1100 Polizisten aus mehreren Bundesländern haben am Donnerstag in Berlin und Brandenburg einen Schlag gegen den Rockerclub Bandidos Del Este sowie zwei Unterstützerclubs geführt. Den Mitgliedern wird gewerbs- und bandenmäßiger Rauschgifthandel zur Last gelegt. Während Angehörige der GSG9 das Clubhaus in Hennigsdorf stürmten, drangen Spezialeinsatzkommandos und Bundespolizisten in insgesamt 74 Wohnungen und Arbeitsstätten der Rocker ein.

Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich erfreut über den Einsatz. „Das ist ein weiterer erfolgreicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität in der Hauptstadtregion“, sagte Henkel. Ziel sei es, die kriminelle Rockerszene stark unter Druck zu setzen. „Niemand soll glauben, dass er sich ungestraft über das Gesetz stellen kann. Das wird nicht der letzte Schlag gewesen sein.“

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bewertet die Lage ähnlich: „Wo immer es Ansatzpunkte für Maßnahmen gegen Rockerbanden in den Ländern gibt, handeln die Innenminister der Länder konsequent. Mit jeder einzelnen Maßnahme schwächen wir die kriminellen Rockerbanden auch insgesamt.“

Rockerclubs vieler Bundesländer wurden in der jüngsten Vergangenheit Ziel von Polizeieinsätzen. Erst kürzlich waren in Berlin die berüchtigten Hells Angels Berlin City unter dem Türken Kadir P. verboten worden.

GdP: "Sumpf trockenlegen"

Laut Polizei ist die zeitliche Nähe zwischen diesem vor einer Woche vollstreckten Verbot und dem jetzigen Einsatz gegen die Bandidos weitgehend zufällig. Gleichwohl signalisiere sie, dass den gewaltgeneigten und kriminellen Rockergruppierungen mit aller Härte begegnet werde. „Insbesondere da, wo die Vereine ihre Strukturen zur Verdeckung von kriminellen Aktivitäten nutzen, müssen sie jederzeit mit Verfolgungsmaßnahmen rechnen“, hieß es in einer Presseerklärung.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt das konzertierte Vorgehen der Bundesländer gegen kriminelle Rockerbanden. „Es muss darum gehen, den Sumpf trockenzulegen“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. „Ich finde es gut, dass in den letzten Wochen der Fahndungs- und Ermittlungsdruck nochmals gestiegen ist.“ Die Ermittler müssten den Rockern „permanent auf den Füßen stehen“. Ihnen dürfe keine Möglichkeit gegeben werden, sich in irgendeiner Form zu präsentieren. Ein Verbot einzelner Ortsgruppen sei sinnvoll, dabei sei aber eine länderübergreifende Kooperation notwendig. Es müsse verhindert werden, dass sich Mitglieder verbotener Vereine einem Club in einem benachbarten Bundesland anschließen. Langfristiges Ziel ist für Witthaut ein bundesweites Verbot der Rockerclubs.

Bandidos Del Este laufen nun die Mitglieder weg

Die jetzt durchsuchten Bandidos Del Este dürften ohnehin bald keine Rolle mehr in der Hauptstadt und dem benachbarten Brandenburg spielen – am Donnerstag wurden sieben Mitglieder und ein Bandido aus Dänemark verhaftet, weitere fünf wurden festgenommen, nach Informationen Morgenpost Online sind am gleichen Tag aus Frust über die Polizeiaktion und das beschlagnahmte Geld elf Mitglieder ausgetreten. „Damit besteht der Club nur noch aus drei vollwertigen Mitgliedern“, so ein Ermittler. „Wenn die nicht von den Hells Angels aufgerieben werden wollen, sollten sie sich entweder auflösen oder zu den Feinden überlaufen.“

Erst kürzlich waren zwei Bandido-Gruppen zu den Hells Angels in Berlin beziehungsweise Potsdam gewechselt. Bei der Berliner Polizei wird vermutet, dass die Bandidos bald ganz aus dem Straßenbild verschwinden. Damit könnten die Hells Angels ihren Geschäften nachgehen, ohne Attacken der Gegner fürchten zu müssen. Ihre Macht und die von ihnen ausgehende Gefahr würden damit erheblich steigen.