Großeinsatz

GSG 9 bei Rocker-Razzia - Sieben Haftbefehle gegen Bandidos

1000 Beamte von GSG 9 und Polizei sind an einer Razzia bei der Rockergruppe Bandidos beteiligt. Es geht um Drogen, Waffen, Körperverletzung.

Polizeieinheiten aus Berlin und Brandenburg durchsuchen seit den frühen Morgenstunden Klubräume und Privatwohnungen von Mitgliedern des Rockergruppe Bandidos del Este im brandenburgischen Hennigsdorf (Oberhavel), nordwestlich von Berlin. Das berichtet die Berliner Morgenpost. Bei der Aktion in Berlin und Brandenburg ist unter anderem die Spezialeinheit GSG 9 im Einsatz. Mehr als 70 Wohnungen und Räume werden seit 5 Uhr durchsucht, beteiligt sind rund 1000 Polizeibeamte. Auch Spürhunde wurden eingesetzt, die im Klubhaus nach Drogen suchen sollten. Die Aktion soll laut Polizei noch den ganzen Vormittag andauern.

Über dem Vereinsheim der Bandidos an der Neuendorfstraße kreiste ein Helikopter der Polizei, Blendgranaten kamen bei der Erstürmung des Gebäudes zum Einsatz. Beamte der GSG 9 legten Leitern an der Fassade an und drangen dann in das Klubhaus ein. Dort wurden laut Polizei elf Personen angetroffen - darunter auch der Präsident der Bandidos del Este, Thorsten S. - gegen die aber kein Haftbefehl bestanden habe.

Sechs Männer und vier Frauen wurden festgenommen, unter ihnen auch Thorsten S., wie die Berliner Morgenpost erfuhr. Er soll zur Überprüfung seiner Personalien in Handschellen abgeführt worden sein, wie ein Zeuge berichtete. Das sei bei als gefährlich eingeschätzten Personen nicht unüblich, sagte ein Polizeisprecher. Insgesamt sieben Haftbefehle wurden - unter anderem wegen Drogenhandels - vollstreckt. Bei den Durchsuchungen wurde auch ein aggressiver Hund erschossen, als er einen Beamten anfiel.

Hintergrund der Polizeiaktion ist nach Informationen der Berliner Morgenpost ein seit geraumer Zeit laufendes Ermittlungsverfahren gegen die Rockergruppe. Den Mitgliedern der Gruppe unter Thorsten S. wird unter anderem illegaler Handel mit dem Schmerzmittel Tilidin sowie mit Kokain, Marihuana und Amphetaminen vorgeworfen. Der schmerzstillende, verschreibungspflichtige Wirkstoff, der in der Krebstherapie eingesetzt wird, wird illegal als Droge konsumiert. Tilidin unterdrückt Schmerzen sowie Angstgefühle und kann bei hoher Dosierung aggressiv machen. Kriminelle nutzen das Mittel mitunter, um sich vor einer Straftat aufzuputschen. "Es geht hier um den Nachweis des Drogenhandels durch Mitglieder der Rockergruppierung", sagte ein Sprecher der Polizei.

Ferner geht es nach Informationen der Berliner Morgenpost auch um Körperverletzungsdelikte; auch wird vermutet, dass die Rocker Schusswaffen besitzen und möglicherweise mit Waffen handeln – weshalb auch Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) an dem Einsatz beteiligt sind.

Der Berliner Polizeisprecher Stefan Redlich zum Einsatz:

Scheinhinrichtung inszeniert

Der Präsident des Rocker-Klubs, Thorsten S., ist ein ehemaliger Polizist. S. wurde wegen seiner Beteiligung an dem Überfall auf einen prominenten Manager im September 1997 zu sieben Jahren Haft verurteilt. S. und ein Komplize – ebenfalls ein Polizist - hatten sich als Beamte zu erkennen gegeben und sich so Zutritt zu der Dahlemer Villa des Managers zu verschafft. Anschließend hatten sie ihn und seine Ehefrau mit Reizgas angegriffen, dann überwältigt. Sie fesselten die Eheleute sowie die im Haus anwesenden sieben- und neunjährigen Enkelkinder, raubten Bargeld und Schmuck und flüchteten.

Strafschärfend für S. hatte sich sein brutales Vorgehen ausgewirkt. Er hatte eine Scheinhinrichtung des Managers inszeniert, um seinen Forderungen nach Herausgabe von Wertgegenständen Nachdruck zu verleihen.

Als ehemaliger Polizeibeamter – der zur Zeit des Überfalls bereits vom Dienst suspendiert war – gilt Thorsten S. als in der Berliner Polizei gut vernetzt und kenntnisreich.

„Wir haben uns bundesweit dazu entschlossen, den Rockern jegliche Grundlage für die Entfaltung ihrer Geschäfte zu entziehen“, sagte ein ranghoher Polizeiführer. „Das erfahren nicht nur die Hells Angels unter Kadir P., sondern jetzt auch die Bandidos.“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit 2011 gegen das so genannte Chapter Bandidos del Este. Ein Verbot gegen die Bandidos Del Este werde aber nicht ausgesprochen, sagte ein Polizeisprecher. Er betonte, dass der Einsatz bereits seit mehr als einem Monat geplant sei und nicht im Zusammenhang mit Durchsuchungen und „dem Verbot eines anderen Rockerclubs“ stehe. Bereits Ende Mai war die Polizei in Berlin und Brandenburg gegen die mit den Bandidos verfeindeten Hells Angels vorgegangen, die in Berlin von Innensenator Frank Henkel (CDU) zudem verboten wurden.

Wegen eines „Maulwurfs“ war die Berliner Ortsgruppe der Hells Angels aber vorgewarnt. Sie löste sich vor der Razzia selbst auf und brachte Vermögen vor dem Zugriff in Sicherheit. Die Polizei ermittelt in den eigenen Reihen wegen Geheimnisverrats.

Die mit dem Verbot verbundene Razzia in 30 Wohnungen und drei Lokalen blieb daher ohne große Erfolge. Die Beamten stellten acht Motorräder, verschiedene Hieb- und Stichwaffen und Mobiliar sicher.

In Potsdam wurde erst am Dienstagabend ein Vereinsheim der Hells Angels durchsucht. Dort war es die zweite Razzia binnen weniger Tage. Unter anderem wurden eine Machete, vier Einhandmesser und Pfefferspray beschlagnahmt.

Mit BMO