Nach dem gewaltsamen Tod einer 21 Jahre alten Frau in Berlin-Lübars ist der mutmaßliche Täter am Donnerstagabend in Brandenburg festgenommen worden. Das teilte die Polizei am Freitag in Berlin mit. Nach Medienberichten soll es sich um einen 24-Jährigen handeln, der das Opfer gekannt haben soll. Die Polizei konnte dies am Freitagmorgen noch nicht bestätigen und verwies auf weitere Ermittlungen.
Eine Passantin hat in den Morgenstunden des Donnerstags die Leiche einer 21-Jährigen in der Nähe des Strandbads Lübars entdeckt. Offenbar starb Christin R. unweit ihres Elternhauses durch einen Angriff gegen den Hals. Nach ersten Erkenntnissen wurde sie entweder mit Händen erwürgt oder mit einem Gegenstand erdrosselt. Eine für Donnerstag anberaumte Obduktion sollte die genaue Todesursache klären. Bisher liegen allerdings noch keine Ergebnisse vor.
Gegen 7.30 Uhr hatte eine Anwohnerin mit ihrem Hund an der Straße Am Freibad einen Spaziergang gemacht, als sie den leblosen Körper entdeckte. Die Frau alarmierte sofort per Mobiltelefon Polizei und Feuerwehr. Ein hinzugerufener Notarzt konnte nur noch den Tod der 21-Jährigen feststellen. Alle Reanimationsversuche blieben erfolglos. Nach Angaben eines Ermittlers waren Fundort und Lage der Leiche so ungewöhnlich, dass die zuerst eintreffenden Kripo-Einheiten schnell den Verdacht hatten, dass es sich hierbei um ein Verbrechen handeln könnte – die Leiche lag auf einem kleinen Trampelpfad, der von einem Parkplatz unweit des Strandbads abgeht.
Auf diesem Gelände wurde auch das blaue Auto von Christin R. entdeckt. Wenig später wurde die 7. Mordkommission mit den Ermittlungen beauftragt. Bereitschaftspolizisten sperrten das Areal um den Tatort ab, Experten der Kriminaltechnik sicherten Spuren. Zeitgleich wurde eine Drohne eingesetzt, um aus der Luft Übersichtsaufnahmen zu machen. Diese Fotos werden ebenfalls mit Vorrang ausgewertet. Eine Sexualstraftat wurde von den Ermittlern aber schnell ausgeschlossen, weil das Opfer bekleidet war.
Brüder suchen nach Schwester
Die Familie der jungen Frau soll sich nach Informationen von Morgenpost Online bereits am Mittwochabend um Christin gesorgt haben, weil sie nicht nach Hause gekommen war. Ihre beiden älteren Brüder hätten sich auf den Weg gemacht und die umliegende Umgebung abgesucht – ohne Erfolg.
Wann die junge Frau auf ihren Mörder traf, ist noch ungewiss. Angeblich sollen sich am Donnerstag bereits gegen 5.30 Uhr Spaziergänger in dem Gebiet aufgehalten haben. Sie haben dabei aber offenbar keine ungewöhnlichen Dinge beobachtet. Ob die Spaziergänger die Leiche nur übersehen haben oder ob die Tote erst später dort abgelegt worden ist, ist ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen der 7. Mordkommission. Diese sicherte auch Spuren an dem Fahrzeug des Opfers sowie auf dem Weg zum Fundort der Leiche, um rekonstruieren zu können, ob sie dorthin getragen oder geschleift wurde. Wann die Auswertung abgeschlossen ist, steht noch nicht fest.
Wie Morgenpost Online aus Kreisen des Landeskriminalamtes erfuhr, könnte eine beendete Beziehung als Tatmotiv in Frage kommen. Demnach soll sich Christin R., die als Pferdewirtin arbeitete, vor geraumer Zeit von einem jungen Mann getrennt haben, weil sie von dessen Mutter Ostern 2012 körperlich angegriffen worden sein soll. Angeblich sei dabei auch ein Messer im Spiel gewesen, Christin R. sei allerdings nicht verletzt worden.
Auf Anfrage wollte die Polizei diese Informationen nicht kommentieren, von offizieller Seite wurde bislang auf eine Öffentlichkeitsfahndung verzichtet, Fragen an die Bevölkerung wurden bislang nicht veröffentlicht. Dies könne sich im Verlauf der Ermittlungen allerdings noch ändern. Hinweise nimmt dennoch jede Polizeidienststelle entgegen.
Pferde waren das Ein und Alles der jungen Frau aus Lübars, sie machte deshalb ihr Hobby zum Beruf und absolvierte im August 2011 erfolgreich die Prüfung zur „Facharbeiterin als Pferdewirtin in Zucht und Haltung“. Durch die Leidenschaft für den Pferdesport soll sie schließlich auch ihren ehemaligen Freund kennengelernt haben, der im Brandenburger Raum in der gleichen Branche tätig gewesen sein soll und dort auch mit seiner Familie lebt. Beide sollen sich gemeinsam zwei Hunde angeschafft haben.
Nachbarn sind geschockt
Nachbarn und Bekannte, die die junge Frau als sehr beliebt beschreiben, waren am Donnerstag geschockt von der Nachricht. In den Häusern an der Sackgasse, in der auch das Elternhaus von Christin steht, leben rund 70 Menschen. „Es ist hier sehr idyllisch, wir pflegen ein sehr vertrautes Miteinander“, so ein Anwohner. Christin kenne man schon von Kindesbeinen an, sie habe auch die nicht weit entfernte Grundschule besucht, bevor sie auf eine Oberschule wechselte. Die 21-Jährige habe ein durch und durch freundliches Wesen gehabt und sei beliebt und gern gesehen gewesen. Wie weiter zu erfahren war, habe sie gewusst, was sie vom Leben wolle und sich „nicht die Butter vom Brot nehmen“ lassen. Den ehemaligen Partner von Christin sehen Nachbarn und Bekannte allerdings sehr kritisch. Er habe eine unangenehme Art gehabt, heißt es.
Ermittler berichteten, dass ihnen die Gerüchte um die Beziehung und auch über den angeblichen Angriff der Mutter des Freundes bekannt seien. Dies sei allerdings eine von vielen Spuren, denen man in dieser Angelegenheit nachgehe. Die Ermittlungen befänden sich noch am Anfang. „Wer auch immer ihr das angetan hat, das Leben hier in Lübars wird sich dadurch verändern“, sagte ein Anwohner.


