Der Millionengewinn aus Britz motiviert offenbar auch andere Berliner, ihr Glück beim Lotto zu versuchen. In einem Tabakwarenladen an der Rudi-Dutschke-Straße in Kreuzberg jedenfalls haben am Montag mehrere Kunden einen Lottoschein ausgefüllt, um dem Neuköllner nachzueifern.

„Mehrere Kunden haben mich darauf angesprochen, dass der Jackpot nach Berlin gegangen ist“, sagt Mitarbeiterin Yurdalgül Kanpara. „Die haben gesagt: Aha, aus Berlin, vielleicht schaffe ich das ja auch.“

400.000 Berliner spielen wöchentlich Lotto

Marzena Kalinowski arbeitet in einer Lottoannahmestelle in den Gropius-Passagen. Auch ihr haben die Kunden von dem gigantischen Gewinn berichtet. „Heute Vormittag wusste ich es noch gar nicht, aber viele Kunden haben mich darauf angesprochen.“ Die 39-Jährige glaubt, dass der überaus hohe Gewinn ein Anreiz für die Leute ist, nun öfter Scheine auszufüllen.

Der Jackpot war bis zum Sonnabendabend auf genau 21.193.239,30 Euro angewachsen. Der Gewinner hatte den Lotto-Schein 2. März im südlichen Neukölln gekauft – sich bislang allerdings noch nicht gemeldet. In der Regel spielen rund 400.000 Berliner in der Woche Lotto, 700.000 Spielaufträge gehen in den rund 1000 Lottoannahmestellen ein. Die Summe von 21 Millionen Euro ist jedoch der größte Gewinn, der jemals in Berlin erzielt wurde. 2012 lag der höchste Gewinn bei knapp drei Millionen Euro.

Viele Neider nach Jackpotgewinn

Lottoladen-Besitzer Frank Michael Kadur bedient täglich bis zu 500 Kunden, von denen viele Lotto spielen. Der Ladenbesitzer aus Britz würde sich über einen Jackpotgewinn freuen, sieht aber auch die damit verbundenen Risiken: „Als Gewinner würde ich den Mund halten und erst einmal weg von hier." Als Multi-Millionär mache man sich auch viele Neider, meint der 59-Jährige.

Diese Sorge hat Angelika Stager aus Britz nicht – sie spielt regelmäßig Lotto. Die Neuköllnerin würde sich von einem so hohen Gewinn eine Eigentumswohnung kaufen, Schulden abbezahlen und den Rest mit ihrer Familie teilen. Ihr höchster Gewinn lag bei 3200 Euro. „Das ist aber schon ein paar Jahre her“, sagt Angelika Stager. Trotzdem gönne sie es dem Gewinner.“

Hoffnung auf den Lotto-Gewinn

Hoffnungen auf den Gewinn hatte sich der Neuköllner Thomas Richter gemacht – zumindest für den Bruchteil einer Sekunde. „Ich habe gerade in der U-Bahn von dem Lottogewinn gelesen“, sagt Richter, der schon seit Jahren einen Abo-Spielauftrag hat. „Dort wurde aber der Spieleinsatz von 14,50 Euro erwähnt, also konnte ich es nicht sein.“ Der Architekt nimmt es mit Humor – und träumt weiter von einem Gewinn. „Ich würde mir vielleicht ein ganz verrücktes Auto kaufen, aber erst mein Haus abbezahlen und meinen Kindern etwas kaufen.“

Ihrer Familie würde auch Yurdalgül Kanpara etwas von einem Lottogewinn abgeben. Die Mitarbeiterin der Lottoannahmestelle in Kreuzberg würde wollen, dass auch andere von ihrem Glück profitieren. „Ich würde in jedem Fall etwas an Waisenkinder geben und vielleicht auch an andere benachteiligte Kinder“, sagt die 37-Jährige. Allerdings spielt sie selbst nur unregelmäßig Lotto. „Und immer nur einzelne Tipps für kleine Summen“, wie sie versichert. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten würden sich viele Berliner so verhalten, hat Yurdalgül Kanpara beobachtet. „Die Leute spielen dann mehr Lotto, aber mit kleinen Einsätzen.“