Tarifkonflikt

An der Charité beginnt die dritte Streikwoche

Der Tarifkonflikt bei der Charité-Tochter CFM geht weiter: 300 Mitarbeiter demonstrierten am Freitag laustark für mehr Lohn. Eine Einigung mit den Arbeitgebern ist nicht in Sicht. Es gibt nicht einmal einen Gesprächstermin.

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Etwa 300 Beschäftigte der Charité Facility Management GmbH (CFM) sind am Freitag mit Transparenten, Trillerpfeifen und Luftballons ausgerüstet vom Standort Wedding bis in die Friedrichstraße gezogen. Die Krankenwagenfahrer, Wachleute, Laborassistenten und Küchenmitarbeiter streiken bereits seit zwei Wochen für einen Tarifvertrag und mehr Lohn. Die Gewerkschaft Ver.di fordert mindestens 168 Euro mehr Gehalt pro Mitarbeiter im Monat. Doch eine Einigung mit den Arbeitgebern ist nicht in Sicht, nicht einmal einen Gesprächstermin gibt es.

Zu den Streik-Auswirkungen auf die Patientenversorgung gibt es unterschiedliche Aussagen. „Es gibt keine wesentlichen Beeinträchtigungen“, sagt etwa CFM-Chef Toralf Giebe. Dagegen berichtet Ver.di-Verhandlungsführerin Sylvia Krisch von stundenlangen Wartezeiten auf einen Krankentransport, Reinigungsmängeln und verzögerten Materiallieferungen. „Wenn die Güter jetzt vom Pflegepersonal weggeräumt werden müssen, gehen diese Arbeitsstunden natürlich von der Patientenversorgung ab“, sagt sie. Auch Operationstermine würden sich verzögern, weil die dafür benötigten sterilen OP-Instrumente fehlen. Die Charité-Leitung bestätigte diese Aussagen nicht.

Streit um Leiharbeiter

Der Personalmangel werde durch Mitarbeiter, die nicht streiken, und durch Leiharbeiter aufgefangen, so die CFM. Lediglich acht Prozent der Beschäftigten befänden sich im Ausstand. „Das entspricht einem leicht erhöhten Krankenstand und ist gut zu bewältigen“, sagt CFM-Chef Giebe. Gegen den Vorwurf, illegale Leiharbeiter zu beschäftigen, wehrt er sich. Die externen Firmen würden alle rechtlichen Vorraussetzungen erfüllen.

Die Gewerkschaftsforderungen bezeichnet der CFM-Chef als „maßlos und unrealistisch“. „Wenn wir diesen Forderungen nachgeben, wären wir von der Insolvenz bedroht “, sagt Giebe. Die Löhne der Beschäftigten seien auf Branchenniveau. Streikführerin Krisch spricht dagegen von „Scheinangeboten“. Der Stundenlohn der Sicherheitsleute sei zwar auf 7,50 Euro erhöht worden, dafür seien aber Prämien und Zuschläge weggefallen, so dass die Mitarbeiter am Ende nicht mehr Geld erhielten. Beide Parteien stellen sich auf einen langen Streik ein. Die Tarifverhandlungen dauern bereits seit Ende Mai.

Um Kosten zu sparen, hat die Charité 2006 gemeinsam mit privaten Unternehmen die Service-Tochter CFM gegründet. Dort arbeiten rund 1800 Mitarbeiter, weitere 700 sind von der Charité abgeordnet.