Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Doppelmörder hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Der 25-jährige Mehmet Y. habe kaltblütig das Leben einer Familie zerstört, sagte die Anklägerin in ihrem Plädoyer am späten Mittwochabend vor dem Berliner Landgericht. Die Schwiegermutter und Schwägerin des Mannes starben im Kugelhagel. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Racheakt des Mannes nach der Scheidung seiner Frau aus.

Der aus der Türkei stammende Aushilfskellner hatte am 4. August 2011 an der Kolberger Straße im Wedding mindestens zwölfmal auf das Auto gefeuert, in dem seine Ex-Frau und ihre Familie saßen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte Mehmet Y. alle ermorden.

"Ich hatte keinesfalls die Absicht zu töten", behauptete der Türke gleichwohl. Seinen Angaben zufolge richtete sich sein Zorn ausschließlich gegen den Schwiegervater. Er habe sich von ihm bedroht gefühlt und deshalb die Waffe beschafft. Die anderen Familienmitglieder, so hieß es, hätten ihm gegenüber „nie ein böses Wort verloren“.

Die 25-jährige Ex-Frau überlebte, ihre 45-jährige Mutter wurde tödlich getroffen. Eine 22-jährige Schwester starb in der Klinik. Ein Bruder wurde schwer verletzt.

Die Staatsanwaltschaft beantragte auch, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Damit könnte Mehmet Y. nicht nach 15 Jahren Haft auf freien Fuß kommen. An diesem Freitag werden noch die Plädoyers der Nebenkläger sowie der Verteidigung erwartet. Wann das Urteil fällt, stand noch nicht fest.

Der Angeklagte hatte die Schüsse gestanden. Er sagte aber, er habe nicht töten wollen. Er habe keine genaue Erinnerung an die Tat. Er habe sehr unter der Trennung von seiner Frau gelitten und dann mit ihr reden wollen, hatte er ausgesagt. Dann müsse er wohl geschossen haben.

dapd/dpa/mim