Das Bau-Chaos im öffentlichen Nahverkehr Berlins nimmt kein Ende. Nach mehreren, teils mehrwöchigen Sperrungen auf dem S-Bahn-Ring und auf U-Bahn-Linie 2 wird nun auch noch der Zugverkehr auf der U1 für acht Wochen unterbrochen.

Wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestätigten, fahren vom Betriebsbeginn am kommenden Montag an bis zum 8. Juni keine Züge mehr zwischen den Stationen Möckernbrücke und Wittenbergplatz. Grund sind dringende Arbeiten an Brücken und Bahnsteigen am mehr als 100 Jahre alten U-Bahnhof Gleisdreieck.

Die zur Umfahrung der Baustelle gern empfohlene U2 dürfte dann für viele Fahrgäste nur bedingt eine Alternative sein. Denn auch diese Linie bleibt zwischen Mohrenstraße und Potsdamer Platz unterbrochen. Die Fahrgäste müssen in Busse umsteigen.

Die BVG hat wenig Spielraum

Am Leipziger Platz war vor Ostern Grundwasser in eine Baugrube für ein neues Einkaufszentrum eingedrungen. Nach Angaben der privaten Bauherren, die den Komplex auf dem historischen Wertheim-Areal errichten, hat zwar ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten ergeben, dass der U-Bahn-Schacht nicht wie befürchtet durch das Wasser beschädigt oder unterspült wurde.

Doch solange Behörden das Ergebnis nicht bestätigen und eine Strecken-Freigabe erteilen, kann die BVG den Zugverkehr nicht wieder aufnehmen. „Entscheidend für uns ist, was die technische Aufsichtsbehörde sagt. Und da liegt uns noch keine Aussage vor“, sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak.

Eine zeitliche Verschiebung der Bauarbeiten auf der U1 lehnt die BVG ab. „Die Arbeiten sind seit Langem geplant und werden zudem von Fremdfirmen ausgeführt. Verschieben wir das Projekt, kämen nicht unerhebliche Vertragsstrafen auf uns zu“, sagte Wazlak.

Viel Spielraum hat die BVG ohnehin nicht, denn am 1. Juli beginnt schon die nächste große Streckensperrung in der Innenstadt. Dann wird der Zugverkehr auf der U6 zwischen Friedrichstraße und Französischer Straße für voraussichtlich 18 Monate eingestellt.

Grund dafür ist der von der BVG geplante Bau eines neuen U-Bahnhofs unter der Kreuzung Unter den Linden und Friedrichstraße, unter der einmal die verlängerte Linie U5 entlangführen soll. „Unser Ziel ist, dass bis zu dieser Sperrung alle anderen größeren Arbeiten im Umfeld abgeschlossen sind“, so der BVG-Sprecher.

Keine Unterspülung festgestellt

Ungeachtet der noch ausstehenden Strecken-Freigabe für die U2 ist die „Arbeitsgemeinschaft Leipziger Platz 12“ erleichtert über das Ergebnis der Untersuchung zum Wassereinbruch. „Der Gutachter hat keine Unterspülung oder Beschädigung des U-Bahn-Tunnels festgestellt“, sagte Projektleiter Andreas Fettchenhauer.

Dennoch werde jetzt „präventiv“ ein Zementgemisch unter den U-Bahn-Schacht verpresst, um den Untergrund in diesem Bereich zu verfestigen. Zugleich wurden am Montag die Arbeiten für das Einkaufscenter wieder aufgenommen.