Protest

Tausende fordern in Berlin neue Agrarpolitik

Mit Kuhglocken und Trillerpfeifen gegen Gentechnik und für bessere Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft: Unter dem Motto „Wir haben es satt" haben am Sonnabend Tausende Menschen am Rande der Grünen Woche in Berlin für eine Neuausrichtung der Agrarpolitik demonstriert.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Tausende Menschen haben am Sonnabend in Berlin gegen die Agrarindustrie demonstriert. Mit Trillerpfeifen, Trommeln und Kuhglocken machten die nach Veranstalterschätzungen rund 23.000 Teilnehmer ihrem Ärger Luft. „Power to the Bauer“ stand auf einer Fahne, „Gentechnik nicht auf meinem Teller“ lautete der Spruch auf einem Banner.

Mehr als 90 Organisationen – Tier- und Umweltschützer, Landwirte und Entwicklungshelfer – hatten zu der Kundgebung aufgerufen. Anlässlich des Agrarministergipfels haben sie nach dem Motto „Wir haben es satt!“ auf die Risiken industrieller Lebensmittelproduktion aufmerksam gemacht.

Im kalten Schneeregen bot die Demonstration eine bunte Szenerie: Familien mit Kindern, aber auch ältere Menschen intonierten Sprechchöre wie „Massentierhaltung abschaffen“, „Exportdumping abschaffen“ und „Gentechnik abschaffen“. Begleitet wurden sie von mehreren dutzend Traktoren.

„Verbraucherschutz ungeAignert“ spottete ein Teilnehmer auf seinem Plakat in Anspielung auf Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). Auf einem Wagen wurde ein meterhohes Schwein mit der Aufschrift „Heute vegetarisch essen“ gezogen. Daneben lief eine Gruppe Berliner Veganer in Kuhkostümen mit Plakaten wie „Wir Tiere haben es auch satt“.

„Wir sind mehr als zufrieden“, sagte Mitorganisator Jochen Fritz. „Wir hätten nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet.“ Ursprünglich hätten sie mit etwa 10.000 Menschen gerechnet. „Ich denke, das Signal war deutlich. Wir hoffen natürlich, dass Frau Aigner langfristig unsere Forderungen ernst nimmt.“

Mit 60 Kollegen sei er in der Nacht angereist, sagt Kurt Kootz, Landesvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter aus Rheinland-Pfalz. „Weil wir einfach festgestellt haben, dass wir mit immer mehr Arbeit immer weniger verdienen und letztlich unsere Höfe verlieren werden.“ Er erhoffe sich von der Demonstration, dass bei der Politik das Signal ankomme, dass es so nicht weitergehe. Landwirtschaft müsse sich für die Bauern lohnen.

Imker Hermann Klepper aus Bergen im Wendland hält seine Bienen nach den Richtlinien des ökologisch ausgerichteten Netzwerkes Demeter. Er sei gekommen, um auf die negativen Einflüsse industrieller Landwirtschaft auf die Bienen aufmerksam zu machen. „Pflanzenspritzmittel beeinflussen die Bienenhaltung“, klagt er. Jahrelang sei das Sterben der Tiere ausschließlich auf Milbenbefall zurückgeführt worden. Die Gifte der Spritzmittel würden dagegen ignoriert.

Aufgrund der Demonstration sowie der Fashion Week und einer Demonstration von Fluglärm-Gegnern, die für den Nachmittag angekündigt ist, ist über mehrere Stunden in der Berliner Innenstadt mit massiven Verkehrsbehinderungen zu rechnen.