Die Identifizierung des Opfers war für die Polizei nicht leicht. Am 7. Juli vergangenen Jahres wurde zunächst der Torso eines Mannes aus der Spree in Oberschöneweide geborgen. Zwei Tage später fanden die Ermittler unter der Treskowbrücke Arme und Beine. Zuletzt wurde der Kopf am Schäfersee in Reinickendorf entdeckt. Aufgrund der markanten Tätowierungen konnte der Leichnam schließlich identifiziert werden.
Bei dem Opfer handelt es sich um den 31-jährigen Österreicher Raoul S. Der Tätowierer war Anfang 2011 nach Berlin gekommen und hatte hier in verschiedenen Tattoo-Studios gearbeitet.
Neun Monate nach der Tat beginnt am 16. April im Landgericht Berlin der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder. Angeklagt ist der 30-jährige James S. Der US-Amerikaner soll ebenfalls erst ein halbes Jahr in Berlin gelebt und sich seinen Lebensunterhalt als Tätowierer verdient haben.
Die Staatsanwaltschaft wirft James S. Mord aus Grausamkeit vor. Das Verbrechen soll sich in der Nacht vom 5. zum 6. Juli vergangenen Jahres in der Wohnung der Freundin des Angeklagten in Oberschöneweide abgespielt haben.
Der Anklage nach war es zu einem Streit zwischen den beiden Männern gekommen. Dabei soll James S. dem Österreicher erst einige Faustschläge versetzt und dann mit dem Beil zugeschlagen haben.
Gesicht gespalten, um zu quälen
Um seinem Opfer „Qualen zu zufügen“, soll er dem Tätowierer mit einem Hieb das Gesicht vom Kinn bis zur Nase gespalten haben. Danach habe der 30-Jährige noch weitere Male mit dem Beil auf den Kopf des Opfers eingeschlagen, heißt es. Einem Gutachten zufolge starb der Tätowierer an innerem Verbluten.
Beim Zerstückeln der Leiche soll der Angeklagte Hilfe gehabt haben. Gemeinsam mit seiner deutschen Freundin Lara S., die laut Anklage die Tat beobachtet hatte, soll er in einer Badewanne Arme, Beine und Kopf des Toten abgetrennt und in verschiedenen Rollkoffern verstaut haben.
Während der Amerikaner Torso, Arme und Beine in der Spree versenkte, soll seine Freundin den in einem Rucksack verstauten Kopf einige Tage später auf dem Weg zur Berufsschule im Reinickendorfer Schäfersee „entsorgt“ haben.
Wegen Strafvereitelung sitzt Lara S. von der nächsten Woche an mit auf der Anklagebank. Die 22-jährige Auszubildende soll nach der Bluttat ihre Wohnung akribisch gesäubert haben, sodass Blutspuren mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen waren.
Wegen Gewalttat in USA vorbestraft
Die 22-Jährige ist bisher nicht vorbestraft und inzwischen wieder auf freiem Fuß. Ihr amerikanischer Freund sitzt seit neun Monaten in Untersuchungshaft. Nach Angaben eines Justizsprechers soll er in den USA wegen Gewaltdelikten mehrfach „polizeilich in Erscheinung getreten sein“ und wegen Körperverletzung bereits fünf Jahre im Gefängnis gesessen haben.
Ein anonymer Hinweis brachte die Polizei auf die Spur des Angeklagten. In seinen Vernehmungen hatte sich James S. dann zunehmend in Widersprüche verstrickt. Später gab der 30-Jährige zu, mit dem Österreicher in Streit geraten zu sein und ihn mit „Faustschlägen getötet zu haben“, sagte ein Justizsprecher. Am 19. Juli 2011 wurde er verhaftet. Seine Freundin hatte gegenüber der Polizei nur eingeräumt, den Kopf der Leiche weggebracht zu haben. Für das Verfahren gegen das Pärchen hat das Landgericht Berlin insgesamt vier Verhandlungstage bis zum 26. April eingeplant.
dapd/mim




