Vom Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch aus den Niederlanden ist bislang ein Berliner Betrieb betroffen. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz wurde der Name des Unternehmens am Donnerstag über das europäische Schnellwarnsystem gemeldet. Es handle sich um einen angesehenen Zulieferer, vor allem für Hersteller von Fertigprodukten, sagte eine Sprecherin.
Das zuständige Bezirksamt sei informiert. Lebensmittelkontrolleure entnehmen nun bei der betroffenen Firma Proben und kontrollieren wiederum deren Lieferlisten. „Es ist bisher nicht bekannt, welche Chargen betroffen sind“, hieß es. Das Unternehmen könne die Ware bereits seit 2011 von dem niederländischen Hersteller bezogen haben. Die Senatsverwaltung wertet das Geschehen als Betrugsfall, eine Gesundheitsgefährdung bestehe nicht.
Falsch deklariertes Pferdefleisch ist vermutlich auch an fünf Brandenburger Betriebe geliefert worden. Es handele sich um Beimischungen von Pferdefleisch in Rindfleischprodukten, teilte das Verbraucherschutzministerium am Donnerstag in Potsdam mit.
Betroffen sind demnach fünf Unternehmen aus vier Landkreisen: Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Barnim und Teltow-Fläming. Welche Waren betroffen sind, war zunächst nicht bekannt.
Abgesehen vom dem Saarland und Bremen sei in alle Bundesländer Fleisch aus dem niederländischen Betrieb geliefert werden, hieß es aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium.
Keine Hinweise auf gesundheitliche Gefahren
Die für Lebensmittelkontrollen zuständigen Behörden der Bundesländer beginnen aktuell alle die Rückverfolgung der Lieferungen aus den Niederlanden entfernen gegebenenfalls die betroffenen Lebensmittel aus dem Verkauf entfernen. In Deutschland sind bislang 124 Betriebe von möglichen Pferdefleischlieferungen aus den Niederlanden betroffen. Diese Fleischhändler, Metzgereien oder weiterverarbeitenden Lebensmittelfirmen hätten seit 2011 Rindfleischlieferungen aus dem Nachbarland erhalten, dem möglicherweise Pferdefleisch beigemischt worden sei, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit. Hinweise auf gesundheitliche Gefahren etwa durch Arzneimittelrückstände hätten sich nach Angaben der niederländischen Behörden bislang nicht ergeben, hieß es auch von hier.
Am Mittwoch hatte die niederländische Lebensmittelaufsicht 50.000 Tonnen Rindfleisch zurückgerufen, weil es Pferdefleisch enthalten könnte. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums sind 502 Betriebe in 16 EU-Staaten beliefert worden. Da der niederländische Betrieb nicht angeben konnte, welche Lieferungen Pferdefleisch enthalten könnten, sei die gesamte Produktion vom Januar 2011 bis Februar 2013 für den Handel gesperrt worden.
Größter Teil des Fleisches schon gegessen
Die EU-Kommission rief dazu auf, die verdächtigen Produkte zu ermitteln und vom Markt zu nehmen. Der Schwindel sei im Rahmen der flächendeckenden Tests aufgefallen, die seit fünf Wochen in der gesamten EU bei Fleischprodukten, die laut Etikett Rindfleisch enthalten, gemacht würden.
Schon vor mehreren Wochen war ein großer Pferdefleisch-Skandal bekanntgeworden. In zahlreichen Tiefkühl-Fertiggerichten, die angeblich nur Rindfleisch enthalten sollten, wurde Pferdefleisch entdeckt. Ermittlungen zeigten, dass die Handelswege weit verzweigt waren und in verschiedene europäische Länder führten.
Der größte Teil der 50.000 Tonnen Fleisch wurde laut den niederländischen Kontrollbehörden vermutlich bereits verzehrt. Doch ein Teil sei auch in Tiefkühlprodukten verarbeitet worden.
Verbraucherverbände, Politik und die Lebensmittelbranche verlangten eine schnelle Aufklärung. Das Vertrauen der Verbraucher sei beschädigt, erklärte ein Sprecher der Lebensmittelindustrie. Alle Händler müssten so schnell wie möglich die Ware aufspüren.
Der verdächtige Unternehmer will nun gerichtliche Schritte gegen die Kontrollbehörde unternehmen. Die Maßnahme sei unbegreiflich, sagte sein Anwalt Frank Peters dem niederländischen Radio. „Das Fleisch kann man normal essen, und es wurde unter Aufsicht der Behörde verkauft.“
dpa/Reuters/sh



