Die Gewerkschaft Ufo hat den ersten Streiktag der Lufthansa-Flugbegleiter wie angekündigt um 13 Uhr beendet. Der achtstündige Arbeitskampf kurz vor dem Wochenende stürzte Deutschlands größten Flughafen ins Chaos. Ein Ufo-Sprecher sagte: „Das war ein Riesenerfolg, auch wenn es uns für die Passagiere und die Kollegen am Boden leidtut. Aber das muss jetzt sein.“ Der „Riesenerfolg” der Gewerkschaft stürzte den Frankfurter Flughafen in ein Chaos, Tausende Passagiere strandeten, weil rund 1000 Flugbegleiter die Arbeit niederlegten. Das Chaos an deutschen Flughäfen dürfte sich schon bald fortsetzen: „Der nächste Streik wird schnell kommen“, sagte der Ufo-Sprecher. Die Gewerkschaft wollte noch vor Sonnabend entscheiden, wie es jetzt mit den Ausständen weitergeht.

Bei der Lufthansa fielen nach Unternehmensangaben rund 200 Flüge aus - vor allem Kurz- und Mittelstrecken sowie vereinzelt Langstreckenflüge. Der Flughafenbetreiber Fraport musste auf die Bremse treten und für gut 90 Minuten alle Starts von einem deutschen oder einem europäischen Flughafen mit Zielort Frankfurt stoppen. Ab Mittag entspannte sich die Lage etwas, sagte ein Fraport-Sprecher. Bei der Gewerkschaft UFO hieß es am Vormittag: „Hier am Flughafen herrscht Chaos. Sie wissen nicht mehr, wohin mit den Fliegern. Im Moment fallen alle Flüge aus.“

Das wollte der Flughafenbetreiber Fraport so nicht bestätigen. Dennoch waren die Parkpositionen am Frankfurter Flughafen so knapp, dass Fraport Anweisungen herausgab, europaweit keine Flüge mehr nach Frankfurt starten zu lassen. Maschinen, die in der Luft seien, durften weiter landen, der Interkontinentalverkehr war laut einem Fraport-Sprecher nicht betroffen. Zudem würden weiter Maschinen ab Frankfurt starten. Dennoch fielen auch Flüge in die USA und nach Israel aus.

Die Lufthansa hatte die Gewerkschaft Ufo angesichts des Streiks aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das von der Airline vorgelegte Angebot sei dafür eine ausreichende Grundlage, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther am Freitagmorgen am Frankfurter Flughafen. Im Streikzeitraum von 5 bis 13 Uhr umfasste der Lufthansa-Flugplan in Frankfurt 360 Flüge. Die Airline veröffentlichte eine laufend aktualisierte Liste der gestrichenen Flüge.

Die Gewerkschaft hatte am Dienstag nach dem Scheitern langwieriger Verhandlungen den Streik ausgerufen, dem die Mitglieder schon vorab zugestimmt hatten. Ufo hatte zunächst nur das Kabinenpersonal in Frankfurt zum Streik aufgerufen – von einige kleineren Aktionen und Warnstreiks in der Vergangenheit abgesehen ist es der erste Arbeitskampf der Gewerkschaft. Das könnte sich nun ändern, betonte ein UFO-Sprecher: „Es werden sehr bald weitere Streikmaßnahmen stattfinden. Und zwar so lange, bis die Lufthansa sich eines Besseren besinnt.“

Passagiere haben kein Verständnis für den Ausstand

Gestrandete Passagiere zeigten kein Verständnis für den Streik. „Es trifft die, die überhaupt nichts dafür können“, sagte der sichtlich genervte Volker Hanf aus dem Taunus, der nach Norwegen fliegen wollte. „Schließlich zahlen wir mit den Ticketpreisen die Gehälter der Lufthansa-Stewardessen.“ Vor dem Check-in-Schalter bildete sich eine lange Schlange, die mehrere Hundert Meter bis in andere Abfertigungshallen reichte. Sara Vassallo aus Frankreich strandete mit ihrer Familie in Frankfurt, von Kapstadt kommend, auf dem Weg zurück nach Marseille. „In Frankreich sind wir Streiks gewöhnt – hier nicht“, sagte sie. „Wir haben extra Lufthansa gebucht, um nicht in einen Streik, die es bei Air France häufig gibt, zu kommen.“ Sie sei bereits 25 Stunden unterwegs und die Kinder im Alter von fünf und zwölf Jahren völlig erschöpft. Der Anschlussflug an die Mittelmeerküste sei gestrichen, es sei unklar, wie es nun weitergehe. Insgesamt waren rund 26.000 Kunden von dem Ausstand betroffen .

Lufthansa-Passagiere, die auch per Bahn ihr Ziel erreichen konnten, durften ihr Flugticket gegen eine Zugfahrkarte eintauschen. Die Deutsche Bahn wollte am Freitag alle zur Verfügung stehenden Züge bereitstellen.

Rund 1000 Flugpassagiere strandeten nach Lufthansa-Angaben im Transitbereich des Frankfurter Flughafens, für die Feldbetten aufgestellt wurden. Bei den Betroffenen handle es sich vor allem um Passagiere von Langstreckenflügen. Die Airline reservierte zudem rund 500 Hotelzimmer für gestrandete Passagiere.

Flugverkehr in Berlin-Tegel kaum beeinträchtigt

Kaum Auswirkungen hatte der Streik auf den Flugverkehr von und nach Berlin-Tegel. Bis zum offiziellen Ende des Streiks um 13 Uhr fallen nach Angaben der Airline acht Flüge von und nach Frankfurt aus.

Der Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, bezeichnete die Streikbereitschaft der Stewardessen und Stewards der Lufthansa als „absolut überwältigend“. Baublies zeigte sich im ARD-Morgenmagazin am Frankfurter Flughafen höchst zufrieden mit dem Ausstand. „Es dauert Tage, bis der Flugplan wieder ganz normal ist“, meinte Baublies.

Die Deutsche Bahn setzte wegen des Streiks am Freitagvormittag mehr Züge als sonst ein. Damit sollte Passagieren, deren Flüge ausfallen, geholfen werden. Die Bahn habe mit der Lufthansa ein entsprechendes Kooperationsangebot „Good for Train“ abgeschlossen, teilte das Unternehmen in Berlin mit. Auf den Bahnhöfen werde zusätzliches Personal Fahrgäste informieren.

Neue Streiks nicht ausgeschlossen

Die Gewerkschaft gibt sich kampfbereit und will sich notfalls nicht nur auf Streiks von wenigen Stunden beschränken. Falls die Lufthansa nicht einlenke, werde es zu bundesweiten und unbefristeten Arbeitsniederlegungen kommen, hatte sie bereits gedroht. Ufo-Chef Baublies sagte dem Bayerischen Rundfunk, auch am Wochenende seien weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen. „Das kommt sehr darauf an, wie die Lufthansa jetzt reagiert und wie massiv sie versucht, die Leute zum Streikbrechen aufzurufen und unter Druck zu setzen.“

Die Schuld für den Streik wies er dem Arbeitgeber zu. „Was aber vom Tisch muss, ist das Forderungspaket der Lufthansa, was tatsächlich 20 bis 30 Prozent Lohneinbußen vorsieht“, so Baublies. „Wir haben uns nicht ausgesucht, dass es überhaupt so weit kommen musste.“ Weitere Verhandlungen sind derweil nicht in Sicht: „Bisher gab es überhaupt keinen Kontakt zwischen uns. Seitdem die Gespräche gescheitert sind, herrscht absolute Funkstille.“

dpa/rtr/alu