Umstrittene Immobilienverkäufe

Günther Jauch kritisiert Potsdamer Stadtverwaltung

In die aktuelle Diskussion über umstrittene Immobilienverkäufe der Stadt Potsdam hat sich nun auch einer ihrer prominentesten Einwohner, der Fernsehmoderator Günther Jauch, eingeschaltet. In einem Brief an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wirft er diesem vor, ihm "keinen reinen Wein eingeschenkt zu haben".

Der Wahl-Potsdamer und Fernseh-Moderator Günther Jauch hat das Vorgehen Potsdams beim Verkauf städtischer Immobilien kritisiert. Die Privatisierung von Wohnungen im Jahr 2000 habe unter Bedingungen stattgefunden, „die nahelegen, dass außer Herrn Semmelhaack kein anderer beim Erwerb zum Zuge kommen sollte“, heißt es laut einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins „Stern“ in einem Schreiben Jauchs an Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Jauch bestätigte die Existenz des Briefes.

Einem früheren „Stern“-Bericht Bericht zufolge hatte die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba damals insgesamt 78 Objekte an den Investor Theodor Semmelhaack verkauft. Dabei sei ihm ein zehnprozentiger Abschlag gewährt worden. Das Rechnungsprüfungsamt sei damals Sturm gelaufen gegen diese Entscheidung.

Dieser Darstellung hatte Oberbürgermeister Jakobs widersprochen. Zudem hatte er darauf verwiesen, dass der Abschlag gewährt worden sei, weil die Stadt damit auch unattraktivere Immobilien im Paket verkaufen konnte.

Jauch teilte der Nachrichtenagentur dapd mit, er habe sich schon vor zwei Jahren „darüber gewundert, unter welch offensichtlich bemerkenswerten Umständen zur Jahrtausendwende Immobilien von der stätischen Wohnungsbaugesellschaft verkauft wurden“. Dazu habe er sich im August 2009 in einem Brief an Jakobs und den Chef des Unternehmensverbundes Pro Potsdam, Horst Müller-Zensius, gewandt.

Jauch erhebt Vorwürfe gegen Jakobs und Müller-Zensius

Bei einem anschließenden Treffen im Rathaus seien ihm seine Fragen größtenteils nicht beantwortet worden, fügte Jauch hinzu. Es sei ihm stattdessen deutlich gemacht worden, „dass der Verdacht, den ich durch meine Fragen aufkommen ließe, völlig absurd sei“. Nun bestätige sich, dass er völlig richtig gelegen habe. „Und das wussten die Beteiligten natürlich auch.“ Auf welchen konkreten Verdacht Jauch damals anspielte, ließ er offen.

Stadtsprecher Stefan Schulz bestätigte auf Anfrage, dass es ein Treffen zwischen Jauch, Jakobs und Müller-Zensius im Rathaus gegeben habe. Damals habe die Stadt den Eindruck gehabt, Jauch habe Verständnis gezeigt, sagte Schulz. „Wir sind über seinen Vorstoß überrascht.“ Eine Antwort auf Jauchs zweiten Brief sei bereits in Arbeit, fügte er hinzu. Darin werde dem Fernseh-Morderator auch ein weiteres Gespräch mit dem Oberbürgermeister angeboten.