„Wir hoffen, dass dieser Sommer endlich mal wieder richtig gut wird.“ Daniel Schwab, Geschäftsführer von „Top-Charter“ mit Sitz an der Marina Lanke, blickt zuversichtlich auf die kommenden Monate. Auch bei dem Berliner Charterunternehmen hat wegen der kalten Witterung in diesem Jahr die Saison mit Verzögerung begonnen. „Seit wenigen Tagen gehen die Buchungen bei uns aber rasant nach oben.“ Insgesamt elf Motorboote vom Typ Silent haben Schwab und sein Kompagnon Robert Bonk im Angebot. Die beiden Vercharterer sind erst Anfang 30 und wissen genau, was viele Menschen auf dem Wasser wollen: Spaß und Entspannung.
Mit einem Charterboot lassen sich diese Ziele problemlos verwirklichen. Man muss nicht langwierig einen Bootsführerschein machen, muss in keinen Segel- oder Motorbootverein eintreten und keinen teuren Liegeplatz bezahlen. „Bootfahren ohne den üblichen Aufwand, der sonst noch dran hängt“, sagt Schwab dazu.
Und diesen Spaß kann man wohl nirgends besser haben als in Berlin und Brandenburg. Zwischen Elbe und Ostsee liegt Europas größtes Binnenrevier für Wassertouristen mit über 5000 Seen und 3600 Kilometer durchgehend schiffbaren Gewässern. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist die Natur geprägt von Seen, die wie Perlen aneinander gereiht sind. Es gibt Flusslandschaften und ein Kanalnetz, in dem man sich wochenlang verlieren kann. Wenn etwa zum Sonnenaufgang Frühnebel auf dem Wasser eines kleinen Brandenburger Sees liegt und leise ein Reiher darüber hinweg gleitet, fühlt man sich an den Amazonas versetzt, obwohl die Millionenmetropole Berlin nur Kilometer entfernt liegt.
Achtstündige Tagesreise nach Brandenburg/Havel
Und das alles ist ohne großen Aufwand möglich: „Mit unseren Booten erreicht man nach einer Stunde etwa Potsdam, nach zweieinhalb Stunden die Berliner Innenstadt“, sagt Schwab. Bei einer achtstündigen Tagesreise bis zur Stadt Brandenburg durchquere man idyllische Wasserlandschaften.
Doch das Angebot von „Top-Charter“ ist nur eins von vielen. So kann man an Dutzenden Ausleihstationen in Berlin und Brandenburg zwischen Tausenden Ruderbooten, Paddelbooten, Kanus, Kajaks, Segelbooten, führerscheinfreien Motorbooten, schnellen Motorgleitern, schweren Stahlyachten, Elektrobooten, Hausbooten oder sogar Grillbooten wählen.
Es gilt daher: großes Revier, große Auswahl, fast unendliche Reise-Vielfalt. Eine große Motoryacht vom Typ Linssen 40.9 AC gibt es etwa bei HHB Yachtcharter in Potsdam – sie hat drei Kabinen und sechs Kojen, und der Motor bietet eine Leistung von 110 PS. Mit dieser Yacht lassen sich mit der gesamten Familie ab 2580 Euro pro Woche ruhig und gepflegt die Potsdamer Sehenswürdigkeiten entlang von Havel und Wannsee entdecken, wie zum Beispiel die Sacrower Heilandskirche.
„Für jedes Abenteuer das perfekte Angebot“
Wer also einen gelungenen Charterurlaub auf dem Wasser verbringen möchte, sollte sich unbedingt vorher darüber klar werden, welchen Urlaub er anstrebt, wie lang und schnell man unterwegs sein möchte und wer alles mitfahren soll – ob man allein starten will, zu zweit, mit Freunden oder mit Familie. „Für jedes Abenteuer gibt es das perfekte Angebot“, sagt Max Hiller, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Wassersport.
Ein genaues Vergleichen der Angebote ist daher empfehlenswert. Die Angebotslisten sind dabei meist sehr detailliert – zeigen neben den Bootstypen und Mietpreisen oft auch Belegungspläne, aus denen ersichtlich ist, wann welches Boot bereits verchartert ist. Für Kurzentschlossene lohnt der genaue Blick zudem, denn die größeren Betriebe bieten oft „Last Minute“-Angebote an.
Doch einfach losfahren geht nicht – auch nicht bei pflegeleichten Booten wie vom Typ Silent der Firma „Top-Charter“. „Bei uns gibt es eine ein- bis dreistündige Einführung, schließlich sind auf dem Wasser wie auf der Straße allerhand Gesetze zu beachten“, sagt Schwab. Zum Ausleihen gehört daher unter anderem immer eine Kunde im An- und Ablegen, Wenden auf dem Wasser oder Anker werfen. „Bei uns wird das so gehandhabt, dass wir die Charterer zum Beispiel bis zur Glienicker Brücke auf dem Boot begleiten, ihnen unterwegs Wasserkarten oder Vorfahrtsregeln erklären. Wenn alles gut klappt, händigen wir ihnen den Charterschein aus, auf dem das Boot und die Charterdauer eingetragen sind und mit dem sich die Charterter gegenüber der Polizei ausweisen können“, sagt Schwab.
Diese Vorgehensweise ist bei allen Vercharterern ähnlich – niemand wird aufs Wasser gelassen, ohne genau zu wissen, wie er mit dem Boot umzugehen hat. Schließlich sind die Anforderungen an Wassertouristen im Grunde ungemein hoch: Wer den Motor- oder Segelbootführerschein Binnen absolviert, muss monatelang lernen, Hunderte Fragen beantworten und Dutzende Praxisstunden nehmen. Vorfahrtsregeln, Uferschutz oder Sicherheitsstandards zählen zu den Themen.
Übungsstunden sind Pflicht
Dass der Gesetzgeber entschieden hatte, Menschen aber nach recht kurzer Einweisung aufs Wasser zu lassen, ist schnell erklärt: „So sollte die Attraktivität für den Wassertourismus und seine wirtschaftliche Kraft gestärkt werden“, sagt Verbandsgeschäftsführer Hiller. Das ist gelungen: „Ohne den Charterschein wäre die Form von Wassertourismus, wie sie heute besteht, nicht möglich.“
Segeln war früher zum Beispiel meist nur Menschen vorbehalten, die in einem Verein Mitglied waren. Heute lassen sich auch überall Segelboote mieten – zum Beispiel bei Segelyachtcharter Berlin, wo man ab 190 Euro pro Tag eine Sunbeam 26.2 ausleihen kann. Dieses Boot ist für einen Törn für zwei bis vier Personen geeignet. Es besitzt eine Kabine für schlechtes Wetter – vor allem aber eine Badeleiter, die man ausklappen kann. Badespaß steht nichts im Weg.
„Der Verkehr auf dem Wasser hat zugenommen“
Für führerscheinpflichtige Boote gilt allerdings: Wenn man länger nicht gefahren ist, sollte man sich erst wieder mit dem Thema vertraut machen. Petra Grünberg von der Segelschule Berlin empfiehlt zum Beispiel, erst wieder ein paar Stunden zu nehmen. „In den vergangenen Jahren hat der Verkehr auf dem Wasser zugenommen, manche Regeln wurden verändert“, erklärt sie. Zwar solle man nie vom Schlimmsten ausgehen, doch wie im Straßenverkehr gelte auch auf dem Wasser: Wer grob fahrlässig eine Vorfahrt missachtet und einen Unfall baut, für den ist der Urlaub auf dem Wasser gelaufen. Zwar sind Schäden an fremden Booten über die Sportboot-Haftpflicht abgesichert, Schäden am gecharterten Boot über eine Sportboot Kaskoversicherung. „Der bürokratische Aufwand, der einen dann aber einholt, kann einem den Charter-Urlaub noch im Nachgang vermiesen.“



