Berlin gilt weltweit als cooler Ort, an dem man unbedingt gewesen sein muss. Vor allem junge Menschen kommen in die Stadt, um hier zu leben. Doch was ist mit den Jugendlichen, die hier aufgewachsen sind – wie fühlen sie sich, sehen auch sie das Potenzial ihrer Stadt, wollen sie bleiben? Was heißt es für sie, in Berlin jung zu sein? Heute beginnt die Jugendmesse You, auf der sich alles um Musik, Sport und Lifestyle, um Bildung, Karriere und Zukunft Jugendlicher drehen wird. Die You versteht sich als Leitmesse der Jugendkultur. Wer wissen möchte, wie die Jungen ticken, der dürfte dort Antworten finden.

Eine Zahl vorweg: Von den knapp 3,5 Millionen Berlinern sind lediglich rund 600.000 zwischen 15 und 25 Jahre alt, also jugendlich. Das ist nicht mal ein Viertel der Bewohner. Hinzu kommen 244.500 Kinder im Alter zwischen sechs und 15 Jahren. Um deren Sozialverhalten geht es in der KidsVerbraucheranalyse von 2012. Demnach haben 80 Prozent dieser Kinder einen Computer zur Verfügung. Von den Zehn- bis 13-Jährigen sind 94 Prozent im „World Wide Web“ unterwegs. Von den Sechs- bis Neunjährigen sind es 50 Prozent. Überraschend ist, dass schon 14 Prozent der Vier- bis Fünfjährigen Kontakt zum Internet haben. Über ein internetfähiges Handy verfügt etwa ein Fünftel der älteren Kinder. Von den Kleineren zwischen sechs und neun bewegen sich bereits sechs Prozent ohne Kontrolle Erwachsener im Netz.

Wir haben drei Berliner Jugendliche gefragt, wie es sich anfühlt, jung zu sein? Heute, hier und jetzt. Jenseits der Klischees hat sich dabei gezeigt, dass es für sie am Wichtigsten ist, Zeit mit Freunden zu verbringen. Soziale Netzwerke spielen eine unterschiedlich große Rolle.

Anton (14), Lichterfelde

„Wie es sich anfühlt, jung zu sein? Locker. Ich versuche, möglichst erwachsen und selbstständig zu sein. Das hat sicher auch mit meinem starken Freiheitsdrang zu tun. Medien spielen in meinem Leben eine wichtige Rolle. Rund drei Stunden verbringe ich am Tag mit Laptop, Smartphone und Spielkonsolen. Facebook ist für mich als soziales Netzwerk gar nicht mehr so wichtig, obwohl ich dort etwa 300 Freunde habe. Viel häufiger nutze ich zum Chatten den Messenger-Dienst WhatsApp: Darüber tausche ich mich mit anderen über Hausaufgaben aus oder verabrede mich. Es ärgert mich wirklich sehr, dass Lehrer und andere Erwachsene ständig das Vorurteil verbreiten, Jugendliche würden sich nicht mehr richtig unterhalten, sondern nur noch im Internet surfen. Das stimmt einfach nicht! Ich treffe mich sehr oft mit meinen Freunden, um in die Stadt zu fahren. Oder um in einen Park zu gehen und zu chillen. Wenn ich mit Kumpeln zusammen bin, spielen wir auch gerne. Zu meinen Favoriten gehört das Konsolenspiel „Need for Speed“, bei dem es um Autorennen geht. Aber auch klassische Brettspiele wie Monopoly finde ich gut. Und Pokern, auch wenn ich nicht um Geld spiele. Meine Familie ist mir sehr wichtig. Ich habe eine kleine Schwester, für die ich mich mitverantwortlich fühle. Manchmal helfe ich ihr bei Mathe, weil ich mit Zahlen ganz gut klarkomme. Wann und ob ich selbst einmal eine Familie gründen will, weiß ich nicht - ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Um so mehr über meinen Berufswunsch: Ich wollte schon immer Arzt werden. Besonders die plastische Chirurgie fasziniert mich, weil es interessant ist, dass man Menschen verändern kann, wenn sie mit ihrem Äußeren unzufrieden sind. Und Aussehen spielt heute eine große Rolle. Mein größter Traum ist es jedenfalls, Medizin zu studieren. Dafür werde ich alles geben. Es muss nicht unbedingt in Berlin sein, ich bin offen für neue Erfahrungen. Schule nimmt in meinem Alltag natürlich viel Platz ein. Die Klassengemeinschaft zu erleben, ist schön. Ansonsten macht mir Schule keinen Riesenspaß, aber sie gehört einfach zum Leben dazu – wie Abendessen. Meine Lieblingsfächer sind Geschichte und Sport. Auch in meiner Freizeit treibe ich gerne Sport, wobei momentan Tennis für mich ganz oben steht. Aber auch Eishockey ist spannend. Ein anderes Vorurteil über Jugendliche ist, dass sie sich wenig für Politik interessieren. In meinem Fall trifft das ein bisschen zu. Ich suche nicht nach Nachrichten, aber wichtige News finden mich: Über das Internet oder das Fernsehen erfahre ich, wenn in den USA ein Präsident gewählt wird oder in Deutschland ein neuer Bundestag. So fühle ich mich im Großen und Ganzen politisch informiert.“

Margareta (14), Charlottenburg

„Ich freue mich auf mein Abitur, weil dann das Leben erst so richtig losgeht. Man zieht aus, wird selbstständig, studiert, fängt an zu arbeiten. Diese ganzen Erkenntnisse habe ich zum Teil auch meinen drei großen Geschwistern zu verdanken. Sie haben selber diesen Schulstress durchgemacht und können mir daher aus eigenen Erfahrungen erzählen, wie wichtig die Schule ist. Ich bin sehr froh große Geschwister zu haben. Sie erzählen sehr viel von ihrem Studentenleben. Sie reisen gern, kommen viel rum und lernen ständig neue Leute kennen. Für die Uni zu lernen, macht viel mehr Spaß als für die Schule. Man lernt selbstständiger und motivierter. Mein Bruder hat sich entschieden, in Wien zu studieren, das kann ich mir auch gut vorstellen. Ein neues Land, eine neue Stadt. Berlin ist schon eine coole Stadt, aber ich möchte auch neues entdecken und dazu lernen. In meiner Freizeit mache ich gern Sport. Ich spiele zwar nur selten Fußball, trotzdem bin ich leidenschaftlicher Hertha-Fan. Jeder Besuch des Olympiastadions ist immer wieder aufregend und macht Spaß. Das Stadion ist einer meiner Lieblingsorte in Berlin. Die Wahl des Studiums ist natürlich sehr schwierig. Meine Freunde und ich machen uns heute schon sehr viele Gedanken über dieses Thema. Meine größte Angst ist es, etwas studiert zu haben, mit dem ich dann keinen Spaß haben werde. Wenn man an etwas Spaß hat und Leidenschaft zeigt, dann hat man da auch Erfolg. In meiner Generation spielen die Medien eine große Rolle. Nicht ohne Grund werden wir auch die iPod-Generation genannt. Jeder in meinem Alter hat ein Handy und hat es auch immer dabei. Mein erstes Handy habe ich 2007 bekommen, da war ich neun Ich durfte damals allein mit dem Fahrrad zur Schule fahren und meine Eltern haben mir daher ein Handy organisiert, damit ich immer zu erreichen bin. Damals habe ich mein Handy lediglich für SMS und Telefonieren benutzt. Heute bestimmt es fast meinen gesamten Alltag. Nach wie vor sind meine Eltern beruhigt, dass ich ein Handy habe und sie können mich – wenn nötig – auch orten. Mein Handy ist aber noch zu viel mehr gut. Es zeigt mir den Weg, ich kann meine Interessen immer und überall im Internet nachlesen und ich kann so besser in Kontakt mit meinen Freunden, Verwandten und Geschwistern bleiben.“

Gabriela (14), Steglitz

„Ich wohne zwar in Steglitz, bin aber am liebsten in Kreuzberg. Dort ist die Atmosphäre ganz anders. Es gibt überall außergewöhnliche Leute, alle gehen entspannter miteinander um. Mein größter Traum ist es, dort zu wohnen, wenn ich studiere. Mit meinem Vater habe ich das schon geregelt, er bezahlt mir eine Wohnung, wenn es soweit ist. Eigentlich bin ich aber gar nicht so ein Stadtkind. Ich finde ruhige Orte cool, wo man die Berge sieht oder das Meer, wo Wald ist. Mit meinen Freunden habe ich verabredet, dass wir nach dem Abi zwei Wochen in die Wildnis gehen, irgendwo in Europa. Wir wollen wandern und zelten. Der Film „Into the wild“ hat uns auf diese Idee gebracht. Die Schule fällt mir leicht. Meine Lieblingsfächer sind Biologie und Chemie. Das ist praktisch, weil ich unbedingt Medizin studieren will. Später möchte ich als Pathologin arbeiten. Das wird klappen, da bin ich optimistisch. Wenn doch nicht, würde ich mich vielleicht selbstständig machen. Bis dahin ist ja zum Glück noch Zeit. Wobei ich schon der Meinung bin, dass auf meine Generation viel Druck ausgeübt wird. Wir sollen dafür sorgen, dass in Zukunft alles besser wird, zum Beispiel mit der Umwelt. Klar, ich kann freundlich sein, mich gut benehmen, Ordnung halten. Das sind alles so Regeln, die müssen sein. Zu viele Regeln finde ich aber blöd. Viele Freunde von mir sagen, dass ich rockig rüber komme. Andere denken, ich bin Punk, wegen meiner rötlichen Haare. Für mich ist wichtig, dass ich meine Meinung sagen kann und die anderen das akzeptieren. Umgekehrt mache ich das auch so. Einige Lehrer haben es aber nicht so gern, dass ich ziemlich oft meine Meinung sage. In meiner Freizeit bin ich am liebsten mit Freunden zusammen. Ich bin ein richtiger Gruppenmensch. Soziale Netzwerke sind mir nicht so wichtig. Ich könnte ohne Facebook auskommen, aber nicht ohne Telefon.“