Zwei Tage nach dem Absturz von fünf deutschen Bergsteigern in den Schweizer Alpen vermutet die Polizei, dass die tödlich verunglückten Alpinisten, unter ihnen zwei Berliner, bei ihrem Abstieg auf glattem Untergrund ausgerutscht sind. Darauf deuteten die Erkenntnisse hin, die bei einem Aufklärungsflug am Mittwochabend gewonnen wurden.

Bei der Erkundung im Bereich des Lagginhorngipfels wurden nach Polizeiangaben keine Abbruchstellen am Fels und im Schnee festgestellt. Vermutlich sei der Schnee vereist und so glatt gewesen, dass die Bergsteiger ausgerutscht und danach etwa 400 Meter tief über eine Felswand abgestürzt seien. Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen waren die Bergsteiger nicht angeseilt.

Im Zuge der von der Staatsanwaltschaft Oberwallis geführten Untersuchung sollen nun die Angehörigen der Bergrettung, die zuerst am Unglücksort waren, erneut befragt werden.

Obwohl das Lagginhorn nach Meinung von Experten als relativ einfach zu besteigender Berg gilt, dürfe er nicht unterschätzt werden, hieß es am Donnerstag bei der Kantonspolizei Wallis. „Das Lagginhorn ist ein Viertausender. In solchen Höhen kann jeder Fehltritt fatale Folgen haben, auch für erfahrene Kletterer“, sagte Polizeisprecher Renato Kambermatten der Berliner Morgenpost. Zudem sei eine solche Bergtour nicht nur beim Aufstieg gefährlich. „Mit dem Erreichen eines Gipfels ist eine glückliche Rückkehr erst zur Hälfte geschafft“, betonte Kalbermatten.

Angehörige treffen am Unglücksort ein

Bis zum Abschluss der Ermittlungen dürften noch einige Wochen vergehen. Die Bergsteiger, darunter Maximilian (19) und Marie (14) S. aus Frohnau, waren beim Abstieg tödlich verletzt worden. Nur Peter S., der Vater der beiden Jugendlichen, war nach einem Schwächeanfall unterhalb des Gipfels zurückgeblieben und hatte das Drama überlebt.

Seine Ehefrau traf am Mittwoch in Saas-Fee ein, ebenso die Angehörigen der drei anderen deutschen Opfer. Sie werden von Mitarbeitern der Deutschen Botschaft unterstützt, unter anderem bei der Organisation der Rückführung der Toten nach Deutschland. Zu den Opfern zählen neben den Berlinern ein 46-Jähriger und dessen 16 Jahre alter Sohn aus dem Landkreis Bad Kreuznach und ein 21-Jähriger aus Ostwestfalen/Lippe. Noch am Mittwoch besuchten die Angehörigen ein Bestattungsinstitut, um die sterblichen Überreste der Verunglückten zu sehen.

Im Umfeld der Frohnauer Familie herrscht tiefe Trauer. Auch in der Bergregion um Saas-Fee ist die Betroffenheit über den tragischen Bergunfall groß. Zumal am Mittwoch ein 54-jähriger Brite beim Abstieg vom nahen Nadelhorn ebenfalls tödlich verunglückte.