Damit hatte Peer Steinbrück nicht gerechnet. Als der Kanzlerkandidat der SPD am Freitagvormittag beim Neujahrsempfang der Berliner Morgenpost eintraf, durfte er als erstes Glückwünsche entgegennehmen. Friede Springer hatte daran gedacht, dass Steinbrück am Tag zuvor 66 Jahre alt geworden war. Und Steinbrück war nicht das einzige Geburtstagskind unter den Gästen. „Berlin ist, wenn man seinen Geburtstag beim Neujahrsempfang der Berliner Morgenpost feiert“, sagte Chefredakteur Carsten Erdmann gleich zu Beginn seiner Begrüßungsrede – denn auch Charité-Chef Karl Max Einhäupl wurde am Freitag 66.
Die Berliner Morgenpost eröffnete am Freitag mit ihrem Neujahrsempfang die gesellschaftliche Saison in der Hauptstadt. Rund 300 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport waren der Einladung in das Verlagshaus Axel Springer gefolgt, um den Jahresauftakt gemeinsam zu begehen und über aktuelle Berliner und bundespolitische Themen zu diskutieren. Unter ihnen etwa die Bundesminister Guido Westerwelle (FDP), Annette Schavan (CDU), Peter Altmaier (CDU) und Hans-Peter Friedrich (CSU), Model Franziska Knuppe, Schauspielerin Martina Gedeck, Designer Michael Michalsky, Boxer Arthur Abraham und Staatsopernintendant Jürgen Flimm.
Natürlich war die erneut verschobene Eröffnung des Hauptstadtflughafens auch beim Neujahrsempfang Gesprächsthema Nummer eins. Zumal Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kurzfristig seine Teilnahme noch absagte – er musste zu einem Flughafen-Krisentreffen ins Rote Rathaus. Dass die Gründerhauptstadt Berlin aber viel mehr zu bieten hat, als eine weltbekannte Flughafen-Baustelle, das betonte Carsten Erdmann in seiner Ansprache: „Jeden Tag werden in Berlin zwei bis drei neue Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche gegründet, vom Internet-Händler über Spiele-Entwickler bis zum Industrie-Dienstleister.“
Erdmann rief dazu auf, die Rahmenbedingungen für Innovation und Kreativität in Berlin weiter zu verbessern. „Wer hier etwas bewegen will, der weiß: Wir müssen die Zukunft umarmen und mit dem Bewährten verzahnen.“ Der Chefredakteur kündigte an, dass sich die Berliner Morgenpost 2013 noch mehr darum kümmern wird, einen Fokus der Berichterstattung auf diese wirtschaftliche Aufbruchstimmung in der Hauptstadt zu legen. So startet die Zeitung am heutigen Sonnabend eine große Serie zur Gründerstadt Berlin. „Berlin startet durch“ soll das Motto des ganzen Jahres sein.
Dabei ist laut dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG für das neue Jahr nur das Schlimmste zu erwarten, wie Mathias Döpfner mit einem Augenzwinkern sagte. Mit Blick auf die Unglückszahl 2013 erklärte Döpfner in seiner Rede, was „Triskaidekaphobiker“ sind: Menschen mit einer abergläubischen Angst vor der Zahl 13. „Wir bei Axel Springer sind ausgeprägte Triskaidekaphobiker, wir sind ganz eingefleischte Zweckpessimisten“, sagte Döpfner. Denn wer Zweckpessimist sei, sei auf jede Entwicklung denkbar gut vorbereitet.
Döpfner ging dann auf die Zukunft des Journalismus ein. „Zweckpessimisten sind sicher: Der Journalismus im Internet wird immer oberflächlicher und schlechter. Aber Zweckpessimisten werden sehen: Er wird immer besser“, so Döpfner. „Im Netz nämlich zählt nur noch die Qualität einer Geschichte, nicht mehr die Qualität des Papiers, die Qualität der Druckerei oder die Quantität der Kioske, an denen eine Zeitung verkauft wird.“ Nur der Inhalt zähle, und der profitiere von den Möglichkeiten des Internets. „Im Jahr 2013 beginnt die wirkliche Emanzipation der Zeitung vom Trägermedium Papier“, so Döpfner.
Die Gäste nutzten anschließend die Zeit für Gespräche – und den obligatorischen Snack beim Neujahrsempfang der Berliner Morgenpost: Currywurst und Mini-Buletten sowie Pralinen mit Brandenburger-Tor-Logo. Bundesbildungsministerin Annette Schavan arbeitete sich nach den Reden aber erst einmal durch die Menge: „Ich suche überall Herrn Einhäupl, ich muss ihm unbedingt gratulieren.“
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