Vier Polizisten stehen vor der Leinwand und lachen. Endlich können sie mal richtig Fußball schauen im Dienst, denn so ruhig wie am Mittwoch war es wohl noch nie auf der Fanmeile am Brandenburger Tor.

Sogar Kinder laufen alleine rum, das Halbfinale zwischen Portugal und Spanien läuft ab wie ein dörfliches Grillfest. Statt 450.000 Menschen, die auf die Straße des 17. Juni passen, sind es nur wenige Tausend. Wartezeit für Bier: Kaum 20 Sekunden.

Dana findet das nicht schlimm. Sie kuschelt sich in ihre große Portugalflagge. „Ist doch entspannt“, sagt sie. Ein Chinese mit Regenschirm macht ein Foto von ihr. Noch bis zum Anpfiff hatten die Veranstalter über das Mikrophon mehrere Buslandungen mit Fans versprochen. Wie es aussieht, schauen die das Spiel aber lieber in einer Kneipe. Ein wenig ausgelassener wird es eigentlich nur beim Elfmeterschießen. „Español, Español“, jubeln einige Spanienfans über ihren Sieg. Dann leert die Fanmeile sich überraschend schnell.

Deren Besucherzahlen hängen vom Wetter ab und vor allem auch davon, ob Deutschland spielt. Sollte die Fanmeile am Donnerstag wieder voll sein, erwägen die Organisatoren sogar eine Erweiterung des Public Viewing an der Straße des 17. Juni um weitere 250 Meter bis zum sogenannten Kleinen Stern in Höhe der Bellevueallee. „Wir entscheiden das nach dem Halbfinale“, sagte eine Sprecherin des Fanmeile der Morgenpost Online. Bedingung sei, dass die deutsche Mannschaft das Finale erreicht.

In diesem Fall müssten zudem mindestens zwei weitere Videoleinwände aufgebaut werden. Die Entscheidung falle am Freitag. Aus Sicht der Behörden spricht jedenfalls nichts dagegen. „Denkbar und praktikabel“, sei eine Erweiterung der Fanmeile, sagte Harald Büttner, Leiter des zuständigen Tiefbauamtes in Mitte. Allerdings müssten in diesem Fall auch weitere Sicherheits- und Rettungskräfte eingesetzt werden.

Sollte Deutschland den Titel holen, würde das Fanfest nach Informationen von Morgenpost Online auch am Montag öffnen. Die EM-Sieger um Kapitän Philipp Lahm kämen dann zum Feiern in die Hauptstadt ans Brandenburger Tor. Wenn Deutschland im Finale am Sonntagabend spielt, stünden zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere hundert Arbeiter bereit, die über Nacht die Hauptbühne am Kopf der Meile umbauen und vergrößern.

Einige Besucher aber kommen vor allem, weil wenig Besucher auf der Fanmeile sind. Am Nachmittag vor dem Spiel stellt sich Caroline aus London auf die Straße des 17. Juni und spannt ihren Regenschirm auf. Sie schaut bis zur Siegessäule, die goldene Statue scheint matt am Horizont. Sie wolle einmal alleine stehen auf dieser Straße, sagt sie. Vor vielen Jahren war sie mal hier, zur Loveparade, mit mehr als einer Million anderen Menschen. „Hör mal, wie still es jetzt ist“, sagt sie. Ihre Freundin macht ein Foto, dann laufen sie weiter Richtung Friedrichstraße. „Shoppen“.

Von der Fanmeile berichtete am Mittwochabend live unsere Twitter-Reporterin Lisa Schmidt:

pvs