Sieben Monate nach der tödlichen Prügelattacke auf Jonny K. in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes hat am Montag der Prozess gegen sechs mutmaßliche Schläger begonnen.

Zum Auftakt wies der Hauptverdächtige jegliche Schuld von sich: „Ich habe ihn weder geschlagen noch getreten“, hieß es am Montag in der persönlichen Erklärung des 19-jährigen Onur U., die sein Anwalt Axel Weimann vor dem Landgericht verlas. Er habe mit dem Tod des 20-Jährigen nichts zu tun, die anderen wollten alles auf ihn schieben, hieß es in der Erklärung weiter.

Jonny K. war im Oktober 2012 mit Tritten und Schlägen so heftig attackiert worden, dass er wenig später an Gehirnblutungen starb. Sein Tod hatte bundesweit Entsetzen und eine neue Debatte über Jugendgewalt ausgelöst. Ein Freund des jungen Berliners wurde bei dem Angriff schwer verletzt. Er wird in dem Prozess als Zeuge erwartet. Den bisherigen Ermittlungen zufolge hatte Jonny K. seinen betrunkenen Freund auf einen Stuhl gesetzt. Dieser soll von einem der Verdächtigen weggestoßen worden sein. Dann kam es zu den tödlichen Schlägen.

U. bestritt am Montag, den Stuhl angefasst zu haben. Er habe sich lediglich einen „Joke“ erlaubt und vor dem Stuhl getanzt. Darauf habe ihn Gerhard C., ein Freund von Jonny K., weggeschickt. U. gab in der Erklärung zu, C. schwer verprügelt zu haben.

Mit beiden Fäusten in das Gesicht geschlagen

Der frühere Hobby-Boxer U. warf demnach C. zu Boden und schlug „zehn bis zwölf Mal“ mit beiden Fäusten in sein Gesicht, wie es in der Erklärung hieß. Laut Anklage erlitt C. unter anderem einen Jochbeinbruch und einen Bruch des Augenhöhlenbodens und der linken Handwurzel. Am Angriff auf Jonny K. war U. nach eigener Aussage dagegen nicht beteiligt. „Ich habe ihn nicht gesehen“, erklärte er.

Onur U. war monatelang in der Türkei untergetaucht und hatte sich erst im April nach langem juristischen Tauziehen der deutschen Justiz getellt.

Vier Verdächtige bereuen

Bis auf Onur U. räumten alle Angeklagten teilweise Schläge oder Tritte ein. Vier der sechs Verdächtigen bereuten die Tat. „Jonnys Tod hat mich sehr berührt, ich bin fassungslos“, erklärte der älteste Angeklagte über seinen Anwalt. „Ich habe schweres Leid über die Familie gebracht“, so der 24-Jährige.

Der Prozess findet im Schwurgerichtssaal 500 im Berliner Landgericht Moabit statt. Anstelle einer herkömmlichen Anklagebank gibt es dort an den Wänden beider Längsseiten zwei große Kabinen aus schusssicherem Glas. Hier haben schon hochgefährliche Terroristen und Schwerstkriminelle gesessen.

Jonny K. wollte Streit schlichten

Laut Anklage hatte Jonny K. zu schlichten versucht, als die mutmaßlichen Täter zwei seiner Freunde gegen vier Uhr morgens am Alexanderplatz „grundlos“ angegriffen und zu Fall gebracht hatten. Drei der Angeklagten traktierten demnach Jonny K. mit Schlägen und Tritten, wodurch er zu Boden ging und mit dem Hinterkopf auf dem Pflaster aufschlug.

Einer der Angeklagten habe dem am Boden liegenden Jonny K. noch einen weiteren Tritt gegen den Kopf versetzt. Durch die Misshandlungen sei es zu der Hirnblutung gekommen, die zum Tod von Jonny K. geführt habe.

Weiter wirft die Anklage vier der mutmaßlichen Täter vor, einen weiteren Freund von Jonny K. durch Tritte schwer verletzt zu haben, der diesem zu Hilfe kommen wollte.

Schwester: „Ich will wissen, wer schuld ist“

„Ich will wissen, wer schuld ist“, sagte Tina K., die Schwester des Opfers, vor Prozessbeginn. „Ich hoffe, dass das nie wieder passiert. Die Jungs sollen sagen, was passiert ist und sich nicht gegenseitig die Schuld geben.“

BM