Datenschutz

Piraten entschuldigen sich für E-Mail-Panne

Totale Transparenz – aber aus Versehen: Der Parlamentarische Geschäftsführer der Berliner Piraten machte die Mailadressen von Bewerbern für alle Konkurrenten sichtbar.

"Transparenz" steht bei der Piratenpartei ganz oben im Wahlprogramm. Wie ernst die Neulinge im Berliner Abgeordnetenhaus dieses Ziel nehmen, haben sie nun 252 Menschen bewiesen, die gern bei der Partei arbeiten wollten – und das jetzt vielleicht gar nicht mehr so gern wollen.

In einer Sammel-E-Mail, mit der die Fraktion den Eingang ihrer Bewerbungen bestätigte, ist dem Parlamentarischen Geschäftsführer Martin Delius nämlich ein kleiner Formfehler unterlaufen . Dieses Rundschreiben ging an alle Bewerber, hübsch sichtbar mit allen elektronischen Adressen, so dass auch jeder der 252 Bewerber ahnen konnte, wer sonst noch so bei den Piraten anheuern möchte.

Totale Transparenz. Fördert ja auch den Wettbewerb, wenn man die Konkurrenten kennt; noch dazu wenn man am letzten Teil ihrer E-Mail-Adressen den derzeitigen Arbeitgeber ablesen kann.

Den Piraten ist dieser großangelegte Schriftwechsel aber eher peinlich, schließlich wollen sie sich doch für einen "sicheren Datenhafen Berlin" stark machen. Sicherlich wissen sie dann gut, wie man Post im Internet so verschickt, dass persönliche Daten auch im persönlichen Hafen bleiben.

In der E-Mail, die Geschäftsführer Delius eine Dreiviertelstunde später verschickte, klappte es dann auch mit dem verborgenen Adressfeld. "Versehentlicher Versand mit öffentlichen E-Mail-Adressen", tippte Pirat Delius in die nächste Betreffzeile. "Es handelt sich bei dem Versand in Kopie statt Blindkopie um ein Versehen. Ich bitte dies zu Entschuldigen", schrieb er an die "lieben Empfänger". Beschwerden und Forderungen bearbeite er unter seiner E-Mail-Adresse, die an dieser Stelle aus Datenschutzgründen nicht genannt wird.

Der Fehler sei wegen Überarbeitung passiert, erklären Delius und andere Abgeordnete nach Bekanntwerden der Panne. Wenn sich eine Gruppe junger Politiker aus dem Stand heraus als Partei organisieren muss, gibt es eben eine ganze Menge zu organisieren; da kann das mit den eigenen Zielen schon mal in den Hintergrund geraten.

Die Fraktion wolle sich bei allen Bewerbern entschuldigen, verspricht die Fraktion nun. Bis Dienstag ist allerdings keine neue E-Mail an den praktischen Kandidaten-Verteiler gegangen.

"Bitte um die übliche Vertraulichkeit"

Da er noch bei einem anderen Arbeitgeber fest angestellt sei, bitte er um die übliche Vertraulichkeit, schrieb einer der betroffenen Adressaten in seiner Bewerbung. Er könnte nun juristisch gegen die Partei vorgehen, wegen Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz. Doch erstens könnte er vermutlich nur schwer nachzuweisen, dass ihm durch diese Datenpanne ein objektiv messbarer Schaden entstanden ist. Zweitens müsste er immerhin seinen potenziellen künftigen Arbeitgeber verklagen.

Insofern hat Kandidat "Bert", einer von den 252 Betroffenen, ziemlich praktisch reagiert: "Liebe Mitbewerber", schrieb er an die offene Bewerbergemeinde. Da ausgerechnet der Web 2.0-Partei ein solcher Fehler passiert sei, nutze er die Gunst der Stunde und bediene sich dieses Verteilers, um ein privates Anliegen los zu werden: "Habe einen Hotelgutschein für 4 Personen und zwei Nächte in einem Designhotel in Kopenhagen, einlösbar bis 31.12. Bei Interesse bitte unter dieser E-Mail-Adresse melden."

Bert gibt also freiwillig noch mehr private Daten preis – für dieses Maß an Transparenz müssten ihn die Piraten eigentlich sofort einstellen.