Unwetter

Drei Frauen sterben bei Blitzeinschlag auf Golfplatz

Der Blitz hat nach einem Unwetter in eine Hütte auf einer Golfanlage in Hessen eingeschlagen. Dort hatten die Frauen Schutz gesucht.

Foto: DAPD

Tragisches Unglück auf dem Golfplatz: Drei Frauen sind am Freitagnachmittag in Nordhessen vom Blitzeinschlag in einer Golfhütte getötet worden. Eine weitere wurde bei dem Zwischenfall im Landkreis Waldeck-Frankenberg lebensgefährlich verletzt, wie das zuständige Polizeipräsidium in Kassel am Abend mitteilte.

Bei dem heftigen Unwetter über Nordhessen hatten die Frauen den Angaben zufolge Schutz in einer Hütte auf der Anlage des Golfplatzes Waldeck Schutz gesucht. Ausgerechnet dort aber schlug um kurz nach 17 Uhr der Blitz ein. Polizei, Rettungsdienst und mehrere Notärzte waren vor Ort. Trotz intensiver ärztlicher Bemühungen seien aber drei der vier Frauen gestorben. Die vierte wurde schwer verletzt und schwebte am Abend weiter in Lebensgefahr.

Nähere Einzelheiten, auch über die Identität und das Alter der Frauen, konnte die Polizei eine Stunde nach dem Unglück auf Anfrage noch nicht mitteilen.

Der Deutsche Wetterdienst hatte am Nachmittag immer neue Unwetterwarnungen für weite Teile Hessens herausgegeben, darunter auch für den von dem Unglück betroffenen Kreis Waldeck-Frankenberg. In dieser Warnung war von schwerem Gewitter mit schweren Sturmböen, heftigem Starkregen und Hagel die Rede.,

Bei Gewitter ist das richtige Verhalten wichtig. Wer in der freien Natur überrascht wird, sollte gefährliche Punkte wie einzeln stehende Bäume, Metallzäune oder Anhöhen meiden. Auch auf dem Fahrrad kann man vom Blitz getroffen werden. Baden ist bei Gewitter lebensgefährlich, das Wasser sollte sofort verlassen werden. Der DWD empfiehlt, Mulden oder Gruben aufzusuchen und sich darin möglichst klein zu machen.

Umgestürzte Bäume blockieren Bahnverkehr

Auch für Berlin sind für Freitagabend kräftige Schauer oder Gewitter vorhergesagt. Hagel und Sturmböen sind ebenfalls möglich. HIER finden Sie das Niederschlagsradar von Morgenpost Online.

Durch Gewitterböen entwurzelte Bäume haben am Freitagabend den Bahnverkehr zwischen Berlin und Hamburg lahmgelegt. Nach Angaben der Deutschen Bahn beschädigten umgestürzte Bäume zwischen Schwanheide und Brahlsdorf (Kreis Ludwigslust-Parchim) die Oberleitungen. Die Störungen würden vermutlich länger dauern, sagte ein Bahnsprecher in Berlin.

Drei ICE-Züge wurden auf der Reise nach Hamburg unterwegs an Bahnhöfen gestoppt, unter anderem in Ludwigslust und Wittenberge. In der Gegenrichtung nach Berlin musste ein ICE in Schwarzenbeck warten. Von der Sperrung im Raum Boizenburg betroffen sei auch der Regionalexpress RE1 in Mecklenburg-Vorpommern. „Morgen früh wird das hoffentlich wieder behoben sein“, sagte der Sprecher.

Heftige Regenfälle haben am frühen Freitagabend etliche Straßen und Keller in Kiel unter Wasser gesetzt. „Einige Straßen sind so stark überschwemmt, dass die Fahrzeuge nicht mehr dort fahren können“, sagte ein Sprecher der Kieler Feuerwehr. Einige hundert Feuerwehrleute seien im Einsatz, etwa um vollgelaufene Keller auszupumpen. Unter anderem seien die Kieler Universität und ein Dialyse-Zentrum betroffen. Auch in der Hansestadt Hamburg regnete es heftig. Zu größeren Beeinträchtigungen kam es jedoch nicht, wie ein Feuerwehrsprecher sagte.

10.000 Blitze über NRW gezählt

Das Tiefdruckgebiet Lisa hatte zuvor auch Nordrhein-Westfalen am Freitag in zwei Wellen zahlreiche Gewitter beschert. Insgesamt wurden allein am frühen Freitagmorgen rund 10.000 Blitze über NRW gezählt, sagte Franzjosef Molé vom Deutschen Wetterdienst in Essen. Starkregen setzte in der Nacht so mancher Rauferei enttäuschter Fußballfans ein plötzliches Ende. Viele Keller und Unterführungen füllten sich mit Wasser. Als die ersten Keller ausgepumpt waren, kam am Nachmittag die zweite Welle.

In Burbach südöstlich von Siegen gingen am Freitagmorgen innerhalb von knapp zwei Stunden 32 Liter Regen nieder, bei Bielefeld immerhin noch 30 Liter. Im Bielefelder Stadtgebiet mussten die Helfer am Morgen innerhalb von anderthalb Stunden zu 18 wetterbedingten Einsätzen ausrücken. Zahlreiche Straßen und Keller wurden überflutet und Gullydeckel vom Wasser hochgedrückt. In einigen Straßenzügen kam es zu kurzzeitigen Stromausfällen.

Auf der Autobahn 2 bildete sich neben der Fahrbahn zwischen den Anschlussstellen Bielefeld-Zentrum und Ostwestfalen-Lippe ein Schlammbach. Auf der A33 in Fahrtrichtung Osnabrück verunglückte ein 37 Jahre alter Fahrer eines Kleintransporters. Der Mann war mit seinem Auto nach einem Überholmanöver zwischen Stukenbrock-Senne und Schloß Holte auf regennasser Straße ins Schleudern geraten. Das Auto überschlug sich, der Mann wurde schwer verletzt. In Lippstadt setzte ein Blitz den Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses in Brand. Menschen wurden nicht verletzt. Der Sachschaden wird auf 12.000 Euro geschätzt.

Tiefgaragen und Aufzugsschächte liefen voll

In Köln prasselte am Freitagnachmittag ein Wolkenbruch mit Blitz und Donner nieder. Bei der Feuerwehr seien fast 380 Meldungen wegen voll gelaufener Keller und Tiefgaragen oder umgestürzter Bäume eingegangen, sagte ein Sprecher. Zwei Menschen wurden verletzt, als ein Baum auf ihr Auto fiel. Sie kamen ins Krankenhaus. In Bielefeld berichtete die Feuerwehr von 150 Einsätzen bis zum Nachmittag. Tiefgaragen und Aufzugsschächte liefen voll. Ein Bagger in einer Baugrube versank ganz und gar in den Fluten.

Grund der Gewitter ist das Aufeinandertreffen kälterer Atlantikluft aus dem Westen und feuchtwarmer Luft aus dem Süden. Für den Freitagnachmittag hielt der Wetterdienst vereinzelt auch Tornados für möglich. Insgesamt war die zweite Welle am Nachmittag aber schwächer. Am Samstag sollte sich die Wetterlage beruhigen.