Streit

Bezirk will die Seefestspiele am Wannsee retten

Auch in diesem Jahr gibt es wieder Ärger um die Aufführung. Die Veranstalter stellen jetzt die Fortsetzung in den kommenden Jahren infrage

Foto: Deutsche Entertainment AG

Das Konzept ist bestechend, das Personal hochkarätig, die Resonanz positiv – und doch steht es schlecht um die Seefestspiele am Wannsee. Wie schon bei der Erstauflage des Freiluft-Opernevents im vergangenen Jahr gibt es auch in diesem Jahr kurzfristig Querelen um die Baugenehmigung. Am 6. Juli, drei Tage vor Beginn des Bühnenaufbaus und gut einen Monat vor der Premiere von Bizets „Carmen“, hatte die Wasserbehörde ihr Veto eingelegt.

Für den Veranstalter bedeutet das nicht nur, dass die Bühne verrückt werden muss. Zusätzlich fallen dadurch 800 Zuschauerplätze weg – mit entsprechenden Einnahmeeinbußen. „Bürokratendiktatur“ ist das einzige Wort, das Veranstalter Peter Schwenkow, Vorstandschef der Deutschen Entertainment AG (Deag), hierzu einfällt. Dabei verspreche die Aufführung in diesem Jahr „ganz großes Kino“. Für die Kulisse wurde in den Babelsberger Filmstudios ein Bühnenbild erstellt, das per Animation mal als Fächer, mal als Stierkampfarena das Schauspiel hinterlegt. Aus statischen Gründen und solchen der Inszenierung sollte jedoch ein Zipfel der Bühne knapp sechs Meter über die Trinkwasserzone II am Wannsee ragen und dort mit einem Eisenträger im Boden abgestützt werden. Genau dies hat die Wasserbehörde nun untersagt.

Die Gesellschafter – neben der Deag sind auch die MMP Veranstaltungs- und Vermarktungs GmbH von Michael Mronz aus Köln und das Concertbüro Zahlmann beteiligt – stellen deshalb bereits eine Fortsetzung der Festspiele in den nächsten Jahren infrage. Was bei der Deag auf absolutes Unverständnis stößt, ist neben der Kompromisslosigkeit vor allem die kurzfristige Absage. Am 18. Mai seien beim Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf die Antragsunterlagen abgegeben worden, sagt Deag-Geschäftsführer Norbert Eierding. „Seither habe ich mehrfach mit der Wasserbehörde telefoniert. Nie ist dabei ein Hinweis zum Thema Bühne gekommen.“ Dabei sei im vergangenen Jahr sogar ein tieferes Vorragen der Bühne in die Trinkwasserzone II genehmigt worden. Vom damaligen Staatssekretär in der Stadtentwicklungsverwaltung habe es die Zusage gegeben, dass dies auch in diesem Jahr möglich sei, erinnert sich Schwenkow: „Darauf haben wir uns verlassen.“

Senat sieht Fehler bei Veranstaltern

In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht man den Fehler bei den Antragstellern. Die Grenzen der Trinkwasserzonen seien bekannt gewesen, betont Daniela Augenstein. Außerdem habe die Wasserbehörde schon im Frühjahr, vor Eingang der Antragsunterlagen, die Deag von sich aus angesprochen und eine frühzeitige Abstimmung angeboten. Dieses Entgegenkommen sei nicht erwidert worden. Eierding dagegen bestreitet, dass es ein solches Angebot überhaupt gegeben habe. „Bei mir ist so etwas jedenfalls nie angekommen.“ Norbert Schmidt, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Steglitz-Zehlendorf, kann den Ärger der Festspielinitiatoren nachvollziehen. Eine Möglichkeit, jetzt noch einzugreifen, gebe es seitens des Bezirks aber nicht. Am Wannsee wird die Bühne derzeit nach den Vorgaben der Wasserbehörde aufgebaut. Weil ein weiteres Ausweichen an Land wegen der denkmalgeschützten Gebäude in der Nähe nicht möglich war, verringert sich die Zahl der geplanten 4000 Tribünenplätze. Das bedeute Mindereinnahmen in Höhe von 250.000 Euro, so Schwenkow.

Dennoch wünschen sich die Verantwortlichen, dass die Seefestspiele weitergeführt werden. „Wir müssen davon wegkommen, dass es jedes Jahr eine solche Hängepartie gibt“, sagt Bezirksstadtrat Schmidt. Bei der Deag erhofft man sich deshalb Gespräche über Standardisierungen bei Bau und Technik, um nicht über jedes Detail erneut verhandeln zu müssen.