Wohnungseinbrüche

Berliner halten verstärkt nach Einbrechern Ausschau

Jede Stunde ein Einbruch: So viele Fälle gab es 2011 in Berlin. Nun halten immer mehr Bürger in ihrer Nachbarschaft die Augen offen.

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Vor dem Hintergrund hoher Einbruchszahlen in Berlin melden Bürger der Polizei zunehmend verdächtige Beobachtungen in ihrer Nachbarschaft. „Wir verbuchen eine positiven Tendenz, dass sich Nachbarn inzwischen schneller an die Polizei wenden, wenn ihnen etwas auffällt“, sagte die Präventionschefin am Landeskriminalamt, Tanja Knapp. „Das hören wir aus den Polizeidirektionen.“ Jede Woche gebe es etliche Hinweise von Bürgern. An diesem Montag startet die Polizei ihre Aktionswoche „Dunkle Jahreszeit“ zum Thema Einbruchschutz.

Erst kürzlich wurden so vier jugendliche Einbrecher in Kreuzberg festgenommen. Ein Anwohner am Erkelenzdamm hatte den Notruf gewählt, nachdem er die Fremden im Hausflur und eine eingetretene Wohnungstür bemerkte hatte. „Der Mann hat genau richtig reagiert“, sagte Knapp.

11.000 Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr

Im Vorjahr stieg die Zahl der Wohnraumeinbrüche um rund 26 Prozent auf mehr als 11.000 Fälle – so viele, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Demnach gab es stündlich mehr als einen Einbruch in einer Wohnung oder einem Wohnhaus. Nur gut acht Prozent wurden aufgeklärt.

Die Polizei habe auf die Zunahme mit Schwerpunktkontrollen und einer großangelegten Präventionskampagne reagiert, sagte Knapp. Zuletzt hätten Beamte etwa 25 000 Berliner Haushalte besucht, um über Schutzmaßnahmen und Beratungsangebote der Polizei zu informieren.

„Das Leid des Opfers geht über den Tag hinaus“, sagte die Leiterin der Zentralstelle für Prävention. „Das Gefühl für Sicherheit geht verloren.“ Laut Studien fühle sich nach einem Einbruch jeder Dritte in seinen vier Wänden nicht mehr wohl, jeder fünfte suche sich gar eine neue Wohnung. Betroffene fragten sich etwa, wo der Täter überall herumgewühlt habe. „Viele haben Angst, der Einbrecher könnte wiederkommen – auch wenn das wenig realistische ist“, sagte Knapp.

Soziale Kontrolle durch Nachbarn wichtig

Neben der technischen Sicherung der Wohnungstür sei die soziale Kontrolle durch Nachbarn besonders wichtig. „Einbrecher halten vor allem nach anonymen Wohnsituationen Ausschau, um möglichst ungestört zu sein“, so die Expertin. In der Regel versuchten Täter drei bis fünf Minuten ihr Glück. „Dabei nehmen sie in Kauf, dass es auch kurz laut wird, wenn sie etwa die Tür etwa aufbrechen.“

Sollte das nicht klappen, ergriffen die Kriminellen spätestens dann die Flucht. 2011 blieb es in rund 40 Prozent der Einbrüche beim Versuch. „Entweder scheitern die Täter an der Tür oder sie werden gestört – etwa durch aufmerksame Nachbarn“, sagte Knapp.

Seit Jahren berät die Polizei Bürger zum Thema Einbruchschutz – seit Anfang Oktober kostenlos. Zuletzt sei die Nachfrage spürbar gestiegen. Im Vorjahr seien 3100 Bürger beraten worden, sagte Knapp. „Diese Zahl haben wir schon um rund 30 Prozent überschritten. Die vielen Einbrüche und deren Wahrnehmung in der Nachbarschaft haben sicherlich dazu beigetragen.“