Die Berliner Feuerwehr mahnt in diesem Jahr zu besonderer Aufmerksamkeit beim Umgang mit Feuerwerkskörpern. Heraufgesetzte Obergrenzen für das Gewicht von Böllern sowie neuartige Silvesterbatterien mit schräg gestellten Abschussrampen erhöhten die Gefahr von Unfällen, sagte Landesbranddirektor Wilfried Gräfling am Donnerstag. Die Feuerwehr, aber auch die Polizei verstärken zum Jahreswechsel zeitweilig ihre Personaldecke.

„Vor allem die Fächerstellung in den neuen Silvesterbatterien bereitet uns große Sorgen“, sagte Gräfling. „Die einzelnen Geschosse fliegen schräg und können damit Fenster treffen.“ Wichtig sei daher eine sachgerechte Aufstellung, möglichst in der Straßenmitte. Auf engen Straßen und Gassen sei das Abbrennen dieser Batterien grundsätzlich problematisch.

Gräfling: Unbedingt Gebrauchsanleitung lesen

"Ich glaube, dass viele nicht wissen, was sie sich da gekauft haben“, ergänzte der Feuerwehrchef. Äußerlich weise an den Böller-Kisten nichts auf die Fächerstellung der Abschusskammern hin. Das sei „gefährlich“. Nur ein Studium der Gebrauchsanleitung ermögliche den sachgemäßen Umgang, sagte Gräfling. In jedem Fall sollte die Anleitung mit klarem Kopf gelesen werden.

Das gelte generell beim Umgang mit Böllern, betonte Gräfling. Durch die Angleichung an EU-Recht dürften in diesem Jahr erstmals Feuerwerkskörper mit einem Füllmenge von bis zu 500 Gramm Sprengstoff verwendet werden. Die bisherige Obergrenze lag bei 200 Gramm.

Den Angaben zufolge stehen in der Nacht mehr als 1.200 haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute bereit – das Doppelte im Vergleich zu regulären Diensten. Auf der zentralen Silvestermeile auf der Straße des 17. Juni würden zwei temporäre Wachen eingerichtet, sagte Gräfling. In der Silvesternacht 2010/2011 fuhr die Berliner Feuerwehr insgesamt 1.568 Einsätze.

Polizei und Bezirke kontrollieren Händler

Die Polizei verstärkt nach Angaben eines Sprechers ihre Streifen im Stadtgebiet. Dabei gehe es auch um die Einhaltung des Zeitfensters für die Knallerei: nur zwischen 18.00 Uhr am 31. Dezember bis 7.00 Uhr am 1. Januar dürften Böller und Raketen gezündet werden, hieß es. Die Feuerwerkskörper müssten allesamt das Prüfsiegel der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, BAM, tragen. „Hände weg von selbst gebasteltem Zeug oder von eingeführten Böllern“, sagte der Sprecher.

Die Polizei bat zugleich um Rücksichtnahme gegenüber Unbeteiligten. „Manche Bürger wollen den Jahreswechsel einfach nur in Ruhe verbringen“, sagte der Sprecher.

Bis zum Silvesterabend werde die Behörde mit Unterstützung der Bezirke „intensive Kontrollen“ bei Händlern vornehmen. Im Vorjahr seien während des Zeitraumes etwa 1.800 Verkaufsstellen geprüft worden. In der Folge wurden laut Polizei fünf Strafanzeigen gestellt. 20 Ordnungswidrigkeiten kamen zur Anzeige.

Auch der Krankenhauskonzern Vivantes ist auf Zusatzarbeit eingestellt. Für den 31. Dezember und den 1. Januar würden 500 Patienten mehr als an normalen Tagen erwartet, hieß es. In der vergangenen Silvesternacht hätten vier Prozent der eingelieferten Patienten Verletzungen durch Feuerwerkskörper erlitten. Das waren 84 Fälle, von denen 39 Prozent ein Knalltrauma und 42 Prozent Verbrennungen erlitten. Bei drei Patienten war ein Körperteil abgetrennt worden.

dapd/BMO/bee