Zwei Berliner Rocker der Bandidos haben den illegalen Drogenhandel mit Kokain in mehreren hundert Fällen gestanden. Zum Auftakt des streng abgeschirmten Prozesses am Landgericht in der Hauptstadt betonte der 22-jährige Angeklagte am Donnerstag zugleich, die Bandidos hätten nichts mit den Drogengeschäften zu tun. „Es war mein Ding“, sagte der Ex-Präsident einer Ortsgruppierung der Bandidos Berlin in seiner Panzerglasbox. Er habe etwa 300 Mal Kokain verkauft.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 22-jährigen, seinem 34-jährigen Bruder sowie einem Freund aber vor, die Struktur der Rockergruppe systematisch für den bandenmäßigen Drogenhandel genutzt zu haben. Laut Anklage sollen die Brüder sowie der 32-Jährige von Sommer 2008 bis zu ihrer Verhaftung im Juni 2012 20 Kilogramm Marihuana und 3,5 Kilogramm Kokain gekauft und vermarktet haben.
Der 34-jährige frühere Sicherheitschef der Bandidos nannte als Motiv seine jahrelange Drogensucht. Um seinen Konsum zu finanzieren, habe er immer wieder 10 bis 50 Gramm Kokain gekauft und die Hälfte weiterverkauft, so der vierfache Familienvater. Er habe seinen kleinen Bruder in die Sache hineingezogen.
Langjähriger Freund gesteht Handel mit Marihuana
Der langjährige Freund des einstigen Sicherheitschefs räumte den Handel mit Marihuana ein. Er habe damit seinen eigenen Drogenkonsum finanziert, sagte der 32-Jährige, der keiner Rockergruppe angehört.
Der Prozess beruht im wesentlichen auf Aussagen eines Aussteigers aus der Rockerszene. Er sollte zu einem späteren Zeitpunkt als Zeuge gehört werden. Der 34-jährige Angeklagte sagte, der Mann wolle sich für seinen Rauswurf bei den Bandidos rächen und habe die Drogenmengen erfunden.
Kronzeuge ist im Zeugenschutzprogramm
Seit Januar verhandelt das Berliner Landgericht in einem anderen Prozess gegen drei weitere Bandidos wegen bandenmäßigen Handels mit Amphetaminen. Auch ihr Verfahren kam ins Rollen, nachdem der Aussteiger sein Schweigen gebrochen hatte. Der Familienvater ist wegen seiner Gefährdung im Zeugenschutzprogramm.
Im Kampf gegen kriminelle Rocker hatten im Juni 2012 mehr als 1000 Beamte, darunter die Spezialeinheit GSG 9, Wohnungen, Arbeitsstätten und Vereinsheime der Bandidos überprüft. Dabei war auch ein Chemielabor entdeckt worden.




