Das original erhaltene Büro von Ex-Stasi-Minister Erich Mielke ist seit Samstag wieder für Besucher geöffnet. Der Stasi-Unterlagen-Beauftragte Roland Jahn übergab das sanierte Haus 1 im früheren Ministerium für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg gemeinsam mit dem Aufarbeitungsverein ASTAK der Öffentlichkeit. Mit einem Bürgertag (bis 18 Uhr) unter dem Motto „Wissen wie es war“ wird an den Beginn der Aktenöffnung vor 20 Jahren erinnert. Auch frühere DDR-Bürgerrechtler wie Ulrike Poppe, Vera Lengsfeld und Reiner Eppelmann kamen. Schon wenige Minuten nach Öffnung stauten sich Interessierte vor dem Mielke-Schreibtisch.
Jahn sagte, gerade junge Menschen könnten an dem authentischen Ort sinnlich erfahren, wie die SED-Diktatur funktionierte. Von hier gingen die Befehle aus, mit denen die DDR-Bevölkerung unter Kontrolle gehalten werden sollte. Die bröckelnde Substanz von Haus 1 war mit elf Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II saniert worden.
Der Verein ASTAK hatte nach dem Mauerfall das Mobiliar aus dem Mielke-Zimmer gesichert und über Jahre in Haus 1 ein Stasi-Museum betrieben. Nun erarbeiten Stasi-Unterlagen-Behörde und ASTAK eine gemeinsame Dauerausstellung. Sie soll 2013 eröffnet werden.
Auf dem Programm standen auch Filme, Zeitzeugengespräche und eine Fragestunde mit dem Bundesbeauftragten sowie eine Diskussion mit Jahn und seinen Amtsvorgängern Marianne Birthler und Joachim Gauck. Der Tag erinnert auch an den 15. Januar 1990. Damals hatten aufgebrachte DDR-Bürger die Stasi-Zentrale gestürmt und säckeweise Unterlagen vor der Vernichtung gerettet. Sie besiegelten damit das endgültige Aus des Spitzelministeriums.
Die Stasi, die sich als „Schild und Schwert“ der herrschenden SED-Partei verstand, residierte Jahrzehnte an der Lichtenberger Normannenstraße – hermetisch abgeriegelt von der Öffentlichkeit – mit bis zu 7000 hauptamtlichen Stasi-Mitarbeitern.
Frühere Stasi-Zentrale in Berlin
Der Sitz des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit unter Chef Erich Mielke war in Berlin-Lichtenberg. In dem hermetisch abgeriegelten Komplex saß Mielke in Haus 1. Von hier aus sicherte die Stasi als „Schild und Schwert der Partei“ die Herrschaft der SED.
- Das 1960 gebaute Mielke-Haus wurde jetzt mit 11 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II saniert. Auch das original erhaltene Mielke-Büro kann nun wieder besichtigt werden.
- 2013 soll hier eine Dauerausstellung über das Wirken des Staatssicherheit eröffnet werden. Bis dahin ist eine Interims-Schau zu sehen. Auch Aufarbeitungsinitiativen und Opferverbände sitzen in Haus 1.
- Das riesige Archiv mit Millionen Aktenblättern, Fotos, Karteikarten und Tonbändern ist im Haus 8 auf dem mehr als 20 Hektar umfassenden Areal zu finden. In Berlin und den ostdeutschen Ländern blieben insgesamt rund 111 Regal-Kilometer Unterlagen erhalten.
- Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, will die frühere Stasi-Zentrale zu einem Campus der Demokratie entwickeln. Es soll verstärkte Bildungsangebote, Führungen und täglich geöffnete Häuser geben.
- Nach dem Mauerfall stürmten am 15. Januar 1990 aufgebrachte Bürger das Stasi-Ministerium und retteten massenhaft Unterlagen vor der Vernichtung.
- Zerrissene Stasi-Papiere lagern noch in rund 15 500 Säcken. Derzeit wird in einem Pilotprojekt die elektronische Zusammensetzung erprobt.
- Seit Gründung der Bundesbehörde wurden rund 2,8 Millionen Anträge von Bürgern auf Einsicht in Akten gestellt, die die Stasi über sie angelegt hat. Bis zu einer Auskunft vergehen maximal zwei Jahre.
- Die Stasi hatte gigantische Ausmaße: 91 000 hauptamtliche Mitarbeiter und 189 000 inoffizielle Spitzel. Allein im Ministerium an der Berliner Normannenstraße residierten bis zu 7000 Stasi-Leute.





