Rund vier Monate nach der ersten Abmahnung im Verfahren wegen missbräuchlich überhöhter Trinkwasserpreise hat das Bundeskartellamt die Berliner Wasserbetriebe (BWB) erneut gerügt.

Die Preise sollen demnach bereits im laufenden Jahr deutlich reduziert werden, weitere Absenkungen sind für 2013 bis 2015 gefordert. Mit einer schnellen Umsetzung ist aber offenbar nicht zu rechnen, weil das Unternehmen zunächst bis Ende April Gelegenheit zur Stellungnahme hat. Außerdem läuft eine Klage vor Gericht.

Erstmals waren die 1999 teilprivatisierten Wasserbetriebe im Dezember vom Bundeskartellamt abgemahnt worden. Der damaligen Stellungnahme der BWB seien umfangreiche Nachermittlungen gefolgt, teilte die Behörde am Montag mit.

Das Bundeskartellamt kommt nach eigenen Angaben jetzt zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die abgabenbereinigten Wasserpreise in Berlin 2012 durchschnittlich um 21 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 reduziert werden müssen und 2013 bis 2015 um durchschnittlich 20 Prozent.

Die wasserbetriebe sollten damit für die nächsten vier Jahre zu einer Erlösabsenkung von insgesamt etwa 292 Millionen Euro verpflichtet werden. Dieser Betrag kommt den Berliner Wasserkunden laut Kartellbehörde unmittelbar zugute.

Die Berliner Wasserpreise waren in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen und gehören inzwischen zu den höchsten in deutschen Großstädten. Den Hauptgrund sehen Kritiker in dem Teilverkauf an RWE und Veolia, die zusammen 49,9 Prozent der Anteile halten.

dapd/mim