Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt vor Terrorgefahr auf Fanmeilen in Deutschland. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hält die Sicherheitsbehörden der Stadt mit Blick auf die Champions-League-Fanmeile allerdings für gut vorbereitet. Man habe reichlich Erfahrung bei der Durchführung von Großveranstaltungen, sagte Henkel am Nachmittag: „Es ist seit längerem klar, dass Deutschland und damit auch ihre Hauptstadt im Fadenkreuz von Terroristen steht. Das ist nicht neu“, sagte der Senator.

„Es gibt derzeit aber keine Hinweise auf konkrete Anschlagsziele oder auf einen bestimmten Zeitpunkt.“ Zum bevorstehenden deutschen Endspiel zwischen Dortmund und Bayern sagte Henkel, er freue sich auf ein großes Fußballfest und gab einen Tipp ab: „Bayern gewinnt 2:1.“

„Spiegel Online“ hatte zuvor von der Warnung des BKA berichtet. BKA-Chef Jörg Ziercke hatte dem Bericht zufolge den Innenministern von Bund und Ländern in einer vertraulichen Sitzung am Freitag berichtet, Islamisten hätten Fanmeilen vor der Übertragung des Champions-League-Finales am Samstagabend ins Visier genommen.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost gibt es zwar Hinweise, wonach möglicherweise ein Attentat in der Bundesrepublik geplant werde. Ein Zusammenhang zum Fußballspiel wurde laut Sicherheitskreisen allerdings nicht hergestellt. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat demnach Hinweise auf einen möglicherweise geplanten Terror-Anschlag in Deutschland erhalten.

BKA-Chef Jörg Ziercke informierte am Freitag die Innenminister von Bund und Ländern darüber, dass die Warnung auf einen einzelnen Islamisten zurückgehe, der sich in Deutschland aufhält und von den Sicherheitsbehörden beobachtet werde. Möglicherweise könnte dieser Verstärkung aus dem Ausland erhalten. Einen konkreten Bezug zum Champions-League-Spiel hat die Warnung nicht.

Die Berliner Polizei sagte der Berliner Morgenpost, es gebe Hinweise auf eine mögliche Gefährdung. Aus der Senatsinnenverwaltung hieß es zunächst, die zuständigen Stellen seien sensibilisiert, die Warnung werde in das aktuelle Lagebild einbezogen und Maßnahmen würden ergriffen. Die Sicherheitsmaßnahmen seien auf hohem Niveau.

Keine verschärften Kontrollen in München

Das Bundesinnenministerium äußerte sich ähnlich wie der Berliner Innensenator. Es gebe keine konkreten Erkenntnisse über Anschlagspläne auf Fußball-Fanmeilen, hieß es. „Deutschland steht seit längerem im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus. Es gibt derzeit keine Hinweise auf Anschlagspläne oder Anschlagziele in Deutschland“, versicherte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Sonnabend in Berlin. „Bei Großereignissen wie dem heutigen Champions-League-Finale in London stehen die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern im intensiven Austausch mit ihren europäischen Partnern.“

In Bayern sind die Behörden ebenfalls entspannt. Fußball-Fans in München müssen bei den Public-Viewing-Veranstaltungen nicht mit verschärften Kontrollen rechnen. „Es gibt keine Hinweise auf eine konkrete Gefahr, nicht in Deutschland und schon gar nicht in Bayern“, sagte Oliver Platzer, Pressesprecher des bayerischen Innenministeriums.

Polizeiaufgebot sichert Demonstration

In Sichtweite der Fanmeile am Brandenburger Tor herrschte am frühen Nachmittag großes Polizeiaufgebot. Im Bereich Hannah-Ahrendt-Straße und Ebertstraße stehen mehr als 15 Mannschaftswagen. Diese seien dort allerdings nicht aufgrund einer aktuellen Gefährdungslage, sondern sammelten sich dort, um ab circa 14 Uhr eine Demonstration zu begleiten.

Diese soll von der Wilhelmstraße Richtung Süden über Gneisenaustraße und Südstern bis zum Oranienplatz führen. Das sagte einer der Einsatzleiter der Berliner Morgenpost. Ein Polizeibeamter sagte, es habe von offizieller Seite keinerlei Warnung oder neue Informationen bezüglich des Einsatzes gegeben. Seine Kollegen und er hätten von einer möglichen Terrorwarnung bislang nur aus den Medien gehört.

Alle Besucher werden kontrolliert

Zurzeit wird jeder einzelne Besucher, der versucht, auf das Gelände der Fanmeile zu gelangen, kontrolliert. Selbst kleinste Fototaschen werden durchsucht. „Wir haben eine Warnung erhalten“, sagte ein Ordner an einem der Einlässe am Brandenburger Tor. Auf dem Gelände sind die orangefarbenen Müllcontainer mit Kabelbindern aus Plastik verschlossen.

Einem Angestellten zufolge seien die Container, die bereits seit dem Aufbau der Fanmeile auf dem Gelände stehen, aus Sicherheitsgründen auf diese Weise gesichert worden. Die Container sollen nun zunächst kontrolliert und dann wieder geöffnet werden. Schilder weisen darauf hin, dass das gesamte Gelände videoüberwacht werde. Polizisten haben an der amerikanischen Botschaft einen zusätzlichen Zaun gezogen.

Bis 16.30 Uhr waren allerdings erst etwas mehr als 100 Menschen auf der Fanmeile. „Mit 30.000 bis 40.000 Besuchern wäre ich glücklich bei dem Wetter“, sagte Veranstalter Rainer Wohlthat. Angesichts der Berichte über Terrorwarnungen meinte er: „Die Fanmeile abzusagen, war nie eine Überlegung wert.“ Die Leute blieben eher wegen des Wetters fern, sagte die Sprecherin des Unternehmens. Wenige Tage zuvor hatte der Veranstalter trotz schlechter Wetterprognose noch auf 100.000 Besucher gehofft - bei gutem Wetter wären 250.000 erwartet worden.

Die Warnung kam vom russischen Geheimdienst

Einem ARD-Beitrag von Terrorismusexperte Holger Schmidt zufolge stammt der Hinweis vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB. Dieser nenne eine konkrete Person in Deutschland als möglichen Terroristen. Diese Person hat das Bundeskriminalamt inzwischen identifiziert. Die Warnung aus Russland wird auch deshalb sehr ernst genommen, weil der Geheimdienst FSB bereits vor den Anschlägen in Boston vor den Attentätern gewarnt hatte.

Es gebe dem Bericht zufolge allerdings weder einen Hinweis auf einen Ort noch eine Zeit eines möglichen Anschlags. Und auch keinen Hinweis, dass ein Zusammenhang mit dem Champions-League-Finale heute Abend in London oder möglichen Public-Viewing-Veranstaltungen bestehen könnte.

In London herrscht Alarmbereitschaft

Auch in London herrscht seit Tagen Alarmbereitschaft, nachdem zwei mutmaßliche Islamisten einen britischen Soldaten auf der Straße ermordet hatten. Mitte April waren bei einem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon drei Menschen getötet worden. Mehr als 200 wurden verletzt.

Auf der Berliner Fanmeile zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule erwartet der Veranstalter mehrere Zehntausend Menschen. Weitere Fanmeilen gibt es in Dortmund und München.

ag/pol/dpa/seg /sh