Irgendwann hatte der Koch Heiko Schulz es satt, seine tätowierten Arme bei der Arbeit immer unter langen Ärmeln zu verstecken. „Ich habe in traditionellen Küchen gearbeitet, da sind Tattoos nicht gerne gesehen“, sagt der Zwei-Meter-Mann, dessen Arme unter anderem ein Koi-Karpfen und eine Geisha zieren. „Ich wollte zeigen, dass Spitzengastronomie nichts damit zu tun hat, wie man aussieht.“
Schulz’ Jugendfreund Dirk Müller hatte schon Jahre zuvor die Kochschürze gegen eine Security-Uniform eingetauscht. „Mir war der Job in der Küche irgendwann einfach zu verkrampft“, sagt der bullige Unternehmer. Schulz und Müller verbindet nicht nur eine Kindheit in der ehemaligen DDR, sondern auch ihre Leidenschaft für Tätowier-Kunst, Rockmusik und eine lässige Atmosphäre in der Küche. Sie setzen alles auf eine Karte und eröffneten die Kochbox, ein Bistro mit Kochschule in der Berliner Dircksenstraße.
Medienwirksame Tätowiernadeln
Hobbyköche lernen hier, wie man Einflüsse aus aller Welt auf einem Teller vereint. Zu den ausgefallenen Rezepten, die in der Kochschule gelehrt werden, gehört zum Beispiel eine Lebkuchen-Mortadella.
Die Konkurrenz auszustechen gelang den beiden mit einer ungewöhnlichen Kochtechnik. „Wir dachten uns, wenn Tattoos bei uns schon so eine große Rolle spielen, vielleicht sollten wir sie dann auch direkt auf den Teller bringen“, sagt Heiko Schulz.
In der Kochbox lernen Kochschüler, wie man Fleisch mit der Tätowier-Nadel verziert. Der Einfall hat sich als medienwirksam erwiesen: mittlerweile werden Schulz und Müller regelmäßig zu Fernsehauftritten geladen. Auch Prominente wie Jürgen Drews und Sonya Kraus zählen zu den Kochbox-Fans.
Essen inszenieren
Besonders das Catering-Standbein der Rocker-Köche floriert. Ungewöhnliche Speise-Kreationen für große Events sind ihre Spezialität. Für eine Feier des Pharmakonzerns Bayer Schering im Berliner Kino Kosmos wurden die Speisen im Stil von Film-Klassikern präsentiert. In Anspielung auf den Klassiker „Der weiße Hai“ reichten die Kochbox-Köche in Eisblöcken gefrorene Fischfilets - zum Servieren wurden diese dann mit Motorsägen zerschnitten.
Mit dieser Art, Essen zu inszenieren, haben Heiko Schulz und Dirk Müller eine Nische auf dem hart umkämpften Catering-Markt gefunden. Auch Ministerien und Regierungsvertreter buchen für Veranstaltungen das Kochbox-Catering.
Deutlich traditioneller ist der Mittagstisch, der wochentags in der Kochbox serviert wird. Das spiegelt den Geschmack der Betreiber wieder. „Privat esse ich am liebsten Hausmannskost“, sagt Heiko Schulz. „Bei Mutti schmeckt es immer noch am besten.“




