Die Proteste gegen den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld reißen nicht ab. Mehrere tausende Menschen haben am Sonnabend in Berlin erneut gegen den Standort am Stadtrand Berlins demonstriert und die Neuplanung eines Großflughafens im brandenburgischen Sperenberg gefordert. Schönefeld dürfe nur so lange Berechtigung haben, bis der Flugbetrieb am früheren Militärflughafen aufgenommen wird, wie der Ehrenvorsitzende des Bürgervereins Brandenburg-Berlin, Ferdi Breidbach, sagte.
Allein aus gesundheitlichen Gründen für die Anwohner müsse Schönefeld aufgegeben werden. „Wir kämpfen nicht für den Erhalt von Bäumen und Parkanlagen, wir kämpfen für Menschenrechte“, betonte Breidbach.
Nach Ansicht des Mediziners Christoph Brodel kann dauerhafter Fluglärm zu Herzinfarkt führen und die Lesefähigkeit Heranwachsender beeinträchtigen. Zudem sei in Studien nach gewiesen worden, dass Feinstaub die Sterblichkeit bei Frühgeborenen erhöhe, sagte Brodel, der dem Arbeitskreis „Ärzte gegen Fluglärm“ angehört. Die Belastung durch Feinstaub an Flughäfen ist seiner Einschätzung nach in einem Umkreis von 50 Kilometern bedenklich.
„Nicht die Bundesregierung oder die Luftfahrtindustrie tragen letztlich die Kosten für Gesundheitsschäden, sondern der Steuerzahler“, ließ das Aktionsbündnis Berlin-Brandenburg als Veranstalter des Protestzuges während der Kundgebung über Lautsprecher wissen. Mit Trillern und Pfeifen zogen die Demonstranten von der Friedrichstraße in Mitte zum Gendarmenmarkt. Auf Transparenten forderten sie ein Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr und sichere Flugrouten, „denn jeder möchte schnell und sicher in den Urlaub fliegen“, war unter anderem zu lesen.
Erst Fünf Prozent der Haushalte gegen Lärm geschützt
Unterdessen befürchtet das „Bündnis Südost gegen Fluglärm“, dass bis zur geplanten Eröffnung des Hauptstadtflughafens am 3. Juni nicht alle betroffenen Haushalte gegen Fluglärm geschützt sind. Um den Zeitplan einzuhalten, müssten täglich 100 Haushalte nachgerüstet werden, erläuterte Christine Dorn von dem Bündnis. Die Landes- und Fraktionsvorsitzende der Märkischen Union, Saskia Ludwig, sprach von fünf Prozent der insgesamt 24.000 Haushalte mit Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen, die bislang entsprechend ausgestattet seien.
Dorn schloss nicht aus, dass Betroffene gegen die noch ausstehenden Schallschutzmaßnahmen rechtliche Schritt einleiten. Brandenburg brauche allerdings einen Großflughafen, unterstrich die CDU-Politikerin. Deshalb sei es wichtig, dass der geplante Eröffnungstermin eingehalten werde. „Allerdings müsse die Zukunft des Flughafens ohne Denkverbote geführt werden“, betonte Ludwig. Dazu gehöre auch die Prüfung des Standortes in Sperenberg.
Die Flughafengegner wollen indes einen langen Atem beweisen. Die nächste Demonstration ist für den 21. Februar in Berlin geplant.
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dapd/mim


