An einer S-Bahnstrecke in Berlin ist ein weiterer Brandsatz gefunden worden. Ein Angestellter der Bahn habe am Dienstagvormittag zwei Flaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit in Grünau im Südosten Berlins entdeckt, sagte ein Bahnsprecher. Die mutmaßlichen Brandsätze seien auf einem Bahngelände am Grünauer Kreuz, sagte ein Polizeisprecher.
Kriminaltechniker untersuchten die Fundstelle. Wie ein Beamter der Berliner Polizei der „Bild“-Zeitung sagte, sollen es mehr als fünf Brandsätze sein, die offensichtlich nicht gezündet haben.
In den Flaschen sei die gleiche Flüssigkeit gewesen wie in den Behältern, die am Montag an Gleisen in der Nähe des Hauptbahnhofs sichergestellt wurden. Möglicherweise handelt es sich um Benzin. Der Zugverkehr wurde unterbrochen. Das Landeskriminalamt (LKA) übernahm die Ermittlungen. Bombenentschärfer seien zu der Fundstelle in der Nähe der Straßen Adlergestell und Drosselsteg unterwegs, sagte ein Polizeisprecher.
Am Montag war am Hauptbahnhof ein Brandsatz aus sieben Flaschen gefunden worden, außerdem wurde durch einen Brandanschlag westlich von Berlin Signaltechnik zerstört. Erhebliche Störungen des Bahnverkehrs sind seitdem die Folge.
Die zuständigen Polizeibehörden in Berlin und Brandenburg äußerten sich am Dienstagmorgen nicht zum Stand der Ermittlungen. Offenbar gibt es trotz eines Bekennerschreibens bisher keine konkreten Hinweise auf die Täter, die durch den Brandsatz bei Brieselang in einem Schacht Signalkabel zerstört hatten.
Ebenso ergebnislos gefahndet wird nach den Tätern, deren geplanter Brandanschlag am Montagvormittag am Berliner Hauptbahnhof vereitelt werden konnte. Dort richteten sieben Brandsätze keinen Schaden an. Sie konnten rechtzeitig entschärft werden, nachdem sie von einem Mitarbeiter der Bahn entdeckt worden waren.
In einem Bekennerschreiben zum Anschlag nordwestlich von Berlin protestiert eine linksextreme Gruppe im Internet gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan und fordert Freiheit für den inhaftierten US-Soldaten Bradley Manning, dem das US-Militär vorwirft, Interna an die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben.
Das Landeskriminalamt Brandenburg hält das Bekennerschreiben nach einer vorläufigen Bewertung für authentisch. Ähnlich äußerte sich auch Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) in der RBB-Abendschau am Montag. Nach Angaben der Bundespolizei gibt es auch Parallelen zwischen beiden Anschlägen. Die antimilitaristische Gruppe mit dem Namen Hekla, benannt nach einem isländischen Vulkan, schreibt darin von „Sabotagehandlungen an mehreren Kabelschächten“.
Die Bahn-Anlagen waren in Berlin bereits mehrfach das Ziel von Anschlägen. Morgenpost Online dokumentiert nachfolgend einige von ihnen.
1. November 2010: Ein Kabelbrand bei der Berliner S-Bahn und ein Anschlag auf ein Fahrzeug des Siemens-Konzerns sind offenbar auf Atomkraftgegner zurückzuführen. Ein „Kommando Sébastien Briard“ bekennt sich zu den Taten. Sébastien Briard war ein französischer Atomkraftgegner, der 2004 bei einer Demonstration gegen einen Castortransport überrollt wurde und ums Leben kam. Die Taten richten sich der Gruppe zufolge gegen die Atompolitik der Bundesregierung und der Energiekonzerne. In dem Bekennerschreiben heißt es: „Der flächendeckende Ausfall des Unternehmens Deutsche Bahn war geplant und sollte zeigen, dass die Profiteure der Atommafia kein ruhiges Hinterland haben.“
11. Februar 2011: Bei Oranienburg (Brandenburg) werden zwei Spreng- und Brandsätze in Kabelschächten gefunden und entschärft. Sie waren links und rechts der Gleise deponiert. Die Strecke war für einen Castor-Transport vorgesehen, mit dem hoch radioaktiver Abfall von Karlsruhe ins Zwischenlager Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) gebracht werden sollte.
23. Mai 2011: Ein Kabelbrand am S-Bahnhof Ostkreuz kappt Bahn- und Telefonverbindungen und löst in der Hauptstadt ein Verkehrschaos aus. Noch Tage später müssen Bahnkunden mit Einschränkungen rechnen. Eine Gruppe namens „Das Grollen des Eyjafjallajökull“ bekennt sich im Internet zu dem Anschlag. Dieser sei ein „Haltesignal“, um gegen Atomenergie, Waffenproduktion und den schlechten Umgang mit Flüchtlingen zu protestieren.
10. Oktober 2011: Offenbar linksextremistische Täter legen mit Brandanschlägen wichtige Teile des Verkehrsnetzes der Deutschen Bahn (DB) lahm. Im brandenburgischen Havelland hatten Kabel in einem Schacht an der Fernbahnstrecke nach Hamburg Feuer gefangen. Stunden später entschärfen Beamte der Bundespolizei mehrere Brandsätze am Berliner Hauptbahnhof. In dem Bekennerschreiben, das auch auf dem linken Internetforum „Indymedia“ veröffentlicht wurde, übernimmt eine Gruppe, die sich „Hekla-Empfangskomitee – Initiative für mehr gesellschaftliche Eruptionen“ nennt, die Verantwortung für „Sabotagehandlungen an mehreren Kabelschächten“. Diese sollten „die Hauptstadt Berlin in den Pausenmodus“ zwingen. Mit den Attacken werde gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan protestiert, heißt es in dem Schreiben. Menschen sollten demnach nicht verletzt werden.
11. Oktober 2011: Bahnmitarbeiter finden drei Brandsätze auf einem Bahngelände am Grünauer Kreuz im Südosten Berlins.
dpa/dapd/cb



