Es sollte nichts weniger als das größte Latein-Deutsche Kulturfestival werden und überdies das Strandbad Plötzensee in „völlig neuem Ambiente“ zeigen. Zumindest Letzteres ist gelungen: Rund zwei Wochen vor Beginn des Sommer-Musikfestivals „BeLaSound“ liegen die Beteiligten im Streit. Ursprünglich sollte das Festival von 14. bis 16. Juni im Strandbad Plötzensee stattfinden, doch der Veranstalter und die Pächter des Strandbads sind offenbar so heftig aneinandergeraten, dass sie die Zusammenarbeit aufgekündigt haben.

Fest steht allerdings: Das Festival hätte ohnehin nicht wie geplant im Strandbad stattfinden können. Das Bezirksamt hat abgelehnt, Veranstaltungen zu erlauben, die „nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Badebetrieb stehen“.

Dieser Bescheid der Baubehörde Mitte liegt der Morgenpost vor. Es ist das einzige verlässliche Dokument in einem verworrenen Streit über das Scheitern einer Veranstaltung, die ganze drei Tage lang laufen sollte. Barbara Schöneberger und Larsito von Culcha Candela waren als Moderatoren angekündigt. Nun soll das Fest im Yaam-Club in Friedrichhain laufen. Eine Nummer kleiner. Auf der offiziellen Berlin-Seite im Internet stand am Donnerstagabend noch immer Plötzensee als Veranstaltungsort.

Doch statt über die fehlende Genehmigung streiten die Beteiligten über ganz andere Vorfälle. Musikfestival-Veranstalter Jan Stens behauptet, dass Mitarbeiter seines internationalen Teams von Mitarbeitern des Strandbads fremdenfeindlich beleidigt worden seien. Zudem habe ihn ein Bekannter der Strandbad-Mitarbeiter zusammengeschlagen. Nach Angaben des Pächters Erik Müller habe es keine derartigen Vorfälle gegeben. Hingegen stünden Rechnungen aus, die Jan Stens noch nicht beglichen habe.

Anzeige wegen Körperverletzung

Der Streit schwelt schon länger, zugespitzt hat er sich aber offenbar am vergangenen Freitag, als im Strandbad Plötzensee der Frauenlauf des Sportartikelherstellers Nike stattfand. Zu diesem Anlass hatten sich Jan Stens und sein Team um die Gastronomie gekümmert. Es sollte sich laut Stens um eine Art Generalprobe für das bevorstehende BeLaSound handeln. Während der Veranstaltung „wurden Mitarbeiter unseres multinationalen Teams durch diese Leute immer wieder beleidigt und aufgefordert nach ‚Negerland‘ zurückzukehren“, ließ Stens am gestrigen Donnerstag in einer Pressemitteilung bekannt geben. „Ich bin erschüttert, dass in einem Betrieb der Stadt Berlin Mitarbeiter mit offensichtlich rechtsradikaler Gesinnung tätig sein können.“ Das Strandbad Plötzensee wird von den Berliner Bäderbetrieben verpachtet. Dort war am Donnerstag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Später habe ihn dann ein Catering-Mitarbeiter in seinem Produktionsbüro aufgesucht und verprügelt, sagte Stens weiter. Der Mann sei zwar kein Mitarbeiter des Strandbads gewesen, „aber er gehört zum Freundeskreis des Personals“, sagte Stens im Gespräch mit der Morgenpost. Seine Verletzungen habe er in einem Krankenhaus behandeln lassen.

Bei der Polizei hat Stens inzwischen Anzeige erstattet. Aus Ermittlerkreisen wurde am Donnerstag bestätigt, dass eine entsprechende Anzeige wegen Körperverletzung eingegangen sei. Anzeigen wegen fremdenfeindlicher Beleidigungen seien hingegen nicht bekannt.

Der Pächter Erik Müller stellt das Geschehen am Freitag anders dar: „Der rechtsradikale Hintergrund ist erstunken und erlogen. Mein Partner ist Jude, viele Angestellte haben einen Migrationshintergrund, wer hier etwas Rechtsradikales sagt, fliegt raus.“ Seine Mitarbeiter seien an jenem Abend zwar anwesend gewesen, mit der Veranstaltung hätten sie aber nichts zu tun gehabt. „Sie haben gegrillt“, sagt Müller und betont, dass der mutmaßliche Schläger keiner seiner Mitarbeiter sei. Nach der Attacke habe sich vielmehr eine Krankenschwester des Schwimmbads um Stens gekümmert.

Doch Müller weist die Anschuldigungen nicht nur zurück, sondern erhebt seinerseits schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter, der mehrere Rechnungen nicht bezahlt haben soll. Stens bestreitet die offenen Rechnungen – erhebt ebenfalls weitere Vorwürfe: Müller würde nicht nur fälschlicherweise behaupten, es stünden Rechnungen aus. Am vergangenen Freitagabend habe der Pächter sogar dafür gesorgt, dass der Strom während der Veranstaltung abgeschaltet wurde. Außerdem habe ihm der Catering-Mitarbeiter, der ihn angeblich zusammengeschlagen hatte, vor zwei Tagen gedroht, er solle die Anzeige zurücknehmen, bevor er es bereuen würde. Auch ein Mitarbeiter des Strandbads sei ihm bedrohlich gegenübergetreten und habe sinngemäß gesagt, er könne sich freuen, dass er überhaupt noch am Leben sei.

Aussage gegen Aussage

Die Polizei äußert sich nur zurückhaltend zu den gegenseitigen Anschuldigungen. „Es gibt Streitigkeiten zwischen mehreren Personen, die auszuarten drohen“, sagte ein Sprecher. „Es sind wechselseitig mehrere Anzeigen eingegangen, und zwar unter anderem von Mitarbeitern des Schwimmbads.“ Nun stehe Aussage gegen Aussage.

Bereits vor zwei Jahren ist im Strandbad Plötzensee ein ambitioniertes Veranstaltungsvorhaben gescheitert. Die Pläne, eine Großraum-Disco mit 2000 Plätzen für Events mit karibischem Flair aufzubauen, wurden im Frühjahr 2011 vom Bezirk Mitte gestoppt. Ein 2000 Quadratmeter großes Party-Zelt musste wieder abgerissen werden, weil das Strandbad zu einem Landschaftsschutzgebiet gehört, in dem solch große Dauerveranstaltungen nicht genehmigungsfähig seien. Der potenzielle Betreiber für die „Karibischen Nächte“ war ausgerechnet Norbert Witte. Der ehemalige Betreiber des Spreeparks in Treptow, der mit Millionen-Schulden nach Peru geflüchtet war und später wegen Kokain-Schmuggels Jahre im Gefängnis verbringen musste, wollte mit dem Projekt noch einmal durchstarten.