In rund zwei Wochen startet bei der Berliner Feuerwehr ein neuer Ausbildungsjahrgang. Und dennoch sorgen sich die Brandbekämpfer der Hauptstadt um einen drohenden Nachwuchsmangel. „Die Schere zwischen Personalbedarf und Bewerbern wird sich in naher Zukunft bemerkbar machen“, sagt Landesbranddirektor Wilfried Gräfling. „Die Bewerberzahlen sind kontinuierlich rückläufig.“
Ein Grund sei der demografische Wandel, andererseits gebe es immer weniger qualifizierte Kandidaten, sagt Gräfling. Hinzu komme, dass sich viele junge Leute wegen geringer finanzieller Anreize nicht für den Job bei der bundesweit größten Berufsfeuerwehr interessierten. Um die Nachwuchssuche zu verstärken, ist darum mehr Personal und Geld erforderlich.
Arbeitnehmervertreter befürchten darum ein Personalproblem. „Von 2016 an gehen die zahlenstarken Jahrgänge in den Ruhestand“, sagt der Vorsitzende der Feuerwehr-Gruppe in der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Schombel. Hinzu kämen unerwartete Abgänge etwa wegen Krankheits- oder Todesfällen.
40 statt 60 Anwärter pro Halbjahr
Zuletzt wurde das Ausbildungskontingent allerdings um ein Drittel reduziert. Statt der sonst 60 Anwärter pro Halbjahr, starten im September nur noch 40 junge Leute ihre zweijährige Ausbildung. Dies hänge damit zusammen, dass der Personalbedarf im Jahr 2014 geringer sei, sagt Gräfling. „Wir können aus Platzgründen nicht x-beliebig mehr Anwärter aufnehmen“, sagt der Feuerwehr-Chef. Hier könne die auf dem künftig stillgelegten Flughafen Tegel mögliche neue Feuerwehrschule Abhilfe schaffen. Je länger sich die Eröffnung des neuen BER-Airports verzögert, desto enger wird auch hier der Zeitrahmen. Und würde die neue Feuerwehrschule realisiert, wären dann auch mehr Ausbilder nötig. „Das würde auch Mehrkosten bedeuten“, so Gräfling. Im Jahr stehen der Behörde rund 230 Millionen Euro zur Verfügung – der Großteil davon ist jedoch fest verplant. Fraglich ist auch, ob sich genügend Kandidaten finden. Michael Schombel sagt, dass sich gut qualifizierte Schulabgänger heute schon wegen der geringen Bezahlung erst gar nicht meldeten. „Monatlich rund 800 Euro während der zwei Ausbildungsjahre schrecken eher ab.“ Nach Gewerkschaftsangaben ist die Bewerberzahl seit der Ausbildungsreform vor zwei Jahren von einst jährlich 1400 auf zuletzt 600 gesunken. Für den im September startenden Jahrgang hätten sich 742 junge Menschen beworben. In der Innenverwaltung sieht man die Entwicklung entspannter. „Die gegenwärtige Bewerberlage ist besser, als sie von manchen dargestellt wird“, sagte ein Sprecher von Innensenator Frank Henkel (CDU).
dpa/tj




