Der unter Mordverdacht stehende kanadische Pornodarsteller Luka Rocco Magnotta darf in Berlin weiter festgehalten werden. Ein Richter habe ihm am Dienstag eine sogenannte Festhalteanordnung verkündet, wie ein Polizeisprecher sagte. Zunächst war der Mann in einer Gefangenensammelstelle im Stadtteil Tempelhof-Schöneberg untergebracht. Später wurde er in die Untersuchungshaftanstalt Moabit verlegt.
Der am Montag in Berlin festgenommene Kanadier wird verdächtigt, einen chinesischen Studenten getötet und zerstückelt, die Tat gefilmt und das Video ins Internet gestellt zu haben. Teile der Leiche soll er an politische Parteien in Kanada geschickt haben. Laut Polizei hat sich Magnotta nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft wollte ebenfalls am Dienstag beim Kammergericht einen Auslieferungshaftbefehl erwirken. Hintergrund ist ein Rechtshilfegesuch Kanadas. Magnotta habe nichts gegen eine Auslieferung einzuwenden, wie Morgenpost Online aus Sicherheitskreisen erfuhr.
Magnotta war mit internationalem Haftbefehl gesucht und am Montag in einem Internetcafé in Berlin gestellt worden.
Kanada will nach Medienberichten sofort die Auslieferung Magnottas beantragen. Das könne allerdings Jahre dauern, sagte Rechtsexperte Gary Botting der Zeitung „Toronto Star“ mit Blick auf den Fall Karlheinz Schreiber. Der Auslieferung des Waffenhändlers nach Deutschland im Jahr 2009 war ein fünfjähriges juristisches Tauziehen vorausgegangen.
Auch die Berliner Staatsanwaltschaft sprach von einem rechtlich komplizierten Fall. Ein Polizeisprecher sagte, der von Interpol erlassene Haftbefehl liege beim Landeskriminalamt vor. Ob Zielfahnder in Berlin im Einsatz waren, um den Mann zu fassen, war zunächst nicht bekannt. Diese Experten heften sich auf die Spur von Flüchtigen. Der Mann war am Montag in einem Internetcafé festgenommen worden, nachdem ihn ein Angestellter erkannt hatte.
dpa/bee

