Rote Zahlen

Berlins Tierpark fehlt eine Million Euro

Die Planungen für die neue Erlebniswelt stocken. Bisher wurden keine Sponsoren für die hohen Investitionen gewonnen.

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Der Tierpark Berlin schreibt auch in diesem Jahr rote Zahlen. Nach dem aktuellen Wirtschaftsbericht des Tierparks wird am Ende dieses Jahres ein Fehlbetrag in Höhe von einer Million Euro zu Buche schlagen. Die Tierpark GmbH wird das Defizit in diesem Jahr aus ihren Rücklagen ausgleichen. Auch die Umsetzung des Masterplans Tierpark 2020 Plus stockt. Nach den Vorgaben der Finanzverwaltung soll ein Großteil der nötigen Investitionen aus Drittmitteln eingeworben werden. Der Wirtschaftsplan sieht jedoch in diesem Jahr keine Einnahmen durch Drittmittel vor. Sollte Europas größter Landschaftstierpark auch im kommenden Jahr ein negatives Ergebnis erzielen, wären die Rücklagen aufgebraucht.

Der 1955 gegründete Tierpark erhält vom Land Berlin jährlich einen Zuschuss in Höhe von rund sechs Millionen Euro. Dennoch schreibt die Anlage, die von 1955 bis 1990 vom Zoologen Heinrich Dathe geleitet wurde, regelmäßig rote Zahlen. Die Finanzverwaltung sieht den Tierpark nun in der Pflicht. „Konzepte zu entwickeln, um die Wirtschaftlichkeit des Tierparks zu stärken, ist Aufgabe der Geschäftsführung des Tierparks“, sagte ein Sprecher von Finanzsenator Ulrich Nußbaum.

Masterplan Tierpark 2020

Im vergangenen Jahr hatte Zoochef Bernhard Blaszkiewitz zusammen mit der Finanzchefin von Zoo und Tierpark, Gabriele Thöne, den „Masterplan Tierpark 2020 Plus“ vorgestellt. Demnach soll auf dem Gelände in Friedrichsfelde in den kommenden Jahren eine „Reise durch die Evolution – Erlebniswelt Galapagos“ entstehen. Dafür benötigt der Tierpark zur Umsetzung seiner Pläne 27 Millionen Euro bis 2013 und bis 2016 weitere 60 Millionen Euro. Darüber hinaus sind weitere Investitionen bis zum Jahr 2020 geplant. Am Ende soll eine „einzigartige Kombination aus Tier-, Bildungs-, Kultur- und Parkerlebnis“ in Friedrichsfelde entstehen, heißt es in dem Konzept. Als „Leuchtturmprojekt“ soll die Erlebniswelt Galapagos neu entstehen, in der Besucher Einblicke in die Zusammenhänge von Ökologie und Evolution erhalten sollen. In dem Neubau sollen unterschiedliche thematische Ausstellungen vom Urknall bis hin zu aktuellen Erkenntnissen der Medizin gezeigt werden. Wie auch in der Ausstellung Spectrum der Wissenschaft neben dem Technikmuseum in Kreuzberg können die Besucher dort dann auch Experimente selbst durchführen, so die Idee.

Zur Realisierung der Pläne will der Tierpark private Investoren gewinnen. Doch die blieben bislang aus. Deshalb will der Tierpark im Herbst noch einmal mit dem Berliner Abgeordnetenhaus verhandeln. „Wir brauchen eine Initialförderung durch das Land“, sagt Finanzchefin Thöne.

Vier neue Erlebniswelten geplant

Ähnliche Projekte der Zoos in Hannover und Leipzig hätten mehr als 100 Millionen Euro gekostet, die weitgehend von den Kommunen und dem jeweiligen Bundesland getragen worden seien. Insgesamt sollen vier neue Erlebniswelten geschaffen werden, um die Attraktivität des Tierparks zu erhöhen. Die Direktion rechnet nach dem Ausbau der geplanten Erlebniswelt mit einem Besucherzuwachs von rund 600.000 – und damit einem ausgeglichenen Haushalt. Derzeit besuchen rund eine Million Menschen den Tierpark, der Großteil davon stammt aus der direkten Nachbarschaft in Lichtenberg.

Die Grünen im Abgeordnetenhaus sehen den Senat gefordert, über die Zukunft des Tierparks zu entscheiden. „Das Land muss die unternehmerische Entscheidung treffen, ob es dem Tierpark durch Investitionen in Höhe von rund 80 Millionen Euro zu einem eigenständigen Profil verhelfen will oder nicht“, sagte der Haushaltsexperte der Grünen, Jochen Esser. Wegen der Stadtrandlage und der Bestandskosten werde der Tierpark nicht kostendeckend arbeiten können, sollte er nicht ein eigenständiges Profil entwickeln. Nur so könnten neue Besucherströme nach Friedrichsfelde gelockt werden.

Touristen umleiten

Das sieht der Tierpark ähnlich. „Wir konzentrieren uns auf ältere Besucher, Bustourismus, Touristen, die neben der kulturellen Vielfalt auch die Natur in der Stadt suchen, und Familientouristen, die Attraktionen zusammen mit ihren Kindern erleben wollen“, sagt Finanzchefin Thöne. Bislang strömen die Touristen vor allem in den zentral gelegenen Zoo, der mit U-Bahn, S-Bahn, Bus auch sehr gut ohne Auto zu erreichen ist.

Thöne spricht sich deshalb dafür aus, in einem ersten Schritt den Ausbau des Streichelzoos mit Spielflächen zu einer Ausflugsstätte für Familien voranzubringen. Dazu erhofft sich der Tierpark in den Verhandlungen mit dem Land eine Anschubfinanzierung in Höhe von fünf Millionen Euro. Die Gespräche darüber will der Tierpark im Rahmen der anstehenden Haushaltsverhandlungen für den neuen Doppelhaushalt aufnehmen.

Thöne appelliert an den Senat, Zoo und Tierpark gleichermaßen zu erhalten und auszubauen. „Mit Zoo und Tierpark verfügt Berlin über eine einzigartige Kombination. Wir brauchen eine Stadt, die sich dazu bekennt“, sagte Thöne. Keine andere Stadt verfüge über einen Landschaftsgarten mit Tierbestand, wie den Tierpark, der mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen sei.