In Berlin ist ein Baby im Krankenhaus mit einem Darmkeim infiziert worden und gestorben. Das Neugeborene war vor etwa zwei Wochen mit einem Herzfehler zur Welt gekommen und deshalb auf der Intensivstation der Charité behandelt worden. Danach wurde das Baby für eine Operation ins Deutsche Herzzentrum verlegt. Nach der geglückten OP erkrankte das Baby an einer Blutvergiftung. Die Ursache: die Darmbakterien Serratien. Zu dieser Infektion ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Charité gekommen. Aus Sicherheitsgründen hat die Klinik zwei ihrer insgesamt fünf Säuglingsstationen geschlossen (die Berliner Morgenpost berichtete).
Am 8. Oktober sei der Ausbruch festgestellt worden. „Wir haben umgehend Schutzmaßnahmen eingeleitet“, sagte Prof. Ulrich Frei, ärztlicher Direktor der Charité. Auch seien sofort alle Neugeborenen auf den Stationen untersucht worden. Bei sieben Babys wurden Infektionen festgestellt, bei 21 anderen Patienten war der Keim nachweisbar, jedoch ohne dass die Babys Krankheitssymptome zeigten. „Die erkrankten Kinder werden antibiotisch behandelt“, sagte Prof. Christoph Bührer, Direktor der Klinik für Neonatologie. Es gehe ihnen gut.
Keime sind bei vielen Menschen vorhanden
Serratien sind Darmbakterien, die bei vielen Menschen vorhanden sind und unter normalen Umständen auch keinen Schaden anrichten. Anders sehe es aber bei Menschen mit einer Immunschwäche aus – und dazu gehören sowohl Frühgeborene als auch schwer kranke Kinder. „Für sie kann dieser Keim auch tödlich sein“, sagte Prof. Petra Gastmeier, Leiterin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité. Sie betonte, dass es sich bei Serratien – anders als in dem Krankenhaus in Bremen, in dem Anfang des Jahres fünf Babys nach einer Infektion starben – nicht um multiresistente Keime handele. „Sie sind in der Regel gut mit Antibiotika zu behandeln“, sagte Gastmeier.
Die Darmbakterien wurden auf zwei Neugeborenen-Stationen auf dem Campus des Virchow-Klinikums festgestellt. „Solche Vorfälle sind eigentlich immer ein Zeichen von Schlamperei. Fälle, in denen die Verunreinigung über Medizinprodukte, in Infusionen oder Salben, ins Haus kommt, sind sehr selten“, sagte der Hygieneexperte Klaus-Dieter Zastrow. Durch die Schließung der Stationen stehen auf dem Campus nun für Frühchen oder schwer kranke Neugeborene 36 Betten weniger zur Verfügung. Am besten sei es, wenn die Schwangeren sich bereits vor der Geburt an ein anderes Krankenhaus wenden, sagte Bührer.
Woher der Keim auf den beiden Stationen komme, konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Unter Umständen könnten kontaminierte Seifenspender schuld sein, sie sollen deswegen ausgetauscht werden. Um weitere Ansteckungen zu verhindern, wurden die Patienten auf den betroffenen Stationen in zwei Gruppen aufgeteilt – in mit Serratien besiedelte und nicht besiedelte. Auch das Pflegepersonal wurde in zwei Gruppen geteilt. „Eine Übertragung dürfte so nicht mehr möglich sein“, sagte Stefanie Winde, Sprecherin der Charité. Trotzdem seien die Eltern in großer Sorge, sagte Bührer. Für sie gebe es eine psychologische Betreuung.



