Frühling

Strandbad Wannsee eröffnet Saison bei Eis und Schnee

Vor einem Jahr war um diese Zeit längst Frühling, jetzt muss Berlin frieren. Es ist der kälteste März seit 1883. Der Frühling kommt wohl erst Mitte April. Und es bleibt glatt.

Berlin friert: Die Hauptstadt hat den kältesten März seit 130 Jahren erlebt. Das teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Seit 1883 war es im März nicht mehr so kalt in Berlin. Die durchschnittliche Temperatur in diesem Monat lag bislang bei Minus 0,9 Grad. Im vergangenen Jahr lag der Wert bei knapp 7,5 Grad – über Null.

In Berlin ist es nicht nur kalt, es hat auch ordentlich geschneit: Seit dem 10. März bedeckt die Hauptstadt eine bis zu 20 Zentimeter dicke Schneedecke. Auch das sei ein historischer Wert, wie DWD-Sprecher Gerhard Lux erklärte. Seit 1892 habe es im letzten Märzdrittel nicht mehr so viel geschneit. Auch am Karfreitag schneite es noch mal kräftig. Die BSR war unterwegs und streute Salz auf den Hauptstraßen.

Auch über Ostern bleibt es in Berlin und Brandenburg kalt und glatt. Nachts werde es frostig, tagsüber sollten höchstens fünf Grad erreicht werden, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes am Freitag. Immer wieder könne es schneien oder regnen. Immerhin soll der Wind etwas nachlassen, und ab und zu kann auch die Sonne scheinen. „Die ist sogar schon richtig stark. Wenn es windstill ist, wärmt sie ordentlich“, sagte der Experte. Mit dem Frühling rechnen die Meteorologen aber nicht vor Mitte April.

Erste Berliner gehen im Wannsee baden

Trotz der Kälte haben am Karfreitag die ersten Mutigen zur Saisoneröffnung das Berliner Strandbad Wannsee besucht. Vier Männer wagten sich gegen 11 Uhr sogar in den eiskalten See. Nur mit Badehosen – darunter eine schneeweiße – und teilweise mit Mützen bekleidet liefen sie ins Wasser und schwammen eine Runde. Sie bekamen vom Betreiber eine Sauna-Freikarte zum Wieder-Auftauen. Auch eine Frau ließ sich den winterlichen Badespaß nicht ganz nehmen und ging in dicker Jacke bis zu den Knien in das Wasser.

Am verschneiten Ufer tummelten sich einige Dutzend Menschen. Die meisten von ihnen waren allerdings warm verpackt. Sie lagen und saßen in den weißen Strandkörben. Manche fotografierten die Schwimmer. Einige bauten sogar einen Schneemann mit Hasenohren. Der Eintritt war über die Ostertage frei. Auch in anderen Bundesländern haben einige Freibäder schon geöffnet. Im Gegensatz zum Wannsee sind die meisten Becken dort aber beheizt.

Auch nach Ostern kaum Aussicht auf Besserung

Insgesamt war es DWD-Berechnungen zufolge in Deutschland im März 3,3 Grad kälter als im langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Ein Widerspruch zum Klimawandel sei das nicht. Für die Kälte verantwortlich sei ein ständiger Zustrom arktischer Luft aus dem Osten und Norden. Lux zufolge sind „Westwetterlagen“ mit milder und feuchter Luft vom Atlantik typisch für den März. Dieses Jahr hätten diese gefehlt. Ein Lichtblick: Der März war überdurchschnittlich sonnig.

„Die Wettermodelle zeigen derzeit bis zum Ende der ersten Aprilwoche keine grundlegende Umstellung der Großwetterlage“, sagte Christian Herold vom DWD. Nachts herrsche fast durchweg Frost, tagsüber höchstens einstellige Plusgrade. Der schönste Tag werde der Ostermontag. Am schlechtesten ist das Wetter am Karfreitag. Auch am Sonnabend und Sonntag muss überall mit Schneeschauern gerechnet werden.

Anfang März herrschten schon 20 Grad

Dabei hatte der Monat vielversprechend begonnen: Am Flughafen Düsseldorf wurden am 6. März mit 20,2 Grad fast sommerliche Verhältnisse gemeldet – sieben Tage später war es dort mit minus 11,9 Grad bitterkalt. Und auch sonst sausten die Temperaturen nach den ersten milden Tagen in den Keller – und blieben dort.

Unter dem Strich war es nach den DWD-Berechnungen 3,3 Grad kälter als im langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990. In Sachsen-Anhalt war es fast fünf Grad zu kalt, in Baden-Württemberg beträgt die Differenz weniger als zwei Grad. Für Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin ermittelten die Meteorologen Durchschnittstemperaturen, die ganz dicht am bisherigen März-Kälterekord aus dem Jahr 1883 liegen.

ADAC warnt vor Staus am Karfreitag

Wer zu Ostern vor dem Winter fliehen will, könnte im Stau enden. Der ADAC rechnete am Karfreitag mit zahlreichen Staus. Betroffen seien vor allem die Autobahnen Richtung Süden, weil noch Skifahrer in Richtung Berge unterwegs seien. Der ein oder andere reise aber auch an die Küsten, so dass auch Richtung Norden mit Problemen zu rechnen sei.

Auch wenn die Autobahnen relativ frei von Schnee und Eis seien, sei das Winterwetter für die Lage auf den Straßen alles andere als zuträglich, sagte ADAC-Sprecher Otto Saalmann: „Wenn es glatt ist und schneit, wird die Situation auf den Straßen natürlich verschärft.“

Auch bei der Bahn könnte es länger dauern. Baustellen behindern den Verkehr an Ostern. Die Reisewelle soll dann aber schon vorüber sein. Am Osterwochenende baut die Bahn an mehr als 200 Stellen ihres Schienennetzes. Die Reisezeiten können sich verlängern oder Züge ausfallen. Einige Züge müssten auch umgeleitet werden und hielten nicht an den gewohnten Bahnhöfen, so eine Sprecherin.

Hochwassergefahr in Kiew, Schneemassen in Irland

Auch im Ausland macht das Wetter Probleme. Nach den Rekordschneefällen droht der ukrainischen Hauptstadt Kiew Hochwasser. Der Wasserstand des Dnjepr, der durch die Millionenmetropole fließt, wird Schätzungen zufolge um bis zu 2,60 Meter steigen. In Moskau warnten Meteorologen wegen Tauwetters vor herabstürzenden Eiszapfen und Dachlawinen.

Im Norden Großbritanniens kämpfen die Menschen weiter mit dem harten Winter. In Nordirland wollte die Regionalregierung über Hilfe für Bauern beraten, deren Tiere in den Schneemassen umkamen.

Kahnsaison im Spreewald eröffnet

Im Spreewald wird am Ostersamstag die Kahnfährsaison offiziell eröffnet. Aus diesem Anlass nehmen regionale Kahnfährleute in Lübben (Dahme-Spreewald) nahe der Schlossinsel geschmückte Schubstangen – Rudel genannt – sowie geschmückte Paddel entgegen. Zu der Veranstaltung am neuen Kanu-Rastplatz „Spreelagune“ wird auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erwartet. Bei einer „Kahngalerie“ stellen Tourismusanbieter ihre Leistungen der Saison vor.

Die Besucher können Kahnfahrten unternehmen und in Gaststätten einkehren. „Unsere Fährleute stehen für Touren bereit, so für die eineinhalbstündige Stadtrundfahrt durch Lübben“, informierte Peggy Nitsche von der Spreewaldinformation der Stadt. Auch längere Touren seien möglich, so in den Unterspreewald nach Schlepzig oder in die andere Richtung nach Lübbenau und Lehde. Manche Gäste hätten von der Braunfärbung der Spree als Spätfolge des Kohleabbaus gehört und stellten dazu Fragen, sagte Nitsche. „Wir schildern die Bemühungen, diese Schadstoffe vom Spreewald fernzuhalten, die bisher noch nicht zu den Hauptarmen der Spree vorgedrungen sind.“

Keine Gefahr für Spargelsaison

Trotz der winterlichen Temperaturen wollen die Beelitzer Spargelbauern am geplanten Saisonstart am 18. April festhalten. „Bis dahin sollte es Spargel geben“, zeigte sich der Vorsitzende des Vereins Beelitzer Spargelbauern, Manfred Schmidt, zuversichtlich. Seit Bestehen des Vereins musste der offizielle Erntebeginn erst einmal Mitte der 1990er Jahre um zehn Tage verlegt werden.