Ein 16-Jähriger hat in Berlin einen vorbestraften Sexualtäter getötet und ist dafür am Donnerstag zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden.

Der Schüler hatte vor dem Berliner Landgericht gestanden, im Herbst 2012 seinen rund 40 Jahre älteren Bekannten in dessen Wohnung Am Kiesteich in Berlin-Spandau erstochen zu haben.

Die Jugendrichter gingen nach Angaben eines Justizsprechers davon aus, dass John S. den 55-Jährigen erstach, weil er früher von ihm sexuell missbraucht wurde.

Ein Passant hatte das Opfer an einem Nachmittag im Herbst 2012 auf einer Grünfläche vor dem 12-geschossigen Mehrfamilienhaus gefunden. Da der 55-Jährige leblos auf dem Boden lag, alarmierte der Zeuge Polizei und Feuerwehr. Ein Notarzt versuchte, den Mann zu reanimieren. Doch sämtliche Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos.

Nur wenig später wurde der damals 15 Jahre alte John S. festgenommen.

Getöteter 55-Jähriger war ein verurteilter Pädophiler

Opfer Manfred Harry H. soll in den vergangenen 20 Jahren immer wieder durch Diebstähle und andere Eigentumsdelikte aufgefallen sein. Und er soll mehrere Jahre in Haft gesessen haben. Einmal wurde er wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, es folgte eine weitere wegen sexueller Nötigung von Kindern.

Mehrfach, so berichten Anwohner damals, hätten besorgte Eltern die Polizei alarmiert. Denn Manfred Harry H. sprach immer wieder Jungen und Jugendliche an. Soll sie mit der Aussicht auf „leckeres Essen“ und seiner Playstation in seine Einzimmer-Wohnung gelockt haben. Im Jahr 2011 stand er wieder vor Gericht, weil er zwei zwölf und 14 Jahre alte Jungen sexuell belästigt und ihnen pornografische Filme vorgespielt haben soll. Die beiden Hauptbelastungszeugen widersprachen sich allerdings vor der Kammer, H. wurde freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre wegen Mordes aus Selbstjustiz gefordert, sagte der Sprecher nach dem nicht-öffentlichen Prozess.

dpa/sei