Nach Kölner Urteil

Hunderte Berliner demonstrieren für Beschneidung

Juden, Muslime, aber auch Christen sind in Berlin zusammen auf die Straße gegangen, um gegen das Kölner Urteil zu protestieren.

Foto: DPA

Rund 300 Menschen haben am Sonntag in Berlin für die Straffreiheit religiöser Beschneidungen demonstriert. Zu der Kundgebung auf dem Bebelplatz im Zentrum der Bundeshauptstadt hatte das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus aufgerufen. Der Aufruf wurde von über 50 Organisationen und Einrichtungen unterstützt, darunter der Evangelischen Landeskirche, dem Erzbistum Berlin, dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte auf der Kundgebung davor, dass nach dem Urteil des Kölner Landgerichts der Staat künftig definiert, was zum Kern einer Religionsgemeinschaft gehört und was nicht. Auch dürfe die Frage nach dem Kindeswohl nicht allein unter medizinischen Gesichtspunkten betrachtet werden, mahnte der Bundestagsvizepräsident. Er werde sich dafür einsetzen, dass das Parlament rasch eine Regelung schafft, die es Juden und Muslimen erlaube, das zu tun, was sie nach ihrem Selbstverständnis tun müssen, sagte Thierse.

Zu den Rednern auf der Kundgebung zählten auch der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Kenat Kolat, die frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, sowie die Berliner Rabbiner Yitzchak Ehrenberg und Tovia Ben-Chorin.