Die Gäste in der Ladenwohnung an der Cheruskerstraße in Berlin-Schöneberg sind sich alle einig: Gleichgeschlechtliche Paare müssen rasch die volle rechtliche Gleichstellung erlangen. Das verwundert nicht: Hier hat das bundesweit erste Regenbogenfamilienzentrum seinen Sitz. Die Einrichtung sei „ein einzigartiger Ort für alle speziellen und normalen Sorgen homosexueller Eltern“, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles beim Tag der offenen Tür.
Das Projekt setzt sich dafür ein, dass Lesben, Schwule und ihre Kinder als gleichwertige Familien anerkannt werden, gleiche Rechte wie heterosexuelle Familien erhalten und die Kinder frei von Benachteiligungen aufwachsen können. Denn, so betont Leiterin Constanze Körner: Für Lesben und Schwule sei der Familienalltag ebenso wie die Realisierung eines Kinderwunsches immer noch mit weit mehr Schwierigkeiten verbunden als für Heterosexuelle: „Das Zentrum mit Beratungs-, Bildungs- und Gruppenangeboten ist deshalb eine wichtige Anlaufstelle.“
Das finden Michael und Kai Korok und ihre vierjährige Pflegetochter Jana auch. „Wir schätzen es, mit homosexuellen Eltern zusammenzukommen, weil wir dann über bestimmte Dinge nicht mehr reden müssen und unser Familienleben ganz selbstverständlich ist“, sagte Korok. Sie würden als Familie zwar keine Diskriminierungen erleben, aber viele seien irritiert über ihre Familienkonstellation.
Situation homosexueller Paare verbessert
Dank des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes vom 19. Februar hat sich die Situation der homosexuellen Paare verbessert. Karlsruhe hob das Verbot der Sukzessivadoption auf. Bis zum 30. Juni 2014 muss der Gesetzgeber eine neue Regelung schaffen, damit Homosexuelle, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, die bereits von ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin angenommenen Kinder adoptieren dürfen.
Ein gemeinsames Adoptionsrecht für Schwule und Lesben gibt es indes noch nicht, ebenso kein Ehegatten-Splitting für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Hier sperren sich die Konservativen in CDU und CSU.
„Dabei zeigen neueste Umfragen, dass auch die Wähler der konservativen Parteien in ihrer Mehrheit für eine rechtliche Gleichstellung sind, in der Gesamtbevölkerung sind es über zwei Drittel“, betonte Alexander Straßmeir (CDU), der Berliner Staatssekretär für Justiz. „Die Realität ist viel weiter als die Politik, während die Gegner der Gleichstellung immer noch in ihrer Ideologie verharren“, stellte Renate Künast, die Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen, fest.
Tausende Regenbogenkinder in Deutschland
In Deutschland wachsen Tausende Kinder in Regenbogenfamilien auf. Die Mehrheit stammt aus vorherigen heterosexuellen Beziehungen. Zunehmend entscheiden sich aber Lesben und Schwule auch nach ihrem Coming Out für eigene Kinder.
Es gibt auch homosexuelle Männer und Frauen, die keine eigenen Kinder haben, sich als Pate und Patin einbringen wollen. Sie wenden sich beispielsweise an das Projekt „Biffy Berlin – Big Friends for Youngsters e.V.“, das seit 2001 Paten meist an Ein-Eltern-Familien vermittelt.
„Bei uns sind homosexuelle Paten eine unverzichtbare Freiwilligen-Gruppe“, sagt die leitende Koordinatorin Andrea Brandt. „Schwule Paten identifizieren sich stark mit der Patenschaft, weil sie dann ein Stück Familie leben können.“ Aufgrund der eigenen Erfahrung mit Stigmatisierung seien sie besonders verantwortungsbewusst.
Längst haben Studien mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass Kinder in diesen Familien unter den fehlenden Rollenbildern leiden, weil sie zwei Väter oder zwei Mütter haben. in der Studie „Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften“ des Staatsinstituts für Familienforschung der Universität Bamberg ist nachzulesen, dass ihre Persönlichkeitsentwicklung, ihre schulische und berufliche Entwicklung nicht schlechter verlaufen als bei anderen Kindern.
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