Eine Mutter von zwei Kindern hat am Montag vor dem Berliner Landgericht die Tötung ihres Neugeborenen gestanden. Die 25 Jahre alte Auszubildende muss sich wegen Totschlags verantworten.
Im November 2011 erstickte Madeleine J. den Säugling unmittelbar nach der Geburt. Sie gab zu, ihm den Mund zugehalten zu haben, um ihn am Schreien zu hindern. Eine Tötungsabsicht bestritt sie jedoch. Das tote Kind warf die Mutter später in eine Mülltonne im Berliner Ortsteil Buch.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie ihr drittes Kind tötete, um die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten nicht zu gefährden. „Sie hatte panische Angst davor, von dem Lebensgefährten verlassen zu werden“, sagte der Staatsanwalt am Rande des Verfahrens.
Eine vorsätzliche Tötung bestritt die Frau vor Gericht. Bereits nach dem zweiten Kind habe ihr Lebenspartner damit gedroht, sie zu verlassen, wenn sie noch einmal schwanger werde, sagte die Angeklagte. Eigentlich habe sie anonym in einem Krankenhaus entbinden und den Jungen zur Adoption freigeben wollen, sagte die Mutter. Als am Abend des 29. November 2011 die Wehen einsetzten, sei sie in Panik geraten.
Schwangerschaft verheimlicht
Dass sie erneut ein Kind erwartete, hatte die Angeklagte eigenen Angaben nach erst drei Monate vor der Geburt bemerkt. Sie habe dann die Schwangerschaft verheimlicht aus Angst, verlassen zu werden.
Im Bad der Pankower Wohnung hatte sie dann heimlich das Baby zur Welt gebracht. Vor Gericht beschrieb die zweifache Mutter, wie sie dem Neugeborenen das Kinn nach oben drückte und den Mund zuhielt, damit es nicht schreit. Erst später habe sie bemerkt, dass der Säugling tot sei, sagte sie. „Ich wollte so was nicht tun.“
Als sie sich ins Badezimmer zurückzog, habe ihr Partner im Wohnzimmer vor dem Fernseher gesessen. „Ich dachte, er ist wach“, schilderte die Angeklagte mit leiser Stimme. Sie habe sich deshalb nicht getraut, in eine Klinik zu fahren. Nach der Geburt habe sie festgestellt, dass der Vater des Kindes schlief. „Ich war entsetzt, ich hätte gehen können, es hätte alles nicht passieren müssen.“ Als das Baby reglos auf einem Handtuch lag, habe sie das Badzimmer geputzt und den Säugling in einen Müllsack gelegt, den sie am frühen Morgen in einen Müllcontainer warf.
Das Paar lebte seit 2005 zusammen. Der Mann wollte nach längerer Arbeitslosigkeit das Abitur nachholen, die Frau hatte einen Monat vor der Tat ihre Ausbildung zur Bürokauffrau fortgesetzt. Zumeist habe sie sich allein um die damals knapp ein- und dreijährigen Söhne gekümmert, sagte die Angeklagte. Sie habe die erneute Schwangerschaft im August 2011 bemerkt. Eine Ärztin habe festgestellt, dass sie bereits in der 38. Woche war. „Ich wollte unbedingt verhindern, dass mein Lebensgefährte davon erfährt.“ Er habe ihr für den Fall einer weiteren Schwangerschaft angedroht, sie zu verlassen.
Nach dem Tod des Kindes habe sie „funktioniert wie ein Autopilot“, sagte die seit Ende November 2011 inhaftierte Mutter. Sie erfand am nächsten Morgen gegenüber ihrer Ärztin eine Hebamme und Kontakte zur Adoptionsstelle. „Ich kam aus dem Tunnel nicht mehr raus.“ Als ihre Ärztin nach dem Baby sehen wollte, verstrickte sich die Mutter in Widersprüche.
Am 30. November 2011 fanden Polizisten das Neugeborene in einem Müllcontainer. Die anderen Kinder der Angeklagten leben derzeit bei ihrem Vater.
Der Prozess wird fortgesetzt.
dapd/dpa/bee/sei







