Berliner Prozess

Mutmaßlicher Darkroom-Mörder fälschte sein Abi-Zeugnis

Im Prozess um Morde in der Schwulenszene hat der Angeklagte noch nichts zur Tat gesagt - schilderte aber Erstaunliches zu seinem Werdegang.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Der mutmaßliche Mörder von drei Männern aus der Berliner Schwulenszene hat am Freitag vor Gericht seinen Werdegang geschildert. Demnach verlief das Leben des Saarländers ohne Schicksalsschläge. Der 38-jährige Grundschulreferendar überraschte aber vor dem Berliner Landgericht mit seiner Aussage, er habe sein Abiturzeugnis gefälscht und damit an der Berliner Humboldt-Universität studiert. Zu den Tatvorwürfen wird der mutmaßliche Dreifachmörder voraussichtlich nächste Woche aussagen.

Im April und Mai 2012 soll er drei arglose Männer mit einer Überdosis der Droge Liquid-Ecstasy vergiftet haben, die als „K.-o.-Tropfen“ bekannt ist. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord aus Habgier vor. Der 38-Jährige soll Kreditkarten und 400 Euro erbeutet haben. Zwei weitere Männer entkamen den Giftanschlägen.

Gutachten bescheinigt volle Verhandlungsfähigkeit

Der Angeklagte wuchs eigenen Angaben nach „ganz normal“ im Saarland auf, absolvierte dort eine Ausbildung zum Krankenpfleger und arbeitete in einer Klinik. Im Jahr 2006 habe er knapp 100.000 Euro von seiner Großmutter geerbt und sei zum Studium nach Berlin gezogen, schilderte er mit leiser Stimme.

Seit Februar 2012 hatte der Angeklagte als Referendar in Brandenburg gearbeitet. Am 1. Juni wollte er mit seinem langjährigen Freund zusammenziehen. Ende Mai kam der Saarländer in Untersuchungshaft und von dort ins Haftkrankenhaus. Nach mehreren Selbstmordversuchen wird der 38-Jährige streng bewacht. Nach dem neuesten Gutachten ist er voll verhandlungsfähig.