Womöglich hätten die aktuellen Ereignisse im Euro-Zwergstaat Zypern ein paar andere Ergebnisse gebracht. Dort ist man gerade dabei, angesichts einer drohenden Staatspleite Kleinsparer teilzuenteignen, was nicht wenige für einen weiteren Tabubruch bei allen Bemühungen um die Euro-Rettung halten. Andererseits zeigt die Erhebung der Berliner Sparkasse zum Sparverhalten, die der Morgenpost vorliegt, dass sich die Hauptstädter an die Euro-Krise längst gewöhnt haben. 55 Prozent sagen, sie hätten ihr Sparverhalten trotz Währungskrise nicht verändert.

Allerdings glauben auch nur 43 Prozent, dass der Euro sicher sei. Dieser Wert ist im Vergleich zur Vorjahresumfrage identisch geblieben. „Vielleicht haben sich die Berliner einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen, als die Medien den Euro im letzten Jahr schon zu Grabe trugen“, sagt Olaf Schulz, Marktbereichsleiter bei der Berliner Sparkasse.

Chaotische Finanzmärkte

Mit Blick auf die repräsentative Erhebung im Auftrag der Sparkasse könnte man auch sagen: Man richtet sich - notgedrungen - als Sparer in einem chaotischen Finanzmarktumfeld ein. Nach der D-Mark sehnt sich zwar nur eine Minderheit (38 Prozent). Doch ansonsten sind die Antworten, die im Zusammenhang mit dem Euro stehen von Skepsis durchdrungen. 74 Prozent der Befragten erwarten Steuererhöhungen, 83 Prozent erwarten eine Geldentwertung (Vorjahr: 84 Prozent). Damit zeigen die meisten einen guten Blick für die Realität. Denn obwohl die Inflation mit Werten zwischen zwei und 2,5 Prozent recht moderat scheint, ist das Zinsniveau mit Werten von bestenfalls einem Prozent deutlich niedriger.

Was jedoch wiederum bedeutet: Wer auf die gängigen Volksspar-Modelle setzt - Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld – dessen Vermögen schmilzt kontinuierlich. Nun zählen aber auch diese drei Geldanlageformen laut Umfrage zu den populärsten in der Hauptstadt. Eine weitere geschätzte Art, sein Geld zu sparen, ist die private Rentenversicherung. Diese wiederum sind mit einem hohen Anteil deutscher Staatsanleihen unterlegt, für die es wiederum wenig Zinsen gibt.

Keine Lust auf Aktien

Mit der Aktie, die sich als Anlageform im vergangenen Jahr außerordenlich gut entwickelt hat, können sich die Berliner wie die meisten Deutschen immer noch nicht anfreunden. Nur vier Prozent sagten, dass sie sich in nächster Zeit vorstellen könnten, Anteilsscheine an Unternehmen zu erwerben. Drei Prozent erwägen den Kauf von Aktienfonds-Anteilen. Da auch nur 15 Prozent (Aktienfonds) beziehungsweise 13 Prozent (Aktien) bislang diese Wertanlage nutzen, ist der Aufschwung von Dax und Co. an vielen vorübergegangen. „Privatanleger haben durch die Marktschwankungen und Krisen der letzten Jahre herbe Enttäuschungen erlebt“, sagt Sparkassen-Mann Schulz. Zudem sei die Aktienkultur hierzulande ohnehin nicht so stark ausgeprägt wie beispielsweise in den USA. „Eine zusätzliche Hemmschwelle ist aus meiner Sicht der immense zeitliche und bürokratische Aufwand, der für die Kunden mit dem Beratungsprotokoll entstanden ist“, sagt Schulz.

Mit Einführung dieser umfangreichen Protokollierung bei Geldanlage-Gesprächen will die Bundesregierung Verbraucher besser davor schützen, unbedacht Geld anzulegen. Allerdings hegen die Berliner ohnehin keine großen Ambitionen, wenn es darum geht, Geld zurück zu legen. Mehr als jeder Dritte (34 Prozent) gab an, gar nichts zu sparen. 26 Prozent sparen zwischen 50 und 100 Euro im Monat. Wenn die Berliner ihr Sparverhalten wegen der Eurokrise ändern, dann vertrauen sie ihr Geld Banken für einen kürzeren Zeitraum an (19 Prozent). 17 Prozent ziehen aus der Euro-Krise die Schlussfolgerung,: „Ich spare nicht sondern genieße das Leben.“