Martin Lindner wurde am Freitagabend mit 78 Prozent an die Spitze der Hauptstadt-Liberalen gewählt. Der 47 Jahre alte Jurist erhielt 263 Ja- und 63 Nein-Stimmen, es gab 11 Enthaltungen. Lindner folgt Christoph Meyer (36), der nach der verheerenden Wahlniederlage der FDP bei der Berliner Wahl 2011 nicht mehr kandidierte.

An Selbstbewusstsein und kämpferischer Attitüde hat es Martin Lindner noch nie gemangelt. Er ist überzeugt davon, dass die Berliner FDP unter seiner Führung 2016 ins Abgeordnetenhaus zurückkehren wird. Im Herbst 2011 war sie mit desaströsen 1,8 Prozent aus dem Landesparlament ausgeschieden. Der Bundestagsabgeordnete zweifelt nicht an seinem Erfolg als neuer Berliner FDP-Chef.

Der gebürtige Bayer setzt bei seinem Vorhaben „Wiederaufbau der Hauptstadt-FDP“ auch auf seine Bekanntheit und sein rhetorisches Talent. Als langjähriger FDP-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus (2002 bis 2009) galt der Jurist mit seinen scharfzüngigen Attacken auf den rot-roten Senat als eigentlicher Oppositionsführer. Doch mit seiner aggressiven Art und oft polemischen Formulierungen polarisiert Lindner auch sehr stark.

Selbst unter manchen Parteikollegen gilt er als rücksichtslos, wenn es um die eigene Karriere geht. So verdankt Lindner seinen Einzug 2009 in den Bundestag einer Kampfkandidatur gegen den Abgeordneten und damaligen Berliner FDP-Vorsitzenden Markus Löning, die er klar für sich entschied. Viele sahen darin eine Revanche Lindners für seine Niederlage ein Jahr zuvor. Damals war er knapp dem eher stillen Löning bei der Kandidatur um den FDP-Vorsitz unterlegen.

Im Eifer des Gefechts schießt Lindner manches Mal übers Ziel hinaus. So distanzierte sich die Bundes-FDP von ihm, als er im Bundestagswahlkampf 2009 eine Kürzung der Hartz-IV-Sätze um 30 Prozent vorschlug. Deutlich zurückgepfiffen wurde der frischgebackene Fraktions-Vize auch, als er 2011 beim Parteitag in Rostock einen Antrag zur Zukunft von Guido Westerwelle als Außenminister stellen wollte, als dessen Ablösung als FDP-Chef schon feststand.

Der nach einer zweiten Heirat inzwischen sechsfache Vater wurde bei München geboren. Lindner studierte Jura in München und promovierte an der dortigen Bundeswehrhochschule. Seit 1996 arbeitete er als Rechtsanwalt in Berlin. 2001 wurde er ins Abgeordnetenhaus gewählt, wo er 2002 die Führung der Fraktion vom damaligen FDP-Spitzenkandidaten Günter Rexrodt übernahm. 2009 wechselte Lindner in den Bundestag. Auch dort machte er schnell Karriere. Seit Mai 2011 ist er Fraktionsvize und wirtschaftspolitischer Sprecher.

dapd/nbo