Das umstrittene Kulturprojekt Guggenheim Lab kommt trotz der Absage an den ursprünglich geplanten Standort doch nach Berlin. Die amerikanische Guggenheim Stiftung teilte am Dienstag mit, das Forschungslabor werde nun in dem ehemaligen Fabrikgelände Pfefferberg im Stadtteil Prenzlauer Berg untergebracht. Start soll allerdings erst am 15. Juni sein - drei Wochen später als bisher geplant. Ursprünglich war ein Zeitraum vom 24. Mai bis zum 29. Juli geplant gewesen. Die Macher sicherten zu, dass alle Gebäudeteile Veranstaltungen frei zugänglich sein sollen.
Wegen Protesten von Anwohnern und Gewaltandrohungen hatten sich die Veranstalter vor zwei Wochen gegen den ursprünglichen Standort in Kreuzberg entschieden. In dem Labor sollen Fragen zur urbanen Zukunft diskutiert werden.
Wowereit begrüßt Entscheidung
"Wir freuen uns sehr darauf, das BMW Guggenheim Lab in der großartigen Stadt Berlin fortzuführen“, erklärte Stiftungsdirektor Richard Armstrong. Wegen Protesten von Anwohnern und Gewaltdrohungen hatten sich die Veranstalter vor zwei Wochen gegen den ursprünglichen Standort im Szenekiez Kreuzberg entschieden. In dem Labor, das durch mehrere Megastädte zieht, sollen Fragen zur urbanen Zukunft diskutiert werden.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit begrüßte die Entscheidung. „Das Projekt passt zu Berlin als einer offenen, kreativen und toleranten Metropole“, sagt der SPD-Politiker. Zugleich rief er zum Einsatz gegen Intoleranz auf: „Wir müssen gemeinsam denjenigen entgegengetreten, die Veränderung und Entwicklung generell ablehnen und sich obendrein noch selbst zu Schiedsrichtern aufschwingen wollen, was diskutiert werden darf und was nicht.“
„Das Lab kann nur durch die Mitwirkung und Teilnahme von Menschen unterschiedlichster Standpunkte gelingen“, sagte Armstrong. „In diesem Sinne hat das Berliner Lab bereits begonnen.“ Das Kulturzentrum am Pfefferberg, ein 1990 ins Leben gerufenes Projekt mit Ateliers, Galerien und Restaurants, war im vergangenen Jahr schon einmal als Standort angekündigt worden, schied aber dann für das größere Grundstück in Kreuzberg aus. Jetzt sollen zusätzlich zu den Aktivitäten am Pfefferberg auch „eine Vielfalt an Projekten“ in anderen Stadtteilen initiiert werden, kündigte Guggenheim an.
Gegen den Standort Kreuzberg hatte es Drohbriefe per Fax gegeben, im Internet wurde Stimmung gegen das Vorhaben gemacht. Vor allem konservative Politiker beschuldigten die linke Szene. Seit Jahren gibt es in dem Viertel die Sorge, dass angestammte Mieter durch die Aufwertung des Stadtteils aus der Gegend vertrieben zu werden. Die Polizei hatte angekündigt, einen möglichen neuen Standort zu schützen.
Das Laboratorium, eine 30 Meter lange Leichtbauhalle, soll nun vom 15. Juni bis 29. Juli in Berlin Station machen. Im vergangenen Jahr war das von BMW unterstützte Lab schon in New York, im Anschluss geht es nach Mumbai. Insgesamt sind bei dem Großprojekt weltweit neun Etappen bis zum Jahr 2016 geplant.
Standort galt als sicher
Es galt bereits als sicher, dass das BMW Guggenheim Lab auf dem Pfefferberg-Gelände in Prenzlauer Berg aufgebaut wird. Nach Informationen von Morgenpost Online waren Projektmitarbeiter von Guggenheim bereits Anfang dieser Woche auf dem Gelände an der Schönhauser Allee.
Techniker haben dort die ausgewählte Fläche ausgemessen und Gespräche mit Anliegern auf dem Kulturareal geführt. Außerdem existieren nach Informationen von Morgenpost Online bereits detaillierte Planungen für den Aufbau des Labs und die technischen Rahmenbedingungen wie Strom- und Wasserversorgung.
Diese Unterlagen wurden von November 2011 bis Januar 2012 ausgearbeitet, als der Pfefferberg schon einmal als Standort ausgewählt worden war – bevor die Projektleitung doch den nun abgesagten Standort in Kreuzberg favorisiert hat.
Man habe die alten Planungen nicht weggeworfen, hieß es vom Pfefferberg. „Wir müssen sie nur aus der Schublade ziehen.“ Das Lab soll auf einem etwa 1200 Quadratmeter großen, bislang unbebauten Hof aufgestellt werden.
Für Guggenheim war auch nicht mehr viel Zeit für die Standortentscheidung geblieben. Denn der Ablaufplan für die urbane Ideenschmiede steht fest. Sie soll vom 24. Mai bis 29. Juli in Berlin aufgebaut sein und dann weiter in die indische Stadt Mumbai ziehen.
Das Guggenheim-Projekt wird bei den Gegnern in Kreuzberg als „Provokation“ angesehen. Sie befürchteten durch solche Veranstaltungen die weitere Verdrängung von Familien wegen steigender Mieten. Zugleich wird BMW unter anderem vorgeworfen, während des NS-Regimes Zwangsarbeiter ausgebeutet zu haben.




