Grünen-Studie

Berlin und Brandenburg kommen ohne Kohle aus

Die Region könnte nach den Ergebnissen einer von den Grünen in Auftrag gegebenen Studie bis 2030 komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Dafür müssten aber die Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden.

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Die Grünen sehen sich bestätigt: Nach einer Studie in ihrem Auftrag könnte die Region Berlin-Brandenburg spätestens im Jahr 2030 ihren gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energiequellen decken. Dazu müssten aber die Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden.

In einem Zwischenschritt könnten 2020 zunächst 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen stammen, sagte Professor Jochen Twele vom Reiner-Lemoine-Institut am Donnerstag in Potsdam.

Die Forschungseinrichtung für erneuerbaren Energien hatte im Auftrag der Grünen-Fraktionen beider Länder Szenarien sowohl für die Strom- als auch die Wärmeversorgung berechnet.

Veröffentlicht wurde zunächst die Teilstudie zum Strom. Daraus geht hervor, dass die Umstellung auf erneuerbaren Energien sowohl technisch als auch finanziell machbar ist.

Der Studie zufolge werden für eine 100-prozentige Stromversorgung der Hauptstadtregion aus erneuerbaren Energien knapp zwölf Gigawatt Wind- und sechs Gigawatt Photovoltaikleistung gebraucht.

Zudem ist eine Speicherkapazität von 800 Gigawattstunden nötig. Twele forderte, dazu müsse in Speichertechnologien investiert werden.

Der weitere Betrieb von Braunkohlekraftwerken sei bei der Umstellung auf erneuerbaren Energien „wirtschaftlich nicht realisierbar und ökologisch kontraproduktiv“, heißt es in der Studie.

Laut Twele können mit Braunkohlekraftwerken aufgrund ihrer Trägheit nicht die Schwankungen bei den erneuerbaren Energien ausgeglichen werden. Gefragt seien flexible Anlagen wie Erdgaskraftwerke.

Strom würde nicht teurer werden

Laut Twele könnten die Kosten für die Stromerzeugung bei elf Cent je Kilowattstunde liegen. Das sei nicht mehr als bei konventionellem Strom. Werde die Stromversorgung dezentral organisiert, könnten die Kosten sogar sinken. Denn dann müsse nicht so viel Geld in den Netzausbau investiert werden.

Der Studie liegt die Annahme zugrunde, dass der Stromverbrauch um 20 Prozent gesenkt wird. Das habe sich die Landesregierung in ihrer Energiestrategie ohnehin vorgenommen, sagte Twele.

Der Energieexperte der brandenburgischen Grünen-Fraktion, Michael Jungclaus, sagte: „Die Braunkohle ist - anders als die rot-rote Landesregierung behauptet - keine Brückentechnologie für die nächsten Jahrzehnte, sondern bremst den Ausbau der erneuerbaren Energien.“

Ziel müsse deshalb der schnellstmögliche Ausstieg aus der Kohle sein. Der Schlüssel für die Zukunft seien Speichertechnologien. Außerdem müsse in der Bevölkerung Akzeptanz für Windräder und Solaranlagen geschaffen werden.

Der Energieexperte der Berliner Grünen-Fraktion, Michael Schäfer, bezeichnete es als „lächerlich“, dass Berlin seinen Strombedarf derzeit nicht einmal zu zwei Prozent aus erneuerbaren Energien decke. Aus seiner Sicht könne das letzte Berliner Braunkohlekraftwerk Klingenberg bis 2016 abgeschaltet werden. Riesige Reserven sieht Schäfer in der Hauptstadt bei der Nutzung von Dächern als Solarflächen.