Berliner Spaziergang

Michael Mronz wäre gerne Vater geworden

Morgenpost Online trifft Menschen, die etwas in Berlin bewegen.Treffpunkt ist ihre Lieblingsecke. Heute: ein Spaziergang mit Michael Mronz, Eventmanager und Lebenspartner von Guido Westerwelle.

Foto: M. Lengemann / Martin Lengemann

Wie sich Lehrer doch irren können. Michael Mronz war zwei Mal sitzengeblieben und hatte schon wieder sechs Fünfen und eine Sechs auf dem Zeugnis, als sein Vater in die Schule zitiert wurde. „Tun Sie sich und Ihrem Sohn einen Gefallen: Nehmen Sie ihn vom Gymnasium und stecken ihn in die Hauptschule. Der Junge ist dumm.“ Doch die Eltern ignorierten den Rat des Pädagogen. Sie glaubten an ihren damals 13-jährigen Micky, unterstützten ihn, steckten ihn statt in die Hauptschule in ein Internat, ohne weitere „Ehrenrunde“ machte er das Abitur, studierte Betriebswirtschaft, das er mit einem Diplom abschloss. Heute ist Michael Mronz, seit September 2010 mit Außenminister Guido Westerwelle verpartnert, erfolgreicher Unternehmer und Event-Manager.

Das hat Mronz gerade wieder in Berlin bewiesen. Für Katharina Thalbachs „Zauberflöte“ am Wannsee übernahm er im Vorfeld mit seinen Partnern den Kartenverkauf, suchte Sponsoren und betrieb die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Mit einem gnädigen Wettergott im Bunde konnte der 44-jährige Rheinländer einmal mehr zu einem erfolgreichen Spektakel beitragen. Nicht sein erstes in Berlin.

Dass die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 im Olympiastadion ein Erfolg wurde, war auch seiner Vermarktungsstrategie zu danken. 2006 organisierte er vor dem Brandenburger Tor eine Reitschau, um weltweit das Interesse für die Reitweltmeisterschaft 2006 im beschaulichen Aachen zu wecken. Und erst vor ein paar Tagen ließ er an der gleichen Stelle Spitzensportler hoch- und weitspringen. Mit dem Ziel, Berlins Bewerbung für die Leichtathletik-Europameisterschaft 2018 zu befördern. Wichtiger als Ergebnisse und Sieger der mit „Berlin fliegt“ betitelten Veranstaltung war denn auch die Live-Übertragung im Fernsehsender Eurosport. „Ohne Fernsehen ist es viel schwerer, Werbepartner für Großveranstaltungen zu finden“, sagt Mronz.

Events am Brandenburger Tor

Das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Aber muss es in Berlin immer das Brandenburger Tor samt Sperrung der Straße des 17. Juni und Verkehrsstaus sein? „Ich kann verstehen, dass sich einige Berliner darüber ärgern und Veranstaltungen am Brandenburger Tor immer wieder zu Behinderungen führen. Deshalb müssen Bezirk und Senat sensibel mit der Genehmigung von Präsentationen an diesem besonderen Ort umgehen. Aber wenn Berlin ein ,Place to be' sein will, dann ist es eben wichtig, Werbeveranstaltungen wie ,Berlin fliegt' mit dem Markenzeichen der Stadt zu verbinden.“

Wir haben uns nicht an Berlins symbolträchtigstem Bauwerk verabredet. Sondern im „Café Einstein“ Unter den Linden, dem vormittäglichen Kommunikationszentrum in der deutschen Hauptstadt. Eigentlich wollten wir am Wannsee, dort, wo die Zauberflöte gezeigt wurde, spazieren gehen. Der zu erwartende Stau bei der Anfahrt über die Avus stimmte uns um. Eine Wanderung durch den Schlosspark von Charlottenburg lag näher. Aber dann regnet es kräftig am frühen Morgen. Also doch lieber Treffpunkt im „Einstein“.

Das beginnt damit, dass die Sonne just in dem Moment durchbricht, als wir uns vor der Tür begrüßen. Sie passt auch viel besser zu Michael Mronz als dunkle Wolken. Ein smarter Gentleman. Zum dunkelblauen Anzug ein hellblaues Hemd, ohne Schlips, dafür die oberen Kragenknöpfe geöffnet. Überstrahlt wird alles von einem Lächeln, das von Gelassenheit, Selbstbewusstsein und Zufriedenheit kündet. „Ich kenne keinen Stress“, wird er später sagen. „Ich versuche, immer das Positive zu sehen. Und wenn die Dinge mal beruflich nicht so gut laufen, denke ich daran, dass jede Sache zwei Seiten hat. Ich versuche dann, auf die andere, die bessere Seite zu kommen. Schlecht gelaunt zu sein verschenkt zu viel Lebensqualität. Unsere Zeit auf Erden ist begrenzt.“ Während ich über eine solch kluge Lebenseinsicht sinniere, setzt er noch eins drauf, indem er seinen Lebenspartner zitiert: „Wie sagt Guido so schön: ,Das Leben ist keine Generalprobe, man lebt es nur einmal.'“ Dazu später mehr.

Jetzt nutzen wir den Sonnenschein und spazieren entlang der Neustädtischen Kirchstraße Richtung Spree. Ich will wissen, was ein Event-Manager eigentlich macht. „Er organisiert Veranstaltungen, entwickelt Konzepte für Events im Sport-, Kultur- oder Unterhaltungsbereich, betreut Unternehmen in deren Außendarstellung.“ Geht es noch etwas konkreter? „Wir suchen Sponsoren und verhandeln auf Basis Leistung und Gegenleistung in Form von direkter oder indirekter Werbung für sie. Dafür schließen wir die nötigen TV-Verträge und übernehmen die Vermarktung. Das gesamte Marketing also. Grundsätzlich halte ich mich aber bei Veranstaltungen raus aus den künstlerischen oder sportlichen Dingen, von denen ich kein oder nur halbes Wissen habe.“

Das gilt selbst für die Veranstaltung von Weltruf, die Mronz mit zur heutigen Größe befördert hat. Das CHIO (Concours Hippique International Officiel) in Aachen, das bedeutendste und größte Reitturnier auf diesem Globus, vermarktet er als Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH seit 1997. Kamen vor ihm knapp 200000 Besucher, waren es in diesem Jahr 350000. Die Gewinne werden stets in die Weiterentwicklung des Turniers investiert. Macht er als Marketing-Mann bella figura, ist er im Sattel ein Trauerkloß. Richtiger: Er hat nach dem ersten Reitversuch ganz schnell wieder aufgegeben. Die Dressurreiterin Nadine Capellmann hatte ihm eine Reitstunde gegeben, ihr Trainer Klaus Balkenhol steuerte leihweise die Stiefel bei. Die, mit denen er 1996 in Atlanta olympisches Gold gewonnen hatte. Die Stunde hoch zu Ross war für Michael Mronz schrecklich demotivierend. Dann auch kein Entkommen aus den Goldstiefeln. Sie mussten schließlich aufgeschnitten werden. Heute kann er über die Geschichte lachen und spielt lieber Golf (Handicap 18) und wieder Tennis.

Schließlich noch die Frage nach dem wichtigsten Kapital, das ein Event-Manager haben sollte? Natürlich Kreativität als Grundlage. Eigene Ideen müsse man entwickeln und Menschen dafür begeistern, diese auch umzusetzen. „Vertrauen ist notwendig, Seriosität, also keine Luftschlösser versprechen und Gartenlauben liefern, und schließlich Zuverlässigkeit in der Durchführung.“

Entlang der Spree, vorbei am ARD-Hauptstadtstudio, zurück über die Dorotheenstraße kehren wir im „Café Einstein“ ein, bestellen frisch gepressten Orangensaft. Themenwechsel. Vom Beruflichen zum Privaten. Leidet Michael Mronz mit angesichts der politischen wie medialen Talfahrt seines Lebenspartners, Außenministers und FDP Politikers, Guido Westerwelle? „Ich habe da meine eigenen Gedanken, meine eigene Interpretation. Und natürlich den Vorteil, dass ich den Menschen Guido Westerwelle mit den Werten, für die er steht, besser kenne als die, die über ihn berichten.“ Mehr will er dazu nicht sagen, das FDP-Mitglied aus freien Stücken und der enttäuschte einstige Parteigänger der CDU. Und die heftige Kritik gleich zu Beginn von Westerwelles Amtszeit, als dieser seinen Lebenspartner auf die ersten Auslandsreisen mitnahm?

„Ich bin seit mehr als 25 Jahren berufstätig. In dieser Zeit habe ich mir selbst meine Kontakte aufgebaut und eigene Leistungen nachgewiesen. Insofern bedarf es keiner geschäftlichen Beziehungen und Kontakte auf der Grundlage meiner Lebenspartnerschaft mit Deutschlands Außenminister. Er hat seinen Beruf und ich habe meinen.“ Nicht überall auf der Welt können homosexuelle Paare ihr Leben so offen leben wie in westlichen Gesellschaften, schon gar nicht in der Politik. Sieht er deshalb diplomatische Verwicklungen, würde er den Minister auf Dienstreisen beispielsweise in arabische oder asiatische Länder begleiten? „Das Problem hatten wir schon aus terminlichen Gründen nicht. Wie gesagt, ich habe ja eigene berufliche Verpflichtungen. Aber wenn wir gemeinsam reisen, müssen wir vom Gastland natürlich auch gemeinsam eingeladen werden.“

Und dann erzählt er, dass das Paar Mronz/Westerwelle extrem viel Zuspruch bekomme – von Schwulen und Lesben wie von Heterosexuellen. „,Toll, wie ihr euer Leben lebt', heißt es immer wieder. Aber ich weiß auch, dass viele in der Schwulen-Community erwarten, dass wir mit der Fahne rumlaufen. Ich glaube allerdings, Änderungen in unserer Gesellschaft erreichen wir nicht, wenn wir immer provokativ voranmarschieren. Das mag mal notwendig sein. Die wahren Veränderungen ergeben sich aus der Kontinuität, nicht durch Provokation. Das trifft auch auf die Hoffnung auf mehr Verständnis und Respekt für diese Lebensform in den Ländern zu, in denen gleichgeschlechtliche Beziehungen noch nicht akzeptiert werden.“

Noch viele Ressentiments

Michael Mronz zeigt nicht die Spur von Scheu oder Verklemmtheit, über Homosexualität und gleichgeschlechtliche Partnerschaft zu reden. Er trägt seine etwas andere Lebensweise nicht wie eine Monstranz vor sich her. Das macht ihn sympathischer und glaubwürdiger. Er weiß natürlich, dass es auch hierzulande noch reichlich Ressentiments gibt. „Im Sport, vor allem beim Fußball und Boxen, im Motorsport. Im kulturellen Bereich dagegen haben es Homosexuelle leichter. Und in der Politik hat es ja auch Jahrzehnte gedauert, ehe die ersten Tabus gebrochen wurden. Selbst innerhalb einer Familie braucht es sicher die nötige Zeit und Akzeptanz, wenn die Tochter oder der Sohn gleichgeschlechtlich liebt. Aber deshalb hat man sein Kind sicherlich nicht weniger lieb. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.“

Wäre er selbst gern Vater geworden? „Ja. Aber unsere Lebensumstände erlauben nicht, dass wir Kinder haben können. Kinder sind das Schützenswerteste, was es gibt.“ Er ist fünffacher Patenonkel und aktiv im Vorstand der „Bild“-Aktion „Ein Herz für Kinder“ engagiert. „Ich tue das besonders gern, weil jeder gespendete Cent eins zu eins notleidenden Kindern zugute kommt und 70 Prozent des Geldes für Projekte im Inland bestimmt sind. Auch in Deutschland ist noch immer viel Hilfe für die Jüngsten nötig.“

Hatte Michael Mronz je die Absicht, selbst Politiker zu werden? Er hatte einst die Vorstellung, vielleicht mit 40 Jahren in die Politik zu wechseln. Seitdem er diese auch nur von der Seite erlebt habe, sei diese Idee schnell begraben worden. „Ich bin als Unternehmerkind groß geworden und gewohnt, dass Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden. In der Politik läuft das ganz anders. Das Suchen von Mehrheiten würde mir auf Dauer nicht gelingen. Dafür bin ich zu ungeduldig.“

Sie sind eben kreative Macher, die Mronz. Sie stammen aus Hindenburg im früheren Oberschlesien, im heutigen Polen. Dort hatte der Großvater eine Schlachterei und schon eine erstaunliche Gabe zu kreativem Marketing. Als er einen größeren Laden eröffnete, so erzählt der Enkel vergnüglich, stellte er zwölf rothaarige Verkäuferinnen ein– eine schöner als die andere. Nach einem halben Jahr waren alle verheiratet, die Metzgerei war Stadtgespräch. Vater Mronz studierte in Krakau Architektur, flüchtete 1957 aus Polen und entschied sich spontan für Köln, als er vom Zug aus den Dom erblickte. Er stieg aus und steckte als strenger Katholik die letzten 20 Mark in den Opferstock des Doms. Ob mit oder ohne Gottes Hilfe: Der Vater wurde ein erfolgreicher Architekt mit eigenem Haus nahe dem Stadion des 1.FC Köln. Sohn Michael kombinierte beides zum ersten Geschäftsmodell. Er bot die Fläche vor dem Elternhaus als Parkplatz für Stadionbesucher an: normales Spiel zwei Mark, fünf Mark für ein Spitzenspiel – damals spielte der 1.FC Köln noch international. Bald hatte Michael seine Stammkunden so weit, dass sie das Parkgeld in den Briefkasten warfen, während er sich auf dem Tennisplatz vergnügte. Ganz schön kreativ. Auch wenn das nicht jeder sofort erkennt.